weather-image
30°

Richtungsstreit im Museumsverein eskaliert

Schon seit Jahren plagen das Museum auf dem Burghof Sorgen. Eine neue Vorsitzende sollte jetzt bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bestimmt werden – bei der es ordentlich Zoff gab.

270_0900_7178_museum2.jpg

Autor:

VON CHRISTIAN ZETT UND CHRISTOPH HUPPERT

SPRINGE. Schon seit Jahren plagen das Museum auf dem Burghof Sorgen: Etatkürzungen, Stellenstreichungen, dazu der Abschied der langjährigen Chefin Angelika Schwager. Deren Nachfolger sollte jetzt bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bestimmt werden – bei der es ordentlich Zoff gab.

Im Mittelpunkt: der neue Vorstand um die Vorsitzende Heide Dopheide – gewählt mit 18 zu 10 Stimmen. Überraschender Gegenkandidat: Museumsfachmann und Historiker Olaf Grohmann aus Wennigsen. Er war, das bestätigte er der NDZ, von Schwager gebeten worden, zu kandidieren. Er hatte erst zwei Tage vor der Versammlung seine Absicht kundgetan. Gestern bezeichnete er einige Aspekte der Versammlung als „Farce“.

Offenbar zum Unmut von Dopheide und Schriftführerin Heidrun Karkosch: Denn die wollten Grohmanns Kandidatur gar nicht erst zulassen. Über seinen erst kurz zuvor gestellten Mitgliedsantrag sei noch nicht entschieden worden, habe man ihm in der Versammlung gesagt, erinnerte sich der Wennigser gestern: „Ich bin mal gespannt, ob ich jetzt eine Bestätigung oder eine Absage erhalte.“

Dass er von außen dem Museum hätte helfen können, davon ist Grohmann überzeugt: Er kenne das Haus und dessen langjährige Chefin Angelika Schwager aus der gemeinsamen Arbeit in seinem Verein „Netzwerk Industriegeschichte“ – aber auch aus der großen regionalen „Pottland“-Ausstellung mit historischen Töpferwaren, die er vor einigen Jahren maßgeblich mitgestaltete.

Das Springer Museum habe „viel Potenzial“, sagt Grohmann, der als Spezialist für Ausstellungs- und Museumsplanung arbeitet und zwei Firmen betreibt: Auch eine ehrenamtlich geführte Einrichtung müsse jedoch immer mehr Standards erfüllen – es gehe „ums Bewahren, ums Erforschen und Präsentieren“. Das neue Vorstandsteam wolle sich eher „auf die Kaffeestube und die Textilsammlung konzentrieren“ – dass er davon nicht viel hält, das hört man Grohmann an.

Dass er bei der Abstimmung unterlegen ist, störe ihn nicht weiter: „Das war eine gerechte demokratische Entscheidung“. Problematischer ist für ihn die Form der Versammlung: „Eine Farce“ sei das gewesen, es sei viel „mit Schlamm geworfen“ worden: „Wer wollte, hätte gute Chancen, das ganze Ergebnis anzufechten.“ Sein Ziel sei das allerdings nicht: „Ich muss das Amt nicht um jeden Preis haben. Ich bin auch so gut ausgelastet.“

Teilnehmer berichten, Schwager habe bei der Versammlung ihren Vorschlag verteidigt: Grohmann sei „die beste Lösung, denn das Haus braucht Kompetenz“, habe sie gesagt. Daraufhin sei sie von anderen scharf angegriffen worden: Sie habe die Gegenkandidatur „inszeniert“, weil sie selbst keine Kraft mehr für ihr Amt gehabt hätte. „Frechheit“, soll Schwager gekontert haben.

Grohmann sieht bei der Zukunft des Museums auch die Stadt in der Pflicht: „Ich bin gespannt, wie sie sich positioniert. Ob sie sagt, wir ziehen uns noch weiter zurück. Oder ob sie zum Museum steht.“

Die neue Vorsitzende Heidi Dopheide und Schriftführerin Heidrun Karkosch kündigten in einer E-Mail an die NDZ eine Mitteilung zur Mitgliederversammlung an. Bei der Veranstaltung wollten sie sich noch nicht zu einem Konzept für die Zukunft des Museums äußern.- Zu Dopheides Stellvertreterin wurde Anita Oppermann gewählt – in Abwesenheit.

Anmerkung der Redaktion: Unser Mitarbeiter Christoph Huppert war als Mitglied des Museumsvereins zu der nichtöffentlichen Versammlung eingeladen. Er ist inzwischen ausgetreten. Nach der Veranstaltung sind weitere Teilnehmer mit Informationen auf die NDZ zugegangen.

 

In städtischen Räumen: Das „Museum auf dem Burghof“ wird seit seiner Eröffnung im Jahr 1969 von einem gleichnamigen gemeinnützigen Verein getragen. Die Stadt stellt der Einrichtung die Gebäude zur Verfügung. Darüber hinaus kann das Museum auf die Dienste eines Handwerkers zurückgreifen. Dessen Einsatzzeiten wurden zuletzt aber zurückgefahren: Die Politik hatte einen Sparkurs verordnet. Zuvor war eine pädagogische Stelle gestrichen worden. Das Museum finanziert sich nach eigener Darstellung durch Eintrittsgelder, Mitgliedsbeiträge und Sachspenden. Auf die Sparmaßnahmen hatten die Verantwortlichen etwa mit reduzierten Öffnungszeiten reagiert.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare