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Ostalgie im Springer Museum

SPRINGE. In diesem Jahr jähren sich die friedliche Revolution in der DDR und der Mauerfall in Berlin zum 30. Mal. Wie das Regime, das 40 Jahre lang den östlichen Teil Deutschlands prägte, bis heute nachwirkt, zeigt die neue Ausstellung im Museum.

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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Von der Gründung der DDR im Zeichen Stalins bis zu ihrem Ende 1989/90 präsentiert das Museum die „Schlaglichter auf Staat und Alltag“. Die meisten Exponate stammen aus der Sammlung von Frank Föste in Bielefeld, sagt der Historiker und Museumswissenschaftler Tobias Deterding aus Nordsehl, der die Wanderausstellung gemeinsam mit dem Universitäts- und Stadtmuseum Rinteln gestaltet hat.

Das Besondere: In der Schau werden nur die Anfänge der DDR, die Entstehung des Staates und die wirtschaftlichen Weichenstellungen gezeigt, sondern auch der Alltag in der DDR.

Neben einem original erhaltenen Protestbanner „Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht Volkes Wille!“, der sich gegen den SED-Parteivorsitzenden Walter Ulbricht richtete, sind auch Überwachungsgeräte aus der Stasi-Zentrale sowie zahlreiche Uniformen zu sehen. Sogar ein Bett aus einer Stasi-Gefängnis-Zelle ist im Museum ausgestellt.

2 Bilder

Deterding wirft in der Ausstellung einen sehr westlichen Blick auf die Geschichte der DDR.

Die Besucher können in Zeitschriften blättern, Musik lauschen, sich an einer Station das „Lied von der Partei“ von Louis Fürnberg anhören oder sich im Fernsehen alte Werbefilme der DDR ansehen. Was sich hinter den Begriffen Plaste und Konsum verbirgt, können Besucher in einem kleinen Wörterbuch der DDR nachschauen. Plaste steht übrigens für Plastik, als Konsum wurden Lebensmittelläden bezeichnet. Neben dem Wörterbuch hängt ein Plakat: „Wir brauchen keinen Marshall-Plan, wir kurbeln selbst die Wirtschaft an“, das die SED verbreitet hatte.

Gleichzeitig wird in der Ausstellung das Thema Personenkult in den Blick genommen. So wurden der sowjetische Diktator Josef Stalin oder Revolutionsführer Wladimir Iljitsch Lenin glorifiziert. Vorbei an einem SED-Parteibuch und unter Parteifahnen hindurch, geht es in die Stasi-Zentrale, wo eine Kamera mit einem „Um-die-Ecke-Objektiv“ ausgestellt ist. „Nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953, als rund eine Million Menschen in der DDR gegen das SED-Regime protestierten, wurde die Überwachung der Bürger noch einmal intensiviert“, sagt Deterding. Die Entspannungspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt oder die Ostverträge finden sich in der Ausstellung nicht wieder. „Daher haben wir uns bewusst für den Titel ‚Schlaglichter‘ entschieden, weil es nicht möglich ist, alle Aspekte der DDR darzustellen“, sagt Deterding.

Dafür wird das Reisen in der DDR und der kommunistische Jugendverband „die Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) beleuchtet. Weil „die Ausstellung bei null anfängt“, so Deterding, könnten auch Neugierige vorbeikommen, die sich bislang noch nicht mit der Geschichte der DDR beschäftigt haben.

Museums-Chefin Heidi Dopheide hat die Schulen im ehemaligen Altkreis Springe persönlich angeschrieben und auf die Ausstellung aufmerksam gemacht. Bislang hat sich nur eine Schule in Springe zurückgemeldet. „Diese Resonanz ist sehr traurig.“




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