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Potenzielle Käufer besichtigen das alte Feuerwehrgerätehaus

BENNIGSEN. Reinhard Borchard begrüßt jeden Interessenten per Handschlag: „Guten Tag, schauen Sie sich ruhig um, alle Türen sind offen, wenn Sie Fragen haben, sagen Sie bescheid.“ Der Hochbauamtsleiter macht bei seiner Premiere als städtischer Immobilienmakler eine gute Figur.

Schaut sich die Räume selbst an: Ortsbürgermeister Jörg Niemetz im Gruppenraum des Feuerwehrhauses. FOTOS: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Zum Verkauf steht das ehemalige Feuerwehrgerätehaus in der Straße „Am Bahnhof“. Das Interesse ist groß, die Pläne der potenziellen Käufer sind überraschend.

Wie berichtet, bietet die Stadt das 480 Quadratmeter große Gebäude für mindestens 65 000 Euro auf einem Internetportal für Immobilien zum Verkauf an – das Haus geht an den Höchstbietenden. Der Zustand des Objektes ist entsprechend des Alters befriedigend, heißt es in der Beschreibung im Internet. Beim Besichtigungstermin überzeugen sich etliche Interessenten selbst vom Zustand des Hauses.

Mittwochmorgen, 10.30 Uhr: Und noch ein Ehepaar betritt den Platz vorm Feuerwehrhaus. „Hallo, wir wollen hier eine Feuerwehr kaufen“, sagt er. Diese und ähnlich flapsig formulierte Bemerkungen hört Borchard heute öfter. Und freut sich über ein „erstaunlich großes Interesse“ an dem Altbau nahe des Bennigser Bahnhofs. Der Mitarbeiter der Stadt erläutert den Interessenten die Details und lädt sie dazu ein, das Gebäude von innen zu begutachten.

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Wer Interesse an dem Haus samt der Fahrzeughalle hat – oder nur am Grundstück – kann sich bis zum 25. Mai entscheiden, ob und für welchen Preis er das Gebäude kaufen will. Bis dann muss nämlich bei der Stadt ein schriftliches Kaufangebot abgegeben werden.

Vor der Toilette im Erdgeschoss steht eine Flasche mit WC-Reiniger der Marke „DM–denk mit“, daneben sind zwei Klobürsten, an der Wand hängt eine in die Jahre gekommene Holztafel mit dem Logo des Limonadenherstellers „Sprite“, das heute aber ganz anders aussieht. „Hier ist schon lange nichts gemacht worden“, sagt eine Frau – und geht die Treppe hoch. Im Gruppenraum steht ein Mann, der mit einem Stock die Deckenplatte hochdrückt, um zu sehen, was darunter ist. Dann entdeckt er den Tresen weiter vorn: „Da ist die nächste Party ja gesichert.“

Ärger könnte dem Käufer unter anderem der Ölabscheider machen, der in der Fahrzeughalle verbaut ist. Dort sorgte er dafür, dass Öl und Schmierstoffe der Feuerwehrautos nicht ins Grundwasser gelangen. Eigentlich müsste er zurückgebaut werden. Das ist aber teuer, weil Ölabscheider als Sondermüll gelten.

10.40 Uhr: Ein Mann in einem blauen Overall sagt, dass er die Garage des Objekts nutzen möchte, um sein Wohnmobil darin abzustellen. Offenbar hat er aber auch schon für den Gruppenraum konkrete Vorstellungen – immerhin untersucht er dessen Grundfläche mit einem Laser-Entfernungsmesser. Oben auf dem Dachboden rumpelt es derweil, zwei dicke Steine fallen herunter.

Vorm Gebäude steht mittlerweile auch Ortsbürgermeister Jörg Niemetz (CDU). Er möchte das Haus zwar nicht kaufen, interessiert sich aber dafür, wer es kaufen will. Immerhin ist das Haus mit seiner Lage nahe der Hauptstraße und direkt am Bahnhof zentral gelegen und prägt das Ortsbild. Und er hat bereits gehört, dass ein potenzieller Investor eine Eisdiele in dem Haus betreiben will. Vorher müsste freilich ein wenig umgebaut und modernisiert werden. Und auch baurechtlich dürfte der Betrieb einer gastronomischen Einrichtung keine großen Probleme machen. Borchardt: „Es gibt hier keinen Bebauungsplan, bei Um- und Ausbauten muss man sich an der vorhandenen Bebauung orientieren“, erläutert Borchardt.

Das alte Feuerwehrhaus ist in Bennigsen überflüssig geworden, weil die Wehr in ein neues Gebäude in der Carl-Diem-Straße, direkt auf der anderen Seite der Bahntrasse, umgezogen ist. Am Neubau gab es seitens der Feuerwehr, wie mehrfach berichtet, aber immer wieder Kritik.

10.50 Uhr: Zwölf Interessenten haben bislang das Feuerwehrhaus besichtigt. Und eine Stunde lang ist das Haus noch offen. Das Interesse ist groß. Das ist gut für die Stadt. Genauer gesagt für die Stadtkasse, denn dort landet der Verkaufserlös.

Aber am Ende zählt nicht die Zahl derjenigen, die das Haus besichtigen. Sondern der Preis, den der Höchstbieter bereit ist, zu zahlen.



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