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Nötigungsvorwürfe beschäftigen Gericht: Psychologisches Gutachten soll Wahrheit ans Licht bringen

Obszöne Fotos nach versuchter Vergewaltigung?

Springe (jemi). An Gerichtsshows im Privatfernsehen erinnerte die gestrige Verhandlung am Amtsgericht Springe zwischenzeitlich. Der Angeklagte unterbrach immer wieder aufgebracht Staatsanwältin und Zeugen und präsentierte angebliche Nacktfotos seiner Ex-Freundin. Der brisante Fall einer möglichen sexuellen Nötigung wird das Gericht noch eine Weile beschäftigen. Um ein Urteil fällen zu können, wird nun ein Sachverständiger zurate gezogen, der ein psychologisches Gutachten erstellen soll.


Wie berichtet, soll ein 28-Jähriger laut Anklage versucht haben, seine Exfreundin zum Sex zu zwingen. Das 24-jährige mutmaßliche Opfer aus Springe, das als Nebenklägerin auftritt, fehlte gestern krankheitsbedingt.

Im Mittelpunkt stand die Frau trotzdem: Denn nachdem sowohl Polizeibeamte als auch die Mutter der Springerin ausgesagt hatte, dass die 24-Jährige nach dem Vorfall im Februar lange Zeit ängstlich gewirkt habe, schüttelte der Angeklagte belustigt den Kopf. Sie habe schon ein paar Wochen nach der vorgeblichen Nötigung obszöne Bilder von sich ins Internet gestellt und sich mit verschiedenen Männern zum Sex verabredet. Seiner Ansicht nach könne die Angst bei seiner Ex-Freundin daher nicht so groß gewesen sein. Um seine Version der Dinge zu stützen, hatte der Angeklagte Fotos mitgebracht, auf denen die 24-Jährige zu sehen sein soll. Allerdings räumte er auch ein, dass auf den Bildern ein entscheidendes Detail fehlt: das Gesicht der Frau. Die Staatsanwältin wollte aus diesem Grund auf die Einführung der Fotos als Beweismittel verzichten – es sei außerdem nicht ersichtlich, wann diese aufgenommen wurden.

Ein Freund des Angeklagten war ebenfalls als Zeuge geladen. Er sagte auch aus, dass die 24-Jährige im Februar bereits im Internet offen nach neuen Männerbekanntschaften gesucht habe. Der Angeklagte habe seine Exfreundin unter einem anderen Namen angeschrieben und sie sei schnell bereit gewesen, sich mit ihm zu treffen.

Insgesamt habe sich der Chat auf 30 ausgedruckte Seiten erstreckt, erklärte der Zeuge, der Anfang des Jahres in derselben Wohnung wie der Angeklagte wohnte und deshalb von dem Kontakt wusste. Er habe dann sogar im Auftrag des Angeklagten mit dem mutmaßlichen Opfer telefoniert – vorgeblich, um ein Treffen zu vereinbaren. Dabei soll sie gesagt haben, dass es gleich nach dem Treffen am Bahnhof im Auto zum Geschlechtsverkehr kommen solle. „Warum haben Sie diesen Aufwand unternommen“, wollte die Staatsanwältin vom Angeklagten wissen. Er erklärte, er habe etwas gegen die 24-Jährige in der Hand haben wollen. Und holte dann zum verbalen Rundumschlag aus: „Die Staatsanwältin ist ja eh die Schlauste von der Welt. Da kann ich sagen, was ich will.“ Da die Aussagen der 24-Jährigen bei der ersten Verhandlung Widersprüche zeigten, wird nun der Gutachter eingeschaltet. Er soll herausfinden, ob die Springerin die Wahrheit gesagt hat.



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