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Park ohne Volk

Springe. Wer Bürgermeister Jörg-Roger Hische nach dem Volkspark fragt, der bekommt eine Antwort, die die ganze Sache ganz gut zusammenfasst. Er gehe „ab und zu durch“, sagt der Rathauschef – und spricht von einem „gewissen Erholungswert“. Der Volkspark zwischen BBS, Eldagsener Straße und B 217 ist mehr als 60 Jahre nach seiner Eröffnung hauptsächlich erst mal da. Ein Ortstermin.

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Diese riesige Wand, die stört irgendwie die Idylle. Hinter den Nachbarhäusern geht die Sonne unter, die letzten Strahlen spiegeln sich im kleinen Teich, Enten jagen über die Wasseroberfläche. Und dahinter? Vier Spuren Bundesstraße plus Auffahrt; Lärm und Dreck verschwinden zum Glück hinter einem riesigen Wall. Trotzdem: Ein Park mit Fernstraßenanschluss? Wünscht man sich nicht unbedingt.

Der Volkspark führt ein Schattendasein in Springe. Wohl auch, weil um den Ort herum ohnehin Feldmark und Deister zum Erholen, zum Spazieren und Gassigehen locken.

Versuche, den Park zu beleben und attraktiver zu machen, gibt es immer wieder: Ein – zugegeben wenig einladender Grillplatz – soll auch jüngere Besucher locken. Die Stadt stellte erst vor gut einem Jahr Spielgeräte auf, die sowohl Kinder als auch fitnessbewusste Erwachsene nutzen können. Doch weil jeder Schritt nach vorne manchmal auch einen Schritt zurück braucht, kann man die neue – und nicht ganz günstige – Seilbahn auf dem Spielplatz bis heute nur nutzen, wenn man knapp zwei Meter groß ist.

Trotzdem: Die Stadt kümmert sich. Sie pflegt den Park nach ihren finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten, sie säubert ihn. Bürgermeister Jörg-Roger Hische erzählt, städtische Mitarbeiter hätten den kleinen Fischteich gepachtet, um sich darum zu kümmern.

Und: Die Stadt investiert, wenn auch in diesem Fall ein bisschen zähneknirschend. 50 000 Euro sind noch in diesem Jahr für zwei neue Fußgängerbrücken eingeplant. Die alten sind nach mehr als 50 Jahren verschlissen. „Man hätte sie sanieren können“, sagt Gerd Gennat von der Stadtverwaltung. Aber das wäre fast so teuer als der Neubau. In ein paar Monaten sollen Metallbrücken über die Haller führen, verzinkt und damit nahezu rost- und wartungsfrei. Sie sollen vielleicht sogar breiter werden, um auch Platz für Radfahrer zu schaffen.

Dann ist da die Sache mit dem Jugendplatz. Er sollte, das kann man wohl so sagen, den Park nicht nur beleben, sondern auch für die Gruppe öffnen, die ihn gefühlt noch am wenigsten nutzt: die Jugendlichen aus Springe. Entstehen soll das ambitionierte Projekt auf der früheren Minigolf-Fläche direkt hinter dem Eingangstor an der Eldagsener Straße. Sie liegt schon seit Jahren brach. Und, das ist die schlechte Nachricht, sie wird es auch noch eine ganze Weile tun.

Das Geld ist zwar da, der Ortsrat gab Fördermittel, die Firma Paulmann spendete. Doch hinter den Kulissen gibt es seit Monaten Gespräche, Verhandlungen, neue Ideen. Erst wollte die Stadt nicht so recht, dass nach dem teuren Umzug des Jugendzentrums ins Schulzentrum Süd hier im Volkspark eine ebenfalls nicht günstige Außenstelle entsteht – nur weil sich die Jugend von heute gerne zentrumsnäher treffen will. Doch diesen Standpunkt habe er inzwischen aufgeben müssen, gesteht Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Trotzdem ist der Jugendplatz Geschichte – zumindest im Volkspark. Und weil bei der klammen Stadt immer das liebe Geld eine Rolle spielt, tut es das auch hier.

Kurze, nicht unwichtige Randbemerkung: Der Volkspark gehört eigentlich dem Land Niedersachsen. Die Stadt pachtet die Fläche für kleines Geld. Und die Nutzer des Minigolfplatzes haben ihren Bereich wiederum über Jahre von der Stadt untergemietet. Als das Land, so erzählt es Hische, jetzt von der möglichen Umnutzung der Golfanlage als Jugendplatz hörte, habe es die Hand aufgehalten: Die Pacht hätte im Rahmen der Umnutzung steigen sollen.

Dazu kommen Signale von der Jugendpflege, die Hische bei einem Gespräch vor einigen Tagen vernommen hat: Der Boden sei zu sumpfig, zu matschig. Es könnte Probleme geben.

Also: Alles auf Anfang. Ein neuer Standort wird gesucht, innenstadtnah. Die Brücke der B 217 über die Eldagser Straße sei „eine imaginäre Grenze“, die man nicht überschreiten wolle: „Das akzeptiere ich.“ Spruchreife Auswahlmöglichkeiten gibt es offenbar noch nicht. Und die Minigolf-Fläche im Volkspark? Sie bleibt, was sie ist: eine Brache, über die die Stadt langsam aber sicher das Gras wachsen lässt.zett



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