weather-image

Nicht mehr im Regen trauern

Springe. Der städtische Waldfriedhof an der Sophienhöhe wird immer beliebter. 80 Beisetzungen gab es im vergangenen Jahr – so viele wie noch nie. Doch der Platz hat einen Makel: Weil es vor Ort keine Kapelle gibt, muss die Trauergesellschaft die Andacht entweder in einer anderen Kapelle abhalten, sie ausfallen lassen oder im Zweifelsfall draußen im Regen stehen. Die Baptistengemeinde bietet nun eine Alternative an: Sie stellt auf Wunsch ihre mobile Eventkirche zur Verfügung.

270_008_7669610_kirche3.jpg

Er sei „zuerst genauso überrascht wie skeptisch“ gewesen, sagt Stadtförster Bernd Gallas, der sich um die Begräbnisstätte im Großen Deister kümmert. Mittlerweile ist er überzeugt: „Das ist eine tolle Idee, eine gute Kombination.“ Die fahrbare Kirche passe genau auf den asphaltierten Parkplatz Sophienhöhe, müsse also nicht in den Wald gerollt werden. „Und mir ist versichert worden, dass Personen jeder Konfession diese Kirche nutzen können.“

Der Waldfriedhof in der Nähe der Deisterhütte ist vor sieben Jahren eröffnet worden. Kritiker bemängelten damals, die Stadt mache sich mit dem Angebot selbst Konkurrenz – die herkömmlichen Friedhöfe in der Kernstadt und den Ortsteilen könnten längst nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Befürworter hielten dagegen: Die neue Bestattungsform werde auch Interessierte aus dem Umkreis ansprechen. Die Bewirtschaftungskosten und somit auch das Risiko seien gering.

Wer eine parkähnliche Anlage erwartet, ist an der Sophienhöhe tatsächlich falsch. „Unser Merkmal ist, dass wir das Waldstück so natürlich wie möglich belassen haben“, erklärt Claudia Wolf von der städtischen Friedhofsverwaltung. Zwar gebe es mittlerweile mehrere Waldfriedhöfe in der Umgebung, trotzdem würde die Zahl der Bestattungen von Jahr zu Jahr steigen. Besonders hoch sei die Nachfrage aus Hameln, Elze, Bad Münder und Salzhemmendorf. Hannoveraner würden eher zum Friedwald im benachbarten Bredenbeck tendieren: „Wir liegen aus hannoverscher Sicht hinterm Deister.“

Ruth Gedigk war immer davon ausgegangen, dass sie ihre letzte Ruhe in ihrer langjährigen Heimat Berlin findet. Die 87-Jährige wohnte zuletzt im Diakoniezentrum in der Jägerallee. Bei einer Beerdigung lernte sie dann den Springer Waldfriedhof kennen, „und war sehr angetan“, erzählt ihr Sohn Bernd Gedigk. „Das ist wirklich ein schöner Ort“, habe sie ihm damals gesagt. Bernd Gedigk weiß: „Der Waldfriedhof passt zu ihrem Lebensstil: Mutter war ausgesprochen gastfreundlich, wollte aber niemanden zur Last fallen – auch nicht nach ihrem Tod.“ Die Grabpflege sollte gering sein, möglichst wegfallen. Beim Waldfriedhof ist das so.

Auch den Bau der Eventkirche hatte die Frau interessiert verfolgt: Sohn Bernd ist Küster der Einrichtung. Das fahrbare Gotteshaus gehört dem Landesverband der Baptisten (umfasst Niedersachsen, Ostwestfalen und Sachsen-Anhalt) und ist in Springe stationiert. Seit der Einweihung im März 2014 war das Mobil zu 20 Einsätzen unterwegs. In dieser Woche diente es erstmals als Friedhofskapelle; für die Abschiedsfeier von Ruth Gedigk. „Wir freuen uns, Menschen, die zusammenkommen, einen Kirchenraum geben zu können“, sagt Bernd Gedigk, der auch als Küster an der Kreuzkirche (Jägerallee) aushilft. Gegen eine Spende könnte die Eventkirche in Zukunft häufiger auf dem Parkplatz Sophienhöhe stehen – und den Rahmen für eine würdevolle Andacht bieten.mari



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt