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Die streitbare CDU-Politikerin Ursula Körtner erklärt ihren Rückzug aus der Landespolitik

„Niederlagen haben mich nur stärker gemacht“

Bad Münder (HW/jhr). „Niederlagen haben mich nur stärker gemacht“, sagt Ursula Körtner. 19 Jahre lang hat die Pyrmonterin auch die Münder im Niedersächsischen Landtag vertreten, zur Wahl eines neuen Landtages am 20. Januar 2013 will 65-jährige Vollblutpolitikerin nicht mehr antreten. Der Abschied von der großen Bühne der Landespolitik wird aber nicht von einem allgemeinen Rückzug aus der Politik begleitet werden: Sowohl im Kreistag Hameln-Pyrmont als auch im Rat ihrer Heimatstadt will sich weiter einbringen.

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„19 Jahre sind genug. Ich habe zwar noch mein heißes Herz und die Bereitschaft, mich zu empören, weiß aber nicht, ob das noch eine weitere Legislaturperiode anhalten wird“, sagt Körtner. Wenn die Christdemokratin im nächsten Jahr Hannover den Rücken kehrt, wird sie auch deutliche Spuren in der Landespolitik hinterlassen. Denn eine Mitläuferin ist Körtner nie gewesen. Ganz deutlich trat dieser Umstand im Jahr 2009 zutage. Als „Warnsignal an die Regierung Wulff“ bewerten Kommentatoren damals den drastischen Schritt der Landtagsabgeordneten, den Vorsitz im Arbeitskreis Kultus niederzulegen. Ein Schritt, der der Pyrmonterin mit dem Scherpunktthema Schulpolitik nicht leicht gefallen sein dürfte, aber: „Ich habe erkannt, dass ich mich entscheiden muss – weil ich sonst gegen meine eigene Überzeugung handeln müsste“, erklärte sie im NDZ-Gespräch. Sie könne nicht mehr verantwortlich an der Spitze des Arbeitskreises Kultus stehen „für etwas, das ich ganz anders sehe und von dem ich weiß, dass es so nicht richtig ist.“ In schwierigen Zeiten habe sie die Schulpolitik der CDU verteidigt, doch jetzt stehe sie wie viele andere Mitglieder der Fraktion da und frage sich staunend, „was diese Landesregierung da bloß macht“. Durch ihren Schritt wurde Körtner, die bis dato im Landtag gleich hinter dem damaligen CDU-Fraktionschef McAllister saß, in der Sitzordnung durchgereicht. „Das hat mir vom Ansehen her nicht geschadet, nur von der Sitzreihe“, sagt Körtner heute lachend. Denn sie ist ein paar Reihen nach hinten gerutscht und arbeitet seitdem im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz. „Das ist allerdings ein sehr aufwendiger Ausschuss – mit Asse, Gorleben, Schacht Konrad, Energiewende.“

Körtner will sich weiterhin einmischen, über Ungereimtheiten empören – auch im letzten Jahr auf Landesebene alles geben. Sie sieht sich vom Vertrauen der Bürger getragen. „Das ist für mich eine große Verpflichtung.“

Die Diskussion um ihre Nachfolge hat unterdessen eingesetzt. Gestern bekundete Petra Joumaah ihr Interesse an einer Kandidatur für den Landtag. „Ich werde jetzt meine Gesprächsbereitschaft forcieren und mit den entsprechenden Leuten Kontakt aufnehmen“, kündigt Bad Münders Ortsbürgermeisterin an. Sie habe vier Kinder groß gezogen und schon immer großes Interesse an der Landespolitik gehabt. „Bislang hat meine Familie stets absolute Priorität gehabt, aber nun hat ein neuer Abschnitt begonnen, und ich traue mir zu, die heimischen Interessen in Hannover zu vertreten“, sagt sie selbstbewusst. Bei der Kommunalwahl hatte Joumaah bereits für den Kreistag kandidiert, allerdings holte ihre Partei in Bad Münder nicht die notwenige Stimmenzahl für einen Einzug der 55-Jährigen.

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