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Schlägerei beim Schützenfest in Eldagsen: Zeugen und Zuhörer geraten vor Gerichtssaal aneinander

Prügelnder Wachmann muss Strafe zahlen

Springe (zer). Das Amtsgericht Springe hat gestern einen Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsunternehmens zu einer Geldstrafe in Höhe von 1350 Euro verurteilt. Der 29-Jährige, der sich bereits mehrfach wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten musste, hatte beim Schützenfest in Eldagsen im Juni vergangenen Jahres einen Gast mit einem Teleskopschlagstock verprügelt. Das 37-jährige Opfer erlitt dabei eine Verletzung am Ohr, das mit 30 Stichen wieder angenäht werden musste.


Da es beim Eldagser Freischießen in den vergangenen Jahren immer mal wieder zu Zwischenfällen gekommen war, sollten die Mitarbeiter der Security-Firma bei der Veranstaltung eigentlich für Ordnung sorgen. Wie es zu der Tat gekommen ist, konnte bei der Gerichtsverhandlung nur vermutet werden. Der Staatsanwalt sah es als erwiesen an, dass das Opfer, das 1,02 Promille Alkohol im Blut hatte, zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes kurz vor Ende des Festes um 4.30 Uhr provoziert hatte.

Was weiter folgte, blieb im Dunklen. Laut dem 29-jährigen Wachmann soll das Opfer seinen Kollegen, der ebenfalls auf der Anklagebank saß, mit einem Stuhl angegriffen haben, als sie es mit einem weiteren pöbelnden Gast aus dem Zelt befördert hatten. „Er hat mich bespuckt und gedroht mich und meine Familie zu töten“, rechtfertigte sich der Angeklagte. „Außerdem hat er 30 bis 40 Gäste aufgehetzt, die alle Flaschen und Gläser in der Hand hielten.“

Wachtmeister müssen

im Gericht einschreiten

Die Situation sei dann eskaliert. Als er gesehen habe, wie das Opfer zu einem Stuhl griff und damit seinen Kollegen angreifen wollte, habe er mit seinem Schlagstock auf den Stuhl geschlagen.

Für die Staatsanwaltschaft war es dagegen eindeutig, dass ein Schlag davon den 37-jährigen Eldagser am Ohr getroffen hatte.

Der Verletzte bestritt, den Sicherheitsmann angegriffen zu haben. „Ich wollte mich mit dem Stuhl nur gegen die Schläge verteidigen.“ Mehrere Zeugen bestätigten die Version des 37-Jährigen, wobei sich einigen Aussagen als lückenhaft erwiesen.

Grund für den Bruder des Angeklagten, zu vermuten, dass die Zeugen, die alle aus Eldagsen kommen, ihre Aussagen abgesprochen hatten. Dass es vor dem Gerichtssaal zwischen ihm und den Zeugen nicht zu einer weiteren Schlägerei kam, war nur dem schnellen Eingreifen der Justizwachtmeister zu verdanken.

Der zweite Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wurde aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf der gefährlichen gemeinschaftlichen Körperverletzung freigesprochen.

Der 29-Jährige erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 15 Euro. „Wir gehen davon aus, dass Sie sich einer Notlage gegenüber sahen“, sagte Richterin Franziska Jäger. Allerdings habe der Verurteilte überreagiert und „die Notwehrgrenze überschritten“.

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