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Regiobus-Chefinnen stellen sich im NDZ-Interview

ELDAGSEN. Vor gut zwei Wochen verkündete Regiobus, den Neubau des Eldagser Betriebshofs auf Eis zu legen. Jetzt haben sich die Regiobus-Geschäftsführerinnen Elke von Zadel und Regina Oelfke den Fragen von NDZ-Redaktionsleiter Christian Zett und Redakteurin Marita Scheffler gestellt.

Stellen sich den Fragen der NDZ: die Regiobus-Geschäftsführerinnen Regina Oelfke und Elke van Zadel. FOTO: MISCHER

Hat Sie der Gegenwind aus Springe überrascht?

Van Zadel: Nein, das nicht. Aber auch uns hat die Mitteilung der Landesnahverkehrsgesellschaft überrascht, dass es erstmal keine Fördergelder gibt. Unsere Aufgabe war, das gleich zu kommunizieren. Natürlich war uns auch bewusst, dass das für Aufregung sorgt und vor allem die Belegschaft enorm verunsichert.

Was vielen fehlte in der ersten Mitteilung, war jegliches Bedauern, jegliche Kampfbereitschaft für den Standort. Es wirkte eher so, als hätten Sie auf die Gelegenheit nur gewartet.

Oelfke: Nach meiner Wahrnehmung wurden wir da auch ein bisschen missverstanden. Wir haben gesagt, wir setzen für Eldagsen erstmal ein Stoppschild, weil das Geld vom Land nicht kommt. Daraus wurde dann in der Öffentlichkeit: Das ist das Aus für Eldagsen. Und das wäre tatsächlich zu bedauern gewesen. Aber so gibt es dafür erstmal gar keinen Anlass.

Aber in der Mitteilung steht ja mehr: Eldagsens Lage ist nicht gut, der Betriebshof eignet sich nicht für Elektromobilität…

Van Zadel: Grundsätzlich ging es darum, den Baustopp zu kommunizieren. Dann haben wir gesagt, dass es inzwischen auch neue Erkenntnisse gibt. Die Zeit, bis klar ist, wie es weitergeht, wollen wir jetzt nutzen, um diese Erkenntnisse mitzunehmen.

Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Unternehmens besagt auch, dass die Abläufe auf den Betriebshöfen insgesamt optimiert werden sollen. Das ist ganz explizit keine isolierte Eldagsen-Betrachtung, sondern gilt für alle Standorte. Dazu kommt die Frage nach Antriebstechnologien, aber auch das Regionalbuskonzept, das andere Schwerpunkte bei den Linien setzt. Die Frage ist: Wie sieht ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept für alle Betriebshöfe aus?

Die Entscheidung für den Wiederaufbau in Eldagsen ist aber doch gerade mal zwei Jahre alt.

Van Zadel: Genau. Aber in den zwei Jahren ist viel passiert. All diese neuen Erkenntnisse sind jüngeren Datums.

Wann fallen denn Entscheidungen, wie es jetzt weitergeht?

Van Zadel: Die LNVG hat uns gesagt, es gibt keine Fördermittel für einen Betriebshofbau, solange wir nicht für die Zeit ab 2020 den Öffentlichen Dienstleistungsauftrag für das Liniennetz bekommen haben. Diese Begründung ist auf jeden anderen Standort ja genauso anwendbar. Wir hoffen, dass wir über den Auftrag im Sommer mehr Klarheit haben – und bis dahin auch unsere Konzepte vorliegen.

Letztlich sagt ja der Aufsichtsrat, was und wo gebaut wird. Wollen Sie da auch schon im Sommer eine Entscheidung?

Oelfke: Am 9. März wollen wir den Aufsichtsrat erstmal umfassend informieren. Am 6. März ist der Beschluss der Regionsversammlung zur Vorab-Bekanntmachung des beabsichtigten Dienstleistungsauftrags vorgesehen. Danach beginnt die Dreimonatsfrist für mögliche Konkurrenten.

Im Moment gilt der Aufsichtsrats-Beschluss in Bezug auf Eldagsen: insgesamt 16 Millionen Euro für den Betriebshofneubau. Wir hatten damit gerechnet, dass wir Fördergelder in Höhe von etwa fünf Millionen Euro bekommen – ungefähr ein Drittel der Bausumme. Zwei Millionen Euro hatten wir schon für 2018 einkalkuliert. So haben wir eine Finanzierungslücke, die wir ohne den Aufsichtsrat nicht schließen können. Im Sommer werden wir da schon weiter sein, ja.

Warum bitten Sie den Aufsichtsrat nicht um mehr Geld?

Oelfke: Theoretisch wäre das denkbar – ungeachtet der Konzepte, die wir gerne berücksichtigen wollen. Das wäre dann nach dem Motto: Augen zu und durch. In unserer aktuellen Situation wäre es aber fahrlässig, einfach zu sagen: Auf die 5 Millionen Euro kommt es nicht an.

Regiobus muss also sparen, um den Dienstleistungsauftrag zu bekommen. Aber in
Eldagsen haben Sie für den Neubau ja schon Grundstücke gekauft, Planungskosten ausgegeben. Spielt das im Zweifel keine Rolle?

Van Zadel: Natürlich sind hier schon Gelder investiert worden. Wir erheben das gerade genau und werden diese Kosten natürlich mit betrachten müssen, wenn wir das alles wirtschaftlich beurteilen.

Ist der Betriebshof denn momentan wirtschaftlich?

Van Zadel: Nahverkehr ist in Deutschland insgesamt ein Zuschussgeschäft.

Ist Eldagsen unwirtschaftlicher als andere Standorte?

Van Zadel: Wir machen keine Einzelfallbetrachtungen. Wir schauen uns den Betrieb insgesamt an. Die Frage ist immer: Wie viele Linien fahren von wo aus, wie viele Einsatzkilometer kommen zusammen? Wir können aber sowieso nicht vom heutigen Zustand ausgehen. Unser Liniennetz wird sich 2020 grundlegend ändern. Und darauf müssen wir schauen.

Aber dass die Lage des Eldagser Betriebshofs schlecht ist, steht für Sie ja schon jetzt fest.

Oelfke: Die Entscheidung, jetzt auf Stopp zu drücken, war keine Lex Eldagsen. Wir schauen uns alle Betriebshöfe an. Eldagsen ist Ende der 1970er-Jahre dort entstanden, weil damals auch Busverkehre in die angrenzenden Landkreise Hameln-Pyrmont und Hildesheim gefahren wurden. Das ist eine historisch gewachsene Struktur – wie bei allen anderen Standorten. Und das bewerten wir nun nochmal, um zu einem Gesamtkonzept zu kommen, das sich für den Gesamtbetrieb wirtschaftlich vernünftig darstellt.

Der Aufsichtsrat, der letztendlich entscheidet, setzt sich zusammen aus Regionspolitikern und Arbeitnehmern. Wie sind von denen bisher die Rückmeldungen auf ihre Überlegungen?

Van Zadel: Wir haben denen die Situation so dargelegt, wie wir sie Ihnen jetzt darlegen. Ich habe die Reaktionen so wahrgenommen, dass alle ein Interesse an einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept haben. Und den Handlungsdruck verstehen, der sich aus unserer Situation ergibt.

Sie haben auch mit den Mitarbeitern in Eldagsen geredet.

Van Zadel: Wir waren auf dem Betriebshof, nachdem wir den Stopp verkündet haben, und haben dort Rede und Antwort gestanden. Wir verstehen, dass das in Eldagsen und vor allem bei den Mitarbeitern Ängste auslöst. Und wir haben die Problematik, dass wir nicht sofort Sicherheit geben können.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert?

Oelfke: Nach meiner Wahrnehmung erstmal informationsbedürftig. Klar sind die Mitarbeiter nicht froh, dass wir diese Schleife jetzt fahren müssen. Das war uns im Vorfeld klar. Aber wir meinen auch, dass die Infos, die wir geben konnten, zu einer Klarstellung beigetragen haben.

Wie haben Sie den Betriebshof insgesamt wahrgenommen?

Oelfke: Wir haben einen Betriebshof gesehen, dem man ansieht, was dort passiert ist. Und der an ganz vielen Stellen provisorisch wirtschaftet und nicht unter optimalen Bedingungen.

Zum Beispiel?

Oelfke: Die provisorische Waschanlage im Freien ist ein anschauliches Beispiel. Das funktioniert natürlich bei Minustemperaturen nicht mehr.

Van Zadel: Es gibt trotzdem eine ganz hohe Motivation der Mitarbeiter, diese Situation zu lösen. Das ist für alle schwierig. Deshalb war es ja auch für alle gut, dass es vor zwei Jahren die Entscheidung gab: Wir bauen hier wieder auf. Jetzt ist es natürlich schwierig, weil die Unsicherheit wieder da ist. Für uns war es umso toller, zu sehen, wie aufgeschlossen und engagiert alle sind.


Falls Sie in Eldagsen nicht neu bauen: Zieht sich Regiobus dann komplett zurück? Oder gibt es auch etwas dazwischen?
Van Zadel: Es gibt auch Möglichkeiten, Standorte zu vergrößern, zu kombinieren, mit mehreren kleinen Standorten zu arbeiten, Abstellflächen zu schaffen: Wir arbeiten ergebnisoffen.

Eldagsen ist aus Ihrer Sicht auch weniger geeignet für E-Mobilität. Woran liegt das?

Van Zadel: Wir möchten in erster Linie die Sprinter-Linien 300 und 500 auf neue Antriebstechnologien umstellen. Die werden von Eldagsen aus bedient, die Einsatzorte liegen aber anderswo. Die Frage ist: Macht es dann Sinn, Eldagsen mit Lademöglichkeiten für E-Mobilität auszurüsten? Es bringt ja nichts, wenn die Batterie schon durch die Anfahrt zur Starthaltestelle entladen wird und ich noch keinen Fahrgast befördert habe.


Würden wir über den Standort Eldagsen diskutieren, wenn es dort nicht gebrannt hätte?
Oelfke: Nochmal: Die Schleife, die wir jetzt noch mal fahren, hat nichts mit Eldagsen zu tun. Es kommen alle Betriebshöfe auf den Prüfstand. Wir schauen uns alles an: Welche Leistung kann wo wirtschaftlich erbracht werden? Der Brand hat die Situation in Eldagsen verschlimmert – keine Frage. Aber auf dem Prüfstand wäre der Standort auch so.

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