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Die streitbare CDU-Politikerin Ursula Körtner erklärt ihren Rückzug aus der Landespolitik

„Niederlagen haben mich nur stärker gemacht“

Bad Pyrmont. Sie tritt nicht wieder an. Wenn am 20. Januar 2013 in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt wird, fällt für Ursula Körtner der Vorhang auf der Bühne der Landespolitik. Die Christdemokratin aus Bad Pyrmont, seit 1994 ununterbrochen im Landesparlament vertreten, kehrt der Politik zwar nicht gänzlich den Rücken, will aber künftig mehr Zeit für die Familie haben. Dazu zählen ihr Ehemann, drei erwachsene Kinder und zwei Enkel.

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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite

„Ich höre ja nicht auf und will auch noch dazu beitragen, dass David McAllister niedersächsischer Ministerpräsident bleibt. Er leistet offene, ehrliche und unermüdliche Arbeit. Das bewundere ich an ihm“, sagt die 65 Jahre alte Vollblutpolitikerin, als sie gestern in ihrem Bad Pyrmonter Haus ihren Entschluss verkündet, nicht mehr für den Landtag kandidieren zu wollen. „19 Jahre sind genug. Ich habe zwar noch mein heißes Herz und die Bereitschaft, mich zu empören, weiß aber nicht, ob das noch eine weitere Legislaturperiode anhalten wird.“ Im Kreistag Hameln-Pyrmont und im Rat ihrer Heimatstadt Bad Pyrmont will sich Ursula Körtner weiterhin engagieren.

Bereits im Vorfeld der Kommunalwahl des vergangenen Jahres habe sie im Stillen entschieden, sich nicht noch einmal für ein Mandat in Hannover zu bewerben. „Aber so etwas muss reifen“, begründet Körtner ihr bisheriges Schweigen. Doch jetzt, da die Aufstellungsverfahren für die kommende Landtagswahl so langsam beginnen, Kandidaten gekürt und Landeslisten aufgestellt werden, sei es an der Zeit, „Klarheit zu schaffen“, wie sie ihre Offensive begründet. „Ich hinterlasse ein bestelltes Feld. Viele Projekte im Landkreis habe ich begleitet, beschleunigt, die Realisierung ermöglicht, Finanzierungen gesichert und Fördermittel eingeholt“, bilanziert sie zufrieden ihr fast zwei Jahrzehnte andauerndes Engagement für ihren Wahlkreis.

Wenn die Christdemokratin im nächsten Jahr Hannover den Rücken kehrt, wird sie auch deutliche Spuren in der niedersächsischen Landespolitik hinterlassen. Denn eine Mitläuferin ist Körtner nie gewesen. Ganz im Gegenteil, sie nimmt es auch mit Fraktions- und Parteispitzen auf, wenn es ihr im Sinne der Sache dienlich scheint. Dabei stets mit offenem Visier kämpfend. Den Anrufbeantworter eines Chefredakteurs oder Verlegers hätte die Pyrmonterin nie besprochen. Sie sucht stets den direkten Dialog, selbst wenn es dann eine Weile dauert, bis sich ihr „heißes Herz“ beruhigt hat. „Ich habe meine Meinung oder die Interessen meines Wahlkreises auch gegen den Strom vertreten. Und dafür auch Nachteile in Kauf genommen, aber Niederlagen haben mich nur stärker gemacht“, sagt sie zurückblickend.

Auch die Konfrontation mit dem heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff hat Körtner nicht gescheut. Der ehemalige Ministerpräsident hat der Kurstädterin lange Zeit verübelt, dass sie sich nach der Wahlniederlage gegen Gerhard Schröder (SPD) vor laufenden Fernsehkameras für Jürgen Gansäuer – und damit gegen Wulff – als Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion ausgesprochen hatte. Als Wulff dann von den Ambitionen Körtners auf eine Bundestagskandidatur erfuhr, revanchierte sich der damalige CDU-Landesvorsitzende und schickte die Hildesheimer Diplom-Verwaltungswirtin Silvia Bonitz ins Rennen. „Wir brauchten eine gewisse Zeit der Annäherung“, sagt die Christdemokratin heute über die gemeinsame Vergangenheit mit Wulff. Sie kennt den Osnabrücker gut, hat ihn über Jahre hautnah erlebt und sagt deshalb: „Er wird als Bundespräsident auf keinen Fall zurücktreten. Er sitzt das aus.“

Die letzte große Auseinandersetzung mit Christian Wulff hatte Körtner im Jahre 2009. Sie fühlte sich in der Schulpolitik vom Ministerpräsidenten übergangen und schmiss von einem Tag auf den anderen den Vorsitz im Arbeitskreis Kultus. Dadurch ist die heimische Politikerin, die bis dato im Landtag gleich hinter dem damaligen CDU-Fraktionschef McAllister saß, in der Sitzordnung durchgereicht worden. „Das hat mir vom Ansehen her nicht geschadet, nur von der Sitzreihe“, sagt Körtner heute lachend. Denn sie ist ein paar Reihen nach hinten gerutscht und arbeitet nun im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz. „Das ist allerdings ein sehr aufwendiger Ausschuss – mit Asse, Gorleben, Schacht Konrad, Energiewende.“

Körtner will sich weiterhin einmischen, über Ungereimtheiten empören – auch im letzten Jahr auf Landesebene alles geben. Sie sieht sich vom Vertrauen der Bürger getragen. „Das ist für mich eine große Verpflichtung.“ Und ehrlich bekennt die engagierte CDU-Politikerin: „Ich habe nicht alle an mich gestellten Aufgaben erfüllen können und dadurch auch Menschen enttäuscht. Das weiß ich, und das tut mir sehr leid.“

Schon jetzt freut sich Körtner allerdings auf ein ruhigeres Politiker-Leben. „19 Jahre Landespolitik sind harte Arbeit mit vielen Terminen und wenig freien Wochenenden. Wenn man sich richtig engagiert, ist das ein Einsatz rund um die Uhr.“

Noch einmal betont die Bad Pyrmonterin, dass es sich bei ihrem Verzicht auf eine Landtagskandidatur lediglich um einen Rückzug aus der Landespolitik, nicht aber aus der Politik grundsätzlich handele. „Man muss weiter mit Körtner rechnen“, kündigt sie an. Und wer „Ulla“ Körtner kennt, weiß, dass sie ihren Worten auch Taten folgen lässt.

Verzichtet nach 19 Jahren auf eine erneute Kandidatur für den niedersächsischen Landtag: Die Pyrmonter CDU-Politikerin Ursula Körtner.Foto: Dana



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