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Polizei leitet Hetz-Schreiben nach Hannover weiter

ELDAGSEN. Das anonyme Hetz-Schreiben, das Andreas Frädermann und sein Ehemann nach der Berichterstattung in der NDZ erhielten, beschäftigt nun auch den Staatsschutz der Polizeidirektion in Hannover:

Im Dezember heirateten Andreas und Andreas Frädermann (mit Pastor Eberhard Jaeger) kirchlich. FOTO: SCHLENKER
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Zuvor hatten nicht nur die beiden Eldagser, sondern auch weitere Bürger, den Brief bei der Polizei in Springe abgegeben und den unbekannten Verfasser angezeigt.

Wie berichtet hatten die Frädermanns am vergangenen Freitag das Schreiben mit einer fiktiven Absenderadresse in der Post gefunden.

In dem auf Schreibmaschine verfassten Brief wird das schwule Paar aufs Übelste beschimpft. Die Frädermanns werden als „abartige Männer“ und „Untermenschen“ bezeichnet, die „nach Plötzensee an den Fleischerhaken“ gehören.

„Krank im Hirn“ seien Schwule ganz generell – und gehörten „in die Verbrennungsanlage von KZ Buchenwald“. Der Briefschreiber gibt vor, für „14 gläubige Christen“ zu sprechen, die „aus der evangelischen Kirche ausgetreten“ seien.

Ebenfalls auf der Seite: das Zeitungsfoto von der kirchlichen Trauung aus der NDZ – versehen mit zwei roten Punkten auf der Stirn des Paars und der Beschriftung „Kopfschuss“.

Zusammengenommen sieht Axel Bleibaum von der Polizei in Springe deutliche Anhaltspunkte für die Straftatbestände Bedrohung und Beleidigung. Weil aber in dem Schreiben sowohl auf das Konzentrationslager Buchenwald als auch auf das Berliner Nazi-Gefängnis Plötzensee Bezug genommen wird, habe man die Unterlagen samt der Anzeige an den Staatsschutz weitergeleitet, so Bleibaum. Der ist unter anderem zuständig für das öffentliche Verwenden nationalsozialistischer Symbole und Parolen – und hatte schon 2013 vergeblich ermittelt, als Frädermanns einen ähnlichen Brief bekommen hatten. Womöglich, so Bleibaum, sei der Täter dort schon bekannt.

Auch der Begriff „Untermenschen“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Nazis. Aus der handschriftlichen Unterschrift könnte man außerdem die Formel „Heil 8“ erkennen. Die „8“ steht im Code von Neonazis für das H, den achten Buchstaben des Alphabets – zusammengenommen also eine Abkürzung von „Heil Hitler“.

Unterdessen zieht der Fall auch im Internet seine Kreise: Nachdem die Eldagser ein Foto des Schreibens im sozialen Netzwerk „Facebook“ geteilt hatten, verbreitete sich die Geschichte in Windeseile, wurde hundertfach geteilt und kommentiert. Viele Nutzer solidarisierten sich dort mit den Betroffenen. Auch das Online-Magazin „queer.de“ berichtete.

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