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S-Bahn fahren auf dem Schuldenberg

Springe. Die Region Hannover, sie feiert sich in diesen Tagen so richtig: In dieser Woche veröffentliche Regionspräsident Hauke Jagau zunächst einen aufwändigen Imagefilm zum zehnten Geburtstag, im April soll in Berlin ein großer Empfang steigen. Doch in Springe will nicht jeder mitfeiern.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Zum Beispiel die Völksener CDU-Regionsabgeordnete Gabriela Kohlenberg. Sie will sich einem Boykott des Berlin-Festes, zu dem ihre Fraktion aufrief, anschließen. Zum einen aus terminlichen Gründen – aber auch, weil ihr angesichts des hohen Schuldenbergs der Region das Verständnis für so eine Feier fehlt. Dazu kommt: Sie sieht die Region ohnehin zu wenig im Bewusstsein der heimischen Bürger verankert: „Warum müssen wir dann auch noch in Berlin feiern, warum nicht hier vor Ort?“ Insgesamt sei es der Region noch nicht gelungen, in die Fußstapfen des etablierten Landkreises zu treten, glaubt Kohlenberg. Ihr Lichtblick: Die Gründung der Klinikum-GmbH durch die Region habe letztendlich das heimische Krankenhaus gerettet.

Springes Bürgermeister Jörg Roger-Hische stimmt zu – und sieht noch einen Aspekt, der sich für Springe gelohnt habe: das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs: „Als Kommune am Rand der Region profitieren unsere Menschen in ganz besonderer Weise von den Angeboten der S-Bahn und der Regiobus.“

Der hohe Standard, der allerdings auch viel Geld koste, sei für Springe zu „einem wichtigen Standort- und Wohnstandortfaktor“ geworden, so Hische. Der Bürgermeister erinnert auch an die Kraftfahrtzulassung, die Waffenbehörde und nicht zuletzt das Jugendamt, die die Stadt seit Gründung der Region übernommen hat, er lobt den Austausch mit den anderen Regionskommunen.

Und hat doch einen Kritikpunkt – den Imagefilm: Er könne nicht verstehen, warum außer der Landeshauptstadt kaum eine der Regionsstädte und Gemeinden erwähnt oder gezeigt werden: „Wenn nicht in dem Teil über das Klinikum der Name Springes kurz eingeblendet worden wäre, wären wir gar nicht aufgetaucht. Das ist ein klares Defizit des Films.“

Trotzdem will Hische die Stadt beim Empfang in Berlin vertreten: „Verweigerungsopposition ist nie der richtige Weg“, sagt er. Stattdessen sieht er die Chance, „an exponierter Stelle“ auf eine seiner größten Sorgen hinzuweisen: die strukturelle Unterfinanzierung von Stadt und Region.

Genau die treibt auch den Bennigser Regionsabgeordneten Peter Kimmel um. Unter dem Strich fehle die riesige Summe von einer Milliarde Euro: „So gesehen ist die Region eine Fehlkonstruktion. Sie generiert außer der Umlage von den Städten und Gemeinden keine eigenen Einnahmen“, so Kimmel. Das wiederum bringt den Bennigser, der auch im Stadtrat sitzt, in die Bredouille: „Aus Regionssicht müssten wir die Umlage erhöhen – aber aus Sicht der Stadt senken.“

Trotz allem sei die Region Hannover „das erste Experiment seiner Art in Deutschland“ gewesen, betont Kimmel: „Dieser Zusammenschluss von Großstadt und Umland war damals einzigartig.“ Inzwischen haben Aachen und Saarbrücken mit ähnlichen Modellen nachgezogen.

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