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Linke will Sehenswürdigkeit auf Unesco-Liste setzen

Saupark als Weltkulturerbe: Wie realistisch ist das?

SPRINGE. Der Saupark und das Jagdschloss als Weltkulturerbe? Die Linke fordert genau das in einem Antrag an den Rat. „Wir haben jetzt überall gespart, wo es nur geht, jetzt ist es Zeit für neue Ideen – die Stadt muss wieder Selbstbewusstsein tanken“, sagt Ratsherr Udo Selent.

Für Wanderer ist der Saupark ein beliebter Anlaufpunkt. Wird er bal Weltkulturerbe? FOTO: MISCHER
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Doch auch wenn es viel Zustimmung gibt: Die Chancen auf eine Umsetzung sind gering. Wir erklären, warum.

Ganz so einfach ist das nämlich nicht, sagt Sabine Luft von der Unesco: „Eine Welterbestätte muss eine herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben.“

Die 21 Vertragsstaaten der Welterbekonvention reichen beim Welterbe-Zentrum der Unesco in Paris Vorschlagslisten, sogenannte Tentativlisten, ein, auf denen die für eine Antragstellung vorgesehenen Stätten innerhalb eines Zeitraums von fünf bis zehn Jahren verzeichnet sind, erklärt Luft.

Weil in Deutschland die Unterschutzstellung und Pflege von Denkmälern Angelegenheit der Länder ist, haben diese das Nominierungsrecht. „Innerhalb der Bundesrepublik werden mögliche Anträge zunächst von der vorgesehenen Welterbestätte in Zusammenarbeit mit dem für Denkmalangelegenheiten zuständigen Ressort des entsprechenden Landes bearbeitet.“

Die Kultusministerkonferenz führt die aus den Ländern kommenden Vorschläge zusammen: „Nur mindestens ein Jahr lang auf der offiziellen Tentativliste des Vertragsstaates eingetragene Stätten können in einem weiteren Schritt Anträge zur Aufnahme in die Welterbeliste einreichen“, sagt Luft.

Ratsherr Selent weiß um die Herausforderung – betont aber: „Es ist uns wichtig, dass das Thema ins Gespräch kommt. Selbst der Weg ist ein gutes Ziel.“ Sein Antrag, der im Rat am 15. Juni diskutiert wird, habe keinen wirtschaftlichen Hintergrund, stellt er klar: „Für die Stadt ist es ein überschaubares Risiko und auch die Kosten, den Vorstoß zu prüfen, sind überschaubar.“ Der Antrag werde bereits auf Regionsebene von der eigenen Partei unterstützt und auch von einigen Politikern im Stadtgebiet habe er eine positive Rückmeldung bekommen, so Selent: „Der Effekt wäre dermaßen groß – wir schieben damit viel an. Wir dürfen uns in Springe nicht kaputt sparen.“

Sollte Springe es tatsächlich auf eine niedersächsische Liste schaffen, würde der Antrag dem Auswärtigen Amt weitergeleitet, das die Übermittlung an das Unesco-Welterbezentrum in Paris vornimmt. Nach der Einreichung der Anträge führen Experten eine eingehende Prüfung durch, auf deren Grundlage das Welterbe-Komitee über die Aufnahme entscheidet.

„Das ist ein sehr langer und aufwendiger Weg und es ist generell sehr schwer, deutsche Projekte zu benennen. Wir befinden uns sehr früh im Verfahren“, sagt der für den Saupark zuständige Forstamtschef Christian Boele-Keimer. „Risiken und Nebenwirkungen müssen sorgfältig diskutiert werden – so weit sind wir noch nicht.“

Sollte der Wald samt Sauparkmauer und Jagdschloss tatsächlich Weltkulturerbe werden können, würden auch mehr Besucher in den Wald strömen, erwartet Boele-Keimer. Jedoch: „Das würde ich gar nicht als Risiko sehen, da befürchte ich keine größeren Schäden. Und über mehr Besucher im Jagdschloss würden wir uns freuen.“ Er sehe eher ein finanzielles Risiko: „Und ich frage mich, welche Erwartungen die Unesco dann an uns hätte.“

Begeistert von dem Antrag ist Bürgermeister Christian Springfeld. Allerdings sei er nach mehreren Gesprächen schnell „auf dem Boden der Tatsachen gelandet“. Weil Deutschland in Bezug auf Weltkulturerbe-Stätten überrepräsentiert sei, stünden die Erfolgsaussichten nicht so gut – und das Verfahren könne durchaus 20 Jahre dauern. „Ich kann mir ausmalen, wie bürokratisch das werden kann. Und wir müssten klären: Wer hat den Hut auf und was kostet das, gibt es Fördermöglichkeiten?“, so Springfeld.

Denn für die Antragsstellung seien häufig professionelle Büros involviert – und die kosten Geld. Der Antrag sei zwar konstruktiv und im Sinne der Stadt – aber trotz aller Begeisterung: „Wir müssen erst mal durchatmen.“

Wie realistisch sind aber die Erfolgschancen tatsächlich? Wolfgang Schneider ist Direktor des Instituts für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim – und Inhaber des Unesco-Lehrstuhls „Cultural Policy for the Arts in Development“. Für die NDZ hat ersich den Antrag der Linken angesehen. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das große Erfolgschancen hat“, sagt Schneider.

Springe solle sich fragen: „Haben wir es mit einem kulturhistorischen Erbe zu tun, das frühere Machtverhältnisse dokumentiert und wie passt das in einen historischen Kontext?“ Es sei nicht wichtig, darüber nachzudenken, was in der Kulturlandschaft groß und klein ist – im Stadtgebiet leben gerade einmal fast 30 000 Menschen. Dass mit der Aufnahme des Sauparks in die Liste der Tourismus angeregt werde, wie es die Linken erwarten, sei nur nachrangig. „Es ist durchaus gerechtfertigt, das zu denken, aber man sollte die ideellen Gründe in den Vordergrund stellen.“

Schneider war an der Antragsstellung des Jüdischen Zentrums Erfurt beteiligt: „Das ist eine ganz andere Dimension und hat besonderen Vorrang, glaube ich. Ein wunderschönes königliches Jagdrevier ist da zweitrangig.“ Trotzdem begrüßt der Kulturexperte den Vorstoß. „Das Weltkulturerbeprogramm hat einen pädagogischen Effekt und regt zum Nachdenken an – denn die Menschen befassen sich damit mit dem kulturellen Gedächtnis, das ist auf lokalpolitischer Ebene eher selten. Ich begrüße die Initiative als kulturpolitisches Projekt.“

Aus dem Prozess könnten sich jetzt Strategien ergeben, sich damit auseinander zu selten, dass das Jagdschloss in diesem Jahr vor 180 Jahren fertiggestellt wurde. „Die Diskussion muss in aller Breite geführt werden, um nach einer konzeptionellen Bestandsaufnahme Perspektiven zu ermitteln, um sich auf den Weg zu machen.“

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