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Neues Buch hält das Elend fest

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Autor:

von sandra Hermes

Der Künstler hatte eine Verbindung zu Springe, die heute nur noch wenige Menschen kennen. Ballhause, das steht fest, hat in Hannover sein fotografisches Lebenswerk geschaffen. Von 1930 bis 1933 war er mit einer geliehenen Leica auf Hannovers Straßen unterwegs. Dabei hat er das Elend der Menschen auf unverwechselbare Weise festgehalten: Menschen, die in Marktabfällen nach Essbarem suchen, bettelnde Kriegsversehrte und Arbeitslose. Als Sinnbild des Untergangs der Weimarer Republik in der Weltwirtschaftskrise ist seine Aufnahme bekannt, die eine Menschenschlange vor dem Arbeitsamt am hannoverschen Königsworther Platz zeigt. Aber nicht nur das: Auch die zunehmende Präsenz der Nazis und deren Machtergreifung auf der Straße, hat Ballhause mit zahlreichen Aufnahmen dokumentiert.

„Mein Vater hat die Fotografie als Waffe gegen die soziale Ungerechtigkeit genutzt“, erzählt Rolf Ballhause, der Sohn von Walter Ballhause, der Neuen Deister-Zeitung. Der 68-Jährige war maßgeblich an dem Fotobildband beteiligt. „Meinem Vater ist mit seinen Bildern etwas gelungen, was kein anderer geschaffen hat. Die Fotografien spiegeln die regionale Geschichte Hannovers und Niedersachsens wieder“, schwärmt er.

Er habe viel mit seinem Vater über die Fotos gesprochen. „Zu jedem einzelnen gibt es eine Geschichte und ich kenne sie alle“, sagt Ballhause. Daher durchforste er das Archiv auch schon nach weiteren Fotos. Angedacht sei, einen Kalender mit weiteren Bildern zu veröffentlichen. Die Qualität der Fotos sei sehr gut, das hätten ihm schon viele Experten bestätigt. Somit könnten sich weitere Projekte problemlos realisieren lassen.

Walter Ballhause sei, so erzählt es sein Sohn, in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Als Kind sei er immer bis zum Wintereinbruch barfuß rumgelaufen, weil sich seine Mutter keine Schuhe leisten konnte. Schon damals, als auch feststand, dass er wegen der finanziellen Notlage nicht werde studieren können, fasste er den Entschluss, das Elend um sich herum dokumentieren zu wollen.

Nach dem Reichstagsbrand musste Ballhause untertauchen. Aufgrund seiner (in den Augen der Nazis) provokanten Fotografien wurde er per Haftbefehl gesucht. Ein geeigneter Unterschlupf bot sich bei Familie Haas in Springe. Dort verbrachte er zahlreiche Wochen, bevor er sich zurück nach Hannover traute. Wie die Verbindung zu der Familie zustande kam, weiß Rolf Ballhause nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass es sich bei dem Kontakt um ein weitläufiges Verwandtschaftsverhältnis gehandelt habe. Er selber sei als kleiner Junge auch einmal mit seinen Eltern nach Springe gefahren, um Familie Haas zu besuchen. „Ich erinnere mich noch sehr gut. Damals sind wir mit einem Motorrad und Beiwagen in den Deister gefahren.“

Für Rolf Ballhause ist es eine Art Verpflichtung, das Erbe seines Vaters aufrecht zu erhalten. „Das bin ich ihm schuldig, er hätte sich sehr darüber gefreut. Ich glaube, ich handle sehr in seinem Sinn.“

Das Buch „Harte Zeiten“, das im Völksener „Zu-Klampen“-Verlag erschienen ist, ist in der NDZ-Geschäftsstelle erhältlich.



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