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Stadt will Sicherheit für Radler und Fußgänger erhöhen / „Jetzige Regelung ein Gesetzesverstoß“

Neues Konzept: Radfahrer auf die Straße

Springe. Das Fahrradfahren in Springe soll deutlich attraktiver und sicherer werden. Die Stadtverwaltung will in den nächsten Jahren bis zu 350 000 Euro in ein neues Konzept investieren. Die Vorschläge sind größtenteils alternativlos: Die derzeitige Beschilderung widerspricht dem Gesetz.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Die zentrale Botschaft: Radfahrer gehören auf die Straße. Dass das zu mehr Sicherheit führen soll, klingt paradox. „Bei unserem derzeitigen System sind Konflikte vorprogrammiert“, sagt Baudirektor Reinhard Schade. Im innerstädtischen Bereich habe ein durchschnittlicher Radfahrer eher die Geschwindigkeit eines Autos als eines Fußgängers.

Bislang müssen sich Radler ihre Fläche jedoch häufig mit Fußgängern teilen. „Und darunter sind eben auch die Seniorin mit dem Rollator oder die Mutter mit dem Kinderwagen“, erklärt Schade. Die Situation werde sich in den nächsten Jahren noch verschärfen: Die schnelleren E-Bikes werden beliebter.

Das ist aber nur eines von mehreren Problemen. Dort, wo ein blaues Schild mit weißem Fahrrad darauf steht, muss der Radweg benutzt werden. So gut wie kein Radweg in der Kernstadt erfüllt jedoch die heutigen gesetzlichen Voraussetzungen für diese Vorschrift. Die Wege sind zu schmal, der bauliche Zustand lässt zu wünschen übrig und „eine sichere Führung an Kreuzungen und Einmündungen“ sei nicht gewährleistet, zählt Ordnungsamtsleiter Werner Mosch auf. Er dürfe Radfahrer eigentlich auch nur an viel befahrenen Straßen davon abhalten, die Fahrbahn zu benutzen. „Mit unserer jetzigen Regelung betreiben wir einen Gesetzesverstoß“, fasst Tiefbauamts-Vize Gerd Gennat deutlich zusammen.

Eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern der Verwaltung und der Polizei hat sich – begleitet vom ADFC Springe – in 50 Straßen in der Kernstadt umgesehen und ein Konzept erarbeitet. „Die Verbesserungen sollen Zug um Zug kommen“, sagt Gennat.

In diesem Jahr sollen zahlreiche Schilder entfernt werden. Kosten: 30 000 bis 40 000 Euro. Außerdem soll die Oppelner Straße für rund 70 000 Euro umgebaut werden. Die Erweiterung des Konzepts auf die Ortsteile hat wenig Auswirkungen auf die Kosten: Die Stadt unterhält dort kaum Radwege. Wenn es überhaupt welche gibt, sind das Land und die Region zuständig – etwa an den Ortsdurchfahrten.

Um den Radlern auf den Fahrbahnen ihren eigenen Platz zuzugestehen, soll es Schutzstreifen geben – eine weiße Linie, wie sie bereits auf einem Teilstück der Fünfhausenstraße sowie an der Steinkrüger Straße in Völksen aufgemalt ist. „Wir werden künftig mehr Radfahrern gerecht“, ist Gennats erklärtes Ziel. Denn es wird an vielen Stellen im Stadtgebiet auch eine Alternative zur Fahrbahn-Benutzung geben: Ältere oder unsichere Radler dürfen dann die Bürgersteige benutzen, die durch das Zusatzschild „Radfahrer frei“ gekennzeichnet werden. Dort sind sie jedoch quasi Außenseiter, dürfen laut Vorschrift nur Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen sich den Fußgängern unterordnen.

Zu den großen Befürwortern des Plans gehört Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel. Derzeit würden nur zwölf Prozent der Springer regelmäßig aufs Fahrrad umsteigen. Im Jahr 2020 sollen es 20 Prozent sein.



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