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Wie hält Springe es mit dem Radverkehr? Die Diskussion ist eröffnet

Pedalen der Sehnsucht

Springe. Eine klassische Radfahrerstadt ist Springe wohl kaum – viele Steigungen und zu wenig Studenten, die meist die Pedalquote mächtig nach oben treiben. Auch deshalb ist jetzt in der Politik eine Debatte entbrannt: Wie viel Geld ist uns das Radwegenetz wert? Es geht um Klimaziele, um Rollatoren, um die Sehnsucht nach einem attraktiven Angebot und die Realität des Machbaren. Und natürlich, wie bei fast jeder Diskussion in Springe, um leere Kassen und Prioritäten.

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VON CHRISTIAN ZETT

Für Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel ist das neue Konzept auch ein Teil ihres Jobs: Das städtische Klimaschutz-Aktionsprogramm, das Härtel laut Jobbeschreibung umsetzen muss, verlangt die Erhöhung des Radfahreranteils von 12 Prozent (2005) auf 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Erreicht werden soll das auch durch den „massiven Ausbau der Radverkehrswege“, heißt es in dem Programm. „Wir haben ein bisschen was zu tun“, räumt Härtel denn auch ein. Sie verweist auf eine Befragung, die der ADFC auch in Springe durchgeführt hatte: Demnach gehören in der Stadt Breite und Zustand der Radwege zu den größten Problemen.

Für Ordnungsamts-Chef Werner Mosch ist der Vorstoß der Stadt auch ein Zeichen der veränderten Zeiten. Früher seien Radfahrer fast alle auf der Straße unterwegs gewesen: „Dann war ein großes Wegenetz für Radfahrer ein Muss für Kommunen.“ Und dann? Kamen die Unfallstatistiken; „zum Glück“, sagt Mosch. Denn die Zahlen zeigten: Wer sichtbar auf der Straße radelt, lebt weniger gefährlich, als wenn er plötzlich von einem abgekoppelten Radweg auf die Fahrbahn gesaust kommt.

Zusammen mit Gerd Gennat, Verkehrsfachmann der Stadtverwaltung, haben Mosch und weitere Mitarbeiter Zahlen und Karten gewälzt und ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Das dem einen oder anderen Politiker schon jetzt zu teuer ist. 350 000 Euro würden fällig; einige zehntausend Euro für Maßnahmen, zu denen die Stadt gesetzlich verpflichtet ist. Dazu zählt etwa der 22 000 Euro teure Umbau des Gehwegs „Auf dem Burghof“ gegenüber vom Rathaus. Er soll verbreitert werden, um genug Platz für Fußgänger und Radfahrer zu bieten. Möglich ist laut Gennat auch ein sogenannter Angebotsstreifen, mit dem wie an der Fünfhausenstraße ein Teil der Fahrbahn für Radfahrer abgeknapst wird.

Der Großteil der Summe fällt laut Gennat allerdings in die Kategorie „wäre schön, es zu machen“. Heißt also: Wir können Geld in die Hand nehmen – müssen aber nicht. Dazu gehört die Umgestaltung der Burgstraße mit der Beseitigung von Engpässen stadtauswärts sowie einer besseren Links-Abbiegemöglichkeit für Radfahrer in die Schulstraße (23 500 Euro freiwillige Ausgaben).

Einer der größten Posten ist die Osttangente mit 81 000 Euro Pflicht- und Wunschausgaben. Hier könnte etwa die Anbindung des Einkaufszentrums für Radfahrer verbessert werden. An der Industriestraße plant die Stadt gar bis zu 110 000 Euro ein, um die Verbindung zwischen Bahnhof und Gewerbegebiet konfliktfreier zu gestalten.

Ob Springe trotzdem investieren sollte, hängt von Fragen ab, die CDU-Ratsfrau Anette Henkels sinngemäß so stellt: Gibt es momentan weniger Radfahrer, weil das Netz schlecht ist? Und würde sich das ändern, wenn es besser wäre? Oder ist Springe einfach keine Radfahrer-Stadt? Zumindest keine klassische, weiß auch Stefan Klein vom ADFC Springe. Trotzdem hätten Erhebungen gezeigt: „Städte, die über Jahre konsequent fahrradfreundliche Politik betrieben, haben auch mehr Radfahrer.“

Die Politik diskutiert nun. CDU-Ratsherr Ulrich Kalinowski zweifelt daran, dass es überhaupt Probleme zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern gibt: „Ich wohne schon lange hier und habe noch nie von Unfällen gehört.“ Katharina Jahn-von Rantzau (Grüne) hält dagegen: Es gehe auch darum, in einer alternden Stadt darauf zu achten, dass Radfahrer und Nutzer von Rollatoren auf engen Wegen nicht aneinandergerieten.



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