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In Springe entstehen 45 Arbeitsplätze / Viel Verwirrung um Insolvenz-Nachfolger

Neue Firmen – viele Fragen

Springe (zett/tt). Eigentlich ist es eine gute Nachricht: 45 Arbeitsplätze entstehen in Springe, das leere Philips-Vertriebsgebäude ist nur kurze Zeit nach dem Weggang der Mitarbeiter nach Hamburg wieder mit Leben gefüllt. Doch um die neuen Mieter der Räume im Industriegebiet ranken sich viele Fragen.

Im ehemaligen Philips-Vertriebsgebäude haben sich neue Unternehm

Denn während sich die Stadt gestern über die Ansiedlung des weltweit tätigen Zementtechnik-Unternehmens Cement and Mining Processing AG (CMP) aus Hameln freute, wollte man dort zunächst gar nichts von einem Umzug nach Springe wissen.

Stattdessen seien dort lediglich die Firmen IMC und „M&M Bau“ neu angesiedelt. IMC übernehme wiederum für die CMP die Buchhaltung und andere Aufgaben. Das teilten gestern CMP-Geschäftsführer Mohammad Shahsavar, Finanzvorstand Volker Brinkmann und IMC-Vertriebsleiter Alireza Khani mit. Es handele sich bei der IMC nicht um ein Tochterunternehmen der CMP AG, sondern laut Brinkmann um „fremde Dritte“.

Das passt allerdings nicht zu den Darstellungen der Stadt – und: Ganz so fremd sind die Firmen der CMP dann doch nicht. Denn die IMC wurde erst im November gegründet – von den Ehefrauen der ehemaligen Geschäftsführer der Cemag-Gruppe Hameln. Für letztere war die CMP nach der Insolvenz im Vorjahr eingesprungen, hatte sich aber wieder zurückgezogen. Auch „M&M Bau“ ist eine Nachfolgegesellschaft aus der Pleite. Ein Reservierungs-Schild auf dem Philips-Parkplatz komplettiert die Verwirrung: Dort steht „CMP AG“.

Für den heimischen Standort sei die Ansiedlung „ein positives Signal“, glaubt der Erste Stadtrat Hermann Aden. Das Unternehmen könne Springe als Gewerbesteuerzahler helfen, aber auch in Kooperation mit heimischen Firmen.

Nur eine Sache trübt die Freude etwas: Wer genau hinter der Ansiedlung steckt, ist alles andere als eindeutig. Volker Brinkmann, Finanzvorstand der CMP AG, erklärte gestern auf Nachfrage, über einen Umzug der Firma nach Springe sei zwar gesprochen worden, man habe sich aber dagegen entschieden. Stattdessen sei jetzt die ohnehin geplante Verlegung nach Sachsen-Anhalt erfolgt: „Alle unsere Anrufe werden schon aus Hameln nach Dessau durchgeschaltet.“ Den bisherigen Standort hatte die CMP Ende des Jahres aufgegeben, nachdem die Förderbank des Landes Niedersachsen den Förderantrag aus Hameln in Höhe von 1,5 Millionen Euro abgelehnt hatte. Die Gelder seien dafür jetzt vom Land Sachsen-Anhalt geflossen, so Brinkmann. CMP-Vorgänger Cemag hatte im Juli 2009 Insolvenz angemeldet.

Stattdessen habe sich in Springe lediglich die Firma IMC angesiedelt, so Brinkmann. Das bestätigte auch CMP-Geschäftsführer Mohammad Shahsavar, der angab, IMC gehöre „nicht direkt“ zum Unternehmen, es handele sich um „eine andere Gesellschaft“. Einen Ansprechpartner bei IMC konnte er spontan nicht nennen, auch eine Telefonnummer läge ihm nicht vor. Erst Stunden später meldete sich dann IMC-Vertriebsleiter Alireza Khan bei der NDZ und erklärte wiederum, neben IMC sei auch der Cemag-Nachfolger „M&M Bau“ jetzt auf dem Springer Gelände ansässig. Dort seien sieben Mitarbeiter tätig, dazu kämen 28 feste und sieben freie bei IMC. Sie seien nach der Aufgabe des Hamelner CMP-Standortes in die neue Firma gewechselt. Dort arbeiteten die Kräfte zunächst auf einer Etage des Philips-Geländes, der Mietvertrag für die Räume sei unbefristet. Irgendwann wolle man die gesamte Fläche nutzen, ob oder wann weitere Mitarbeiter dazu kämen, stehe aber noch nicht fest: „Erst einmal müssen wir uns stabilisieren.“

Auf der Suche nach einem Standort hätten sich IMC und „M&M Bau“ wegen der günstigen Lage zwischen Hameln und Hannover für Springe entschieden. Aber auch die Landeshauptstadt selbst sowie Barsinghausen und Stadthagen seien in der Auswahl gewesen, so Khan.

Dass die Firma IMC im Dunstkreis der CMP AG steht, beweist auch ein Blick in den Bundesanzeiger, in dem Unternehmens-Neugründungen veröffentlicht werden. Dort sind als Geschäftsführer für die „Industrial Management Consulting GmbH“ Petra Memari Fard und Astrid Memari Fard eingetragen – sie sind die Ehefrauen von Ali und Akbar Memari Fard. Die Brüder hatten im Vorjahr mit der Hamelner Cemag-Gruppe Insolvenz angemeldet, Ali Memari Fard wurde danach beim Nachfolger CMP AG als Berater angestellt.

Auch für das mysteriöse „CMP AG“-Schild hat Khan eine Erklärung parat: Es müsse sich um ein altes Schild handeln – von einer Firma, die zufällig Namensgleichheit mit der heutigen CMP hat. Doch Springes Ortsbürgermeister Jürgen Trotte, der zu den ersten Lehrlingen des Werks gehörte und später Betriebsratsvorsitzender war, kann sich nicht an ein solches Unternehmen erinnern: „Wir hatten außer der Paritätischen Gesellschaft Behindertenhilfe nie jemand anderen auf dem Gelände“, sagte er.

Bei der Stadt war man gestern noch davon ausgegangen, dass es sich bei der neuen Firma im Industriegebiet um die CMP AG handelt. Das Unternehmen sei im Januar auf der Suche nach neuen Räumen an ihn herangetreten, sagte Aden. Dabei habe auch Kontakt zu Geschäftsführer Shahsavar bestanden. Er selbst sei gestern erst zum Antrittsbesuch in den Räumlichkeiten gewesen.

Bleibt die Frage, warum CMP ihren Geschäftsführer mit der Stadt und Philips verhandeln lässt, obwohl sie über ein Dienstleistungsverhältnis hinaus nichts mit IMC zu tun haben will. Khan hat auch hierfür eine Erklärung: Shahsavar sei eigens wegen seiner guten technischen Kenntnisse angefordert worden.



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