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Vor 100 Jahren: Steinhauerei Springe stellt den Betrieb ein / Bearbeitungsplatz mit Gleisanschluss

Pferdefuhrwerke brachten den Sandstein

Springe. Während der 1872 erfolgte Bahnanschluss der Deister-Region einen Industrialisierungsschub in den Orten Münder, Völksen und Bennigsen auslöste, waren die unmittelbaren Auswirkungen der verbesserten Verkehrsanbindung in Springe eher bescheiden: Zwar profitierte die Stadt vom Aufblühen des Tourismus, jedoch siedelten sich lediglich zwei neue Betriebe an. Es handelte sich um eine kleine Dampfsägerei nördlich des Bahnhofs sowie um eine von der Hannoverschen Baugesellschaft gegründete Steinhauerei.

Auf der 1877 angefertigten Zeichnung, die den Blick vom Bahnhof

Autor:

Ulrich Manthey

Immerhin schuf das „Etablissement“ anfangs 70 bis 80 Arbeitsplätze. Allerdings brachte es keinen industriellen Fortschritt in die Deisterstadt, da die Fertigung auf handwerklicher Tätigkeit beruhte. Die dort beschäftigten Steinmetze hatten die Aufgabe, den bei Altenhagen I von der Gesellschaft abgebauten Sandstein zu bearbeiten. 20 Pferde waren ab 1872 im Einsatz, um die mit mächtigen Quadern beladenen Fuhrwerke vom Steinbruch am Nesselberg über die Chaussee nach Springe zu ziehen. Als Entgelt für die Nutzung städtischer Straßen durch die schweren Gespanne kassierte der Magistrat 30 Taler im Jahr.

Standort des aus Lager und Bearbeitungsplatz bestehenden Betriebes war ein sechs bis sieben Morgen großes Areal zwischen Bahnhofstraße und der späteren Straße Im kleinen Felde. Der Abtransport des behauenen Materials erfolgte über ein bis in die Nähe der Friedrichstraße gelegtes, parallel zur Bahnhofstraße verlaufendes Extragleis, das in Höhe der heutigen Bahnstation von der damals noch eingleisigen Schienenstrang der Strecke Hannover-Altenbeken abzweigte.

Offenbar florierte das Geschäft nicht so recht; 1884 bestand die Belegschaft nur noch aus elf Männern. Möglicherweise hängt eine Stellenofferte in jenem Jahr für 20 Steinhauergesellen mit Aufträgen für den damals gestarteten Bau des Berliner Reichstagsgebäudes zusammen, für das unter anderem der hochwertige Sandstein vom Nesselberg verwendet wurde.

In welchem Maße die Vorbehandlung in Springe geschah, ist nicht überliefert. Einen massiven Auftragseingang gab es wohl nicht. Die Personalstärke dümpelte vier Jahre später bei 15, wahrscheinlich nur saisonal in der warmen Jahreszeit beschäftigten Personen.

Nach wiederholtem Besitzerwechsel stellte der „Steinhauerplatz Springe“ wahrscheinlich vor 100 Jahren den Betrieb ein.

Betriebe nutzen neue Transportwege

Wie eine Anzeige in der NDZ verrät, löste er 1909 seinen Fuhrpark auf, indem er „mehrere sehr starke Wagen für schwerstes Fuhrwerk“, eiserne Schwengel, Geschirre und „wasserdichte Pferdedecken“ zum Verkauf anbot. Das Ende des Unternehmens war trotz der verloren gegangenen Arbeitsplätze relativ unbedeutend für Springes wirtschaftliche Situation, auch wenn die Stadt seinerzeit unter dem Niedergang der einst blühenden Textilindustrie litt.

Mittlerweile hatte sich mit der Stuhlfabrik Banneitz (1897) und dem mit Steinbruch verbundenen Kalkwerk (1905) zwei bahnorientierte, also die günstigen Transportverhältnisse nutzenden Industriebetriebe von größerer Dimension etabliert, denen bald weitere folgten.



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