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Die Gemeinschaft im Kloster Wülfinghausen ist jetzt selbstständig – und hat eine neue Äbtissin

Neue Dynamik hinter alten Mauern

Wülfinghausen. „Unser Charisma ist Teamarbeit“, sagt Schwester Reinhild von Bibra. Ab Sonntag ist die 60-Jährige offiziell neue Äbtissin im Kloster Wülfinghausen – dem spirituellen Ort, an dem sich die Tradition zwischen den altehrwürdigen Mauern mit einem neuen Zeitgeist paart, dem Haus Gottes, in dem die Ordensschwestern seit einem Monat in neuer Selbstständigkeit leben.

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Autor:

Markus Richter

Vor 19 Jahren wurde die Communität Kloster Wülfinghausen als Konvent eines evangelischen Ordens aus Bayern gegründet, der Christusbruderschaft Selbitz. So sehr sich die Wülfinghäuser Schwestern mit ihren Wurzeln verbunden fühlen – in all der Zeit im kleinen Ortsteil von Holtensen haben sie längst eine Heimat gefunden. Unter der organisatorischen Leitung von Schwester Adelheid Wenzelmann gingen „die alten Gebäude eine Synthese ein“, sagt die bisherige Äbtissin. Die Krypta als Zentrum der geistigen Zusammenkünfte – wo dreimal am Tag gemeinsam gebetet wird – wurde umgestaltet.

Auch die Kirche, die laut Schwester Adelheid „ein bisschen gruftig“ war, bekam ein neues Innenleben. Ein Künstler aus Bayern übernahm die Gestaltung. „Wir haben die mittelalterlichen Gegenstände liebevoll ins Kunstdepot gestellt“, sagt sie schmunzelnd. Der Garten wurde entkrautet, sogar einen Preis für ihr Engagement nahmen die Schwestern entgegen. Adelheid von Wenzelmann (66) gehört zusammen mit Reinhild von Bibra und Betti Weiß (77) zu den drei verbliebenen Gründungsmitgliedern. Mit der Selbstständigkeit, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde und die seit März gültig ist, kann sich die neue Communität Kloster Wülfinghausen auf den Neuanfang einlassen. Und sie hat fortan ein eigenes Noviziat. Frauen wie Annabelle Kattner (35) aus Obernkirchen können eine Probezeit im Kloster verbringen, bevor sie sich entschließen, dauerhaft dort zu leben. Neben den drei Schwestern und ihrer sogenannten Postulantin leben hinter den Mauern auch die siebenjährige Hündin Sarah, drei Katzen und zehn Hühner. Die kleine Gemeinschaft unterhält einen eigenen Kräuter- und Gemüsegarten, muss nur wenig an Lebensmitteln zukaufen. Und wenn, dann fast nur von Bauern in der Nähe.

Neue Dynamik hat das Kloster auch durch Pastorin Nora Steen erhalten. Die 36-jährige Seelsorgerin, die in der ARD eine der Sprecherinnen vom Wort am Sonntag ist, hat seitens der Landeskirche die Leitung des Hauses der Stille übertragen bekommen (NDZ berichtete). „Für mich ist es eine große Freude, am Neuanfang teilzuhaben.“ Auch Steen weiß um die besondere Bedeutung eines Klosters für die Kirche – und für den Glauben. Im Haus der Stille gibt es 20 Plätze für Menschen, die eine Auszeit wollen, die Orientierung im Leben suchen und Kraft für eine Auszeit sammeln. Verschiedene Exerzitien oder Kurse wie „Kloster auf Zeit“ werden immer beliebter: Im vergangenen Jahr zählte die christliche Einrichtung, die sich ökumenisch öffnet, mehr als 2000 Übernachtungen. Zuvor hatte Schwester Adelheid die halbe Pastorenstelle. Sie wird getreu dem Motto ora et labora – bete und arbeite – weiter für die Gemeinschaft da sein.

Der Wechsel

wird unaufgeregt und harmonisch

Die neue Äbtissin wird am Sonntag im Festgottesdienst von Landesbischof Ralf Meister eingeführt. Eine große Zeremonie, bei der die Räume aus allen Nähten platzen werden. Schwester Reinhild sagt, sie werde die Leitung ganz im Sinne ihrer Vorgängerin weiterführen. Zu spüren ist: Es wird ein unaufgeregter und harmonischer Wechsel. „Das Kloster soll wachsen, blühen und gedeihen.“ Bei der 60-Jährigen werden die Fäden zusammenlaufen. Sie wird Ansprechpartnerin für die Klosterkammer sein, sie wird die Communität und das Noviziat leiten. Und sie möchte den „gesunden Rhythmus“ von Reden und Schweigen, von Gemeinschaft und Individualität beibehalten. Das Leben soll sich weiter zwischen schützenden Mauern abspielen, die aber auch weit aufgehen und für alle offenstehen.

Diese Kontinuität in einem schnellen Leben kommt auch bei Jüngeren an: Gerade leben nicht nur zwei Studentinnen in der Gemeinschaft mit, sondern auch drei Gymnasiasten, die für ihr Abitur lernen – ganz in Ruhe, aber auch mit dem Internet.



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