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Pollenallergien machen immer mehr, immer länger zu schaffen

SPRINGE. Zu Hause angekommen wäscht sich Tabea Thielmann als erstes Gesicht und Hände, wechselt ihre Kleidung. Ihr Bett bezieht sie jeden zweiten Tag neu, und wenn sie zu ihrem Pferd in den Stall geht, zieht sie lange Kleidung und Handschuhe an – auch im Sommer. Der Grund: Sie ist gegen Pollen und Gräser allergisch.

Sie sind wieder unterwegs – und sorgen für triefende Nasen und juckende Augen: Birkenpollen. Immer mehr Springer reagieren gegen Blütenstaub allergisch, bestätigt Apotheker Wilko Struckmann. Foto: dpa

Autor:

Ralf T. Mischer und Juliet Ackermann

Die Allergien, ebenso wie Asthma, wurden bei der 18-Jährigen vor fünf Jahren diagnostiziert. Seitdem nehmen bei Thielmann die Beschwerden Jahr für Jahr zu. Damit ist sie nicht allein – „die Zahl der Betroffenen nimmt zu“, bestätigt der Apotheker Wilko Struckmann. Viele Allergiker würden mittlerweile nicht nur im Sommer von Symptomen wie Schwellungen, Rötungen und brennende Augen geplagt, sondern das ganze Jahr über. Nicht nur deshalb sollten sich Betroffene auf Struckmanns Empfehlung hin von einem Arzt untersuchen und beraten lassen – wer nichts unternehme, dem drohe ein allergisches Asthma.

Die Erfahrung musste Alexandra Klang machen, die seit 18 Jahren „von Pollenallergie gequält“ wird. Im Jugendalter habe sich bei ihr daraus ein allergisches Asthma entwickelt.

Pollensaison beginnt wegen Klimawandel eher

„Ich hab den Sommer gehasst“, sagt die Bennigserin. Treffen mit Freunden im Biergarten, im Freibad oder Ausflüge zum See seien eine Tortur gewesen – „wenn ich es doch mal versucht habe, bin ich relativ schnell wieder nach Hause, um irgendwie den Pollen zu entfliehen“, so die 33-Jährige.

Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Gerhard Lux bestätigt der NDZ auf Anfrage, dass gutes Wetter tendenziell schlecht für Pollenallergiker sei: „Viel Sonne und viel Wind begünstigen den Pollenflug.“ Regen hingegen wasche den Blütenstaub aus der Luft. Lux sieht das generelle Problem, dass sich die Pollensaison auf das ganze Jahr ausbreitet.

Grund dafür seien nicht nur steigende Temperaturen, die die Blütezeit um bis zu vier Wochen nach vorne verschieben, sondern auch eingewanderte Pflanzen, die allergische Reaktionen verursachen können. „Ambrosia zum Beispiel blüht im Herbst – dadurch wird die Pollensaison noch einmal weiter nach hinten verschoben“, so der Wetter-Experte.

Die Bennigserin Klang, die gegen Roggen, Gräser und Beifuss allergisch ist, litt stark unter Symptomen wie juckenden und geschwollenen Augen, einer laufenden oder komplett verstopften Nase und schlechtem Schlaf: „Ich hab mich täglich gefühlt, als hätte ich eine extreme Sommergrippe.“ Zudem habe sie Anfälle gehabt, bei denen sie bis zu 50 Mal hintereinander niesen musste. „Das wurde vor allem beim Autofahren teilweise gefährlich“, sagt die 33-Jährige.

Zu Pollen-Hochzeiten habe sie an sehr heißen und trockenen Tagen sogar das Haus nicht verlassen können: „Ich bekam keine Luft, musste dauernd niesen und das extreme Augenjucken macht einen irgendwann richtig wahnsinnig.“

„Eine Pollenallergie ist auf jeden Fall keine Bagatelle“, warnt Wilko Struckmann. Zugleich weist der Apotheker darauf hin, dass zwischen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten unterschieden werden müsse. Ob Symptome plötzlich auftreten oder sich im Freien verstärken, könne etwa Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen Infekt oder um Heuschnupfen handele.

Linderung durch gezielte Medikation


Tabea Thielmann, die als passionierte Reiterin jeden Tag mit Gräsern in Kontakt ist, ist „besonders sportlich eingeschränkt“. Ihre Allergien wurden, wie auch bei Klang, in der Pubertät festgestellt, ebenso wie Asthma. Um die Symptome im Griff zu halten, die bei ihr mittlerweile von Januar bis November auftreten, nimmt die 18-Jährige täglich Medikamente. Da die Arzneimittel sie jedoch müde machen, wird sie oft mit der Frage konfrontiert: „Warum siehst du so kaputt aus?“.

Klang verschafft seit sechs Jahren ein Kortisonersatz Linderung, den sie als Nasenspray einnimmt – „damit bekomme ich alle Beschwerden über den Sommer bis zu 90 Prozent in den Griff“.



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