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Verstoß gegen das Gesetz? Jagdaufseher prangert Eingriffe in Sedemünders Naturschutzgebiet an

Nicht mehr unberührt

Springe. Die Sonne scheint. Ihr Licht bricht sich in den Zweigen der frühlingsgrünen Bäume und überall hört man es zwitschern, summen und brummen. Überall – nur nicht auf einer etwa fußballfeldgroßen Freifläche bei Sedemünder, mitten im Naturschutzgebiet. Denn dort wo bis vor wenigen Tagen das Gras noch hüfthoch stand, ist von frischem Grün nun kaum etwas mehr zu sehen. „Ein neuer Pächter hat hier den Boden gemulcht“, sagt Lothar Fiß. Das sei ein Verstoß gegen das niedersächsische Naturschutzgesetz. Aus Sicht von Fiß ist klar: „Das wird ein rechtliches Nachspiel haben.“

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Autor:

von Jennifer Schüller

Dass die Grünfläche zwischen Klärwerk und Altenhagen I nicht mehr unberührt ist, fiel Fiß, Verwalter der Sedemünder Fabrik, gestern Morgen bei einem Kontrollspaziergang auf. „Ich schaue regelmäßig nach, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht“, sagt Fiß. Die Entdeckung auf der Wiese sei eine böse Überraschung für ihn gewesen: Die etwa 150 mal 25 Meter große Wiese gehört zu einer mehr als vier Hektar großen sogenannten Vernetzungsfläche, die sich von Dahle bis Altenhagen I teilweise beidseitig des Mühlenbaches erstreckt. Sie wurde vor rund 15 Jahren zu einem Naturschutzgebiet zusammengefasst.

„Dieses Gebiet ist über Äcker abgesperrt, damit sich auch niemand auf dem Gelände bewegt“, erklärt Fiß. Das Gebiet sei der Natur überlassen worden, sodass sich Flora und Fauna dort frei entfalten können. Alle Eingriffe seien verboten – und nun sei hier sogar schweres Gerät angewendet worden.

Die Freifläche, um die es geht, gehört laut Fiß der Region Hannover. Erst vor wenigen Tagen wurde Fiß darüber informiert, dass der Pächter gewechselt hat. Wer es ist, weiß der Jagaufseher jedoch noch nicht. Dennoch habe der Unbekannte nun „innerhalb von wenigen Stunden einen gesamten Naturhaushalt zerstört“. Denn das Gebiet dürfe maximal als Weidefläche benutzt werden. „Ich habe die Wiese einige Zeit lang selbst gepachtet und meine Schafe hier weiden lassen“, sagt Fiß. Das, was nun dort gemacht wurde, sei „grober Unfug“, mehr noch: „eine strafbare Handlung“.

Doch Fiß ärgert sich über die Zerstörung nicht nur aus rechtlichen Gründen, sondern vor allem, weil sie zusätzlich noch während der Brust- und Setzzeit geschehen ist. „Die Hundehalter werden ständig deswegen angezählt, aber nicht nur die haben auf den Naturschutz zu achten“, sagt Fiß.

Ebenso sei die Region Hannover selbst in der Pflicht – vor allem dann, wenn sie Grundstücke in Naturschutzgebieten verpachtet. Vielen Bodenbrütern wie Rotkehlchen, Zaunkönigen oder Laubsängern sei mit diesem Eingriff die Möglichkeit zum Brüten genommen worden. Unter Umständen seien durch die Aktion sogar Nester zerstört worden.

Fiß will sich nun mit der Region in Verbindung setzen, um darüber zu sprechen, wie es weitergehen soll. Dabei schließt er auch nicht aus, Anzeige zu erstatten. Die Region habe bereits in der Vergangenheit kein gutes Händchen bei der Pächterwahl bewiesen, so Fiß. Eine Anfrage bei der Region blieb zunächst unbeantwortet.



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