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OHG schaut in die Zukunft: vorerst keine weitere Sanierung

SPRINGE. „Wir haben eine Vollbremsung hingelegt“, sagte Bürgermeister Christian Springfeld gestern, als er gemeinsam mit der Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Kerstin Prietzel, das Konzept „OHG 2030“ vorstellte.

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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Denn statt weiter Geld für Sanierungsarbeiten am OHG in den Haushalt zu stellen, „müssen wir uns als Stadt gemeinsam mit der Schule erst mal grundlegend Gedanken machen, wie und wo wir Geld investieren“, sagte Springfeld.

Die Frage sei, wann sich eine Sanierung überhaupt noch lohne und wann eher ein Abriss und damit ein Neubau einzelner Gebäudekomplexe vonnöten sei. „Durch diese Herangehensweise wurde bei uns in der Schule ein Prozess freigesetzt, der letztlich zu dem Konzept OHG 2030 geführt hat“, sagt Prietzel. Gemeinsam mit dem Schulvorstand, in dem sowohl Eltern und Lehrer als auch Schülervertreter sitzen, habe man im ersten Schritt Ideen gesammelt, wie eine Schule im Jahr 2030 aussehen kann. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, wie Fachleute die Zukunft der Pädagogik sehen. Diese Erkenntnisse seien dann mit dem schuleigenen Leitbild abgeglichen worden.

„Uns ist wichtig, dass den Schülern eigenverantwortliches Lernen ermöglicht wird, wir wollen ihnen Raum für Projektarbeit bieten, wir wollen ihnen in der Schule interessen- und begabungsspezifische Lernangebote anbieten und wir wollen ein aktives, kreatives und vielfältiges Schulleben schaffen“, fasst die Schulleiterin zusammen.

Die derzeit übliche Unterrichtsraumgestaltung gehe auf die preußische Unterrichtsphilosophie aus dem 19. Jahrhundert zurück. „Die zukünftigen Lehr- und Lernräume benötigen völlig neu gestaltete lern- und kreativitätsförderliche Umgebungen, in denen man jederzeit die Möglichkeit hat, zwischen Einzel-, Team- und Plenumsarbeit zu wechseln und fächerübergreifend zu arbeiten“, machte Inklusionsberater Jürgen Bock deutlich. Selbstverständlich spiele auch die Digitalisierung eine große Rolle. Die Schule der Zukunft sehe ganz anders aus als die der Gegenwart. Klassische Klassenräume müssten zwangsläufig dauerhaft durch interaktive Lernplattformen ersetzt werden.

„Viele Kommunen machen den Fehler, dass sie neue Schulen bauen, ohne mit zukünftigen Pädagogikideen zu arbeiten. Stattdessen wird mit den Grundlagen der vergangenen 50 Jahre gearbeitet“, kritisiert Bock. „Und in zehn Jahren merken die Kommunen dann, dass sie eigentlich Geld in Millionenhöhe verbrannt haben, weil keiner mehr in den Räumlichkeiten arbeiten kann.“ Das solle in Springe nicht passieren.

„Wir wollen kein Gymnasium alten traditionellen Zuschnitts“, betonte Prietzel. Ein neues Raumprogramm sei erforderlich, damit das OHG den Anschluss an aktuelle pädagogische Entwicklungen halten und selbst zum Vorreiter eines zukunftsfähigen Lernens werden könne. „Aktuell stoßen wir aufgrund der Raumsituation an unsere Grenzen.“

Das machten auch die Schüler des 11. Jahrgangs, Bo Hoffmann, Rabea Kolbe und Santhoshanie Gunadas, deutlich. Alle drei haben an dem Konzept „OHG 2030“ mitgearbeitet. „Wir vermissen Räume, in denen wir uns in Freistunden zurückziehen können, um zu lernen“, sagte Gunadas. Kolbe ergänzte: „Durch die Raumnot müssen wir ständig in den Freistunden auf den Flur ausweichen. Dort ist es eng und laut. Es herrscht eine gestresste Atmosphäre und man hat keine Chance zum Durchatmen.“

Dabei sei es gerade in der Oberstufe wichtig, auch mal Ruhe zu haben, schließlich wolle jeder Schüler mit einem guten Abitur abschließen. „Man muss sich in der Schule auch wohlfühlen, schließlich ist das aktuell unser Lebensmittelpunkt“, sagte Kolbe.

Es sei fast ein Glücksfall, dass die Räumlichkeiten so viel Handlungsbedarf aufweisen, gab Prietzel offen zu, „auch wenn wir sehr unter der jetzigen Situation leiden.“ Aber dadurch sei das Konzept „OHG 2030“ erst entwickelt worden. „Und wir ziehen da gemeinsam an einem Strang“, betonte Bürgermeister Christian Springfeld. „Auch wenn das Miteinander im Vorfeld nicht so leicht war; wir haben jetzt gut zusammengefunden.“

Doch wie geht es weiter? „Das Jahr 2018 wird ein Jahr des Überlegens“, erklärte der Bürgermeister. Zunächst werde ein umfangreicher Raumplan erstellt, um herauszuarbeiten, welche Gebäudekomplexe des OHG noch saniert werden können und welche neu gebaut werden müssen. „Dabei wird auf jede Wand geguckt“, so der Stadtchef.

Ein Raumplan funktioniere aber nur, wenn dabei das Konzept „OHG 2030“ berücksichtigt werde. „Wir wollen ein Schulgebäude schaffen, dass den Anforderungen einer zukunftsorientierten Bildung gerecht wird.“ Das sei aber ein fortlaufender Prozess, der auch in den politischen Gremien Zustimmung finden müsse. „Es muss allen Beteiligten klar sein, dass sich ein Schulkomplex nicht so schnell umkrempeln lässt. Aber es muss auch allen klar sein, dass wir in die Zukunft zu investieren – nicht in die Gegenwart.“



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