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Pastor Harald Lemke verlässt die Kirchengemeinde

In zwei Wochen ist Schluss: Pastor Harald Lemke verlässt die Kirchengemeinde Bennigsen/Lüdersen und wird nach Ostfriesland ziehen. Für die Neue Deister-Zeitung lässt er die vergangenen 22 Jahre noch einmal Revue passieren

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Autor:

von saskia helmbrecht

BENNIGSEN. In zwei Wochen ist Schluss: Pastor Harald Lemke verlässt die Kirchengemeinde Bennigsen/Lüdersen und wird nach Ostfriesland ziehen (wir berichteten). Für ihn steht fest: Seine Entscheidung war richtig. „Es fühlt sich gut an und ich freue mich auf die neue Gemeinde. Ich merke, dass sich etwas öffnet, was mir hier fehlte“, sagt der 53-Jährige. Aber er werde auch viel vermissen.

Er hatte Lust auf etwas Neues, sagt er, Lust, neue Wege zu gehen. „Ich habe viele Menschen von der Taufe über die Konfirmation bis zur Hochzeit begleitet. Der vertraute und freundschaftliche Umgang wird mit fehlen“, so Lemke, der 22 Jahre als Pastor in der Gemeinde tätig war. Es waren die vielen Begegnungen im Alltag, die ihm besonders in Erinnerung bleiben werden. „Die Leute sind sehr betroffen, dass ich gehe. Das ist für mich sehr berührend und macht mich traurig.“

Angefangen hat alles mit einem Techno-Gottesdienst in den 1990er-Jahren. „Ich habe vieles ausprobiert. Obwohl ich meine Ideen nie groß kommunziert habe, wurde es trotzdem gut angenommen und die Leute haben mitgemacht“, erinnert sich der Bennigser. Die Offenheit der Gemeinde habe ihn jedes Mal aufs Neue überrascht.

Lemke hat sich außerdem dafür eingesetzt, dass Kinder im Gottesdienst auch am Abendmahl beteiligt werden oder dass der Konfirmanden-Unterricht auf zwei Jahre umgestellt wurde. Seine Gemeinde hat sogar mit einem Wagen beim großen Volksfest mitgewirkt. „Mir war es wichtig, dass Vereine und Kirche zusammen etwas machen, dass das Volksfest mit Beteiligung der Kirche stattfinden konnte“, so Lemke. So wurde auch ein Gottesdienst auf dem Fest gefeiert. Der Kontakt zur katholischen Gemeinde, gerade beim Martinsumzug und dem Sternsingen, sei ihm immer wichtig gewesen und habe ihm viel Spaß gemacht.

„Mein Beruf ist Seelsorger, alles andere ist Zubrot.“ Für ihn sei Glaube immer eine Herzensangelegenheit. „Kirche funktioniert nur für und mit Menschen, nicht nur als Verwaltung oder Dienstleister, wie die Kirche aber oft verstanden wird.“ Ihm sei aber auch wichtig, dass eine Gemeinde auch ohne Pastor bestehen können muss und selbstständig bleibt.

Viele Erfahrungen aus seiner Arbeit werde er mit nach Westerende nehmen. Gleichzeitig möchte er sich als Theologe weiterbilden und viel lesen, dafür fehlte ihm in Bennigsen einfach die Zeit. „Mit dem Neuanfang besteht auch die Chance, ein neues Zeitmanagement für mich zu entwickeln“, sagt Lemke. Er hofft, meditative Gottesdienste organisieren zu können und den Glauben „auf einer Erfahrungsebene“ zu vermitteln. „Man muss auch über den kirchlichen Tellerrand hinausschauen.“

Bevor er die zahlreichen Ideen aber realisieren kann, möchte er in der neuen Gemeinde erst einmal ankommen und sich mit seinem Partner in der neuen Heimat einleben. „Ich muss sehen, was möglich ist. Ich würde aber gerne etwas Neues mit Jugendlichen machen“, wünscht sich der Kirchenpädagoge. Er wolle nicht mit einem festen Konzept an die Stadt herantreten, „ein Konzept kann nur mit den anderen entwickelt werden“. Seine Meinung überdenken wolle er in Bezug auf Kirchenaustritte. „Ich bin bereitwillig auf sie zugegangen. Das würde ich heute vielleicht nicht mehr machen.“ Er hofft jetzt auf einen guten Nachfolger.

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