weather-image
„Ich zahle auch Steuern, und sicherlich mehr als Sie“

Nach Bürgerbeschwerde – Hische macht sich Luft

Gestorf (mf). Darf ein Verwaltungschef Bürgern mal die Meinung sagen? Und wenn ja, wie deutlich? Ungewohnt scharf hat Bürgermeister Jörg-Roger Hische jetzt auf eine Beschwerde aus Gestorf reagiert – und steht nun selbst unter Beschuss.


In einer E-Mail hatte sich Einwohner Günther Wall über die seines Erachtens schlechte Pflege des Gestorfer Festplatzes beklagt. Dort seien – unter anderem auch von seinen Steuergeldern, so Walls ausdrücklicher Hinweis – teure Neupflanzungen erfolgt, um die sich die Stadt nun nicht kümmere.

In seiner Erwiderung bemüht Hische sich erst gar nicht um diplomatische Formulierungen, sondern verweist darauf, dass die Stadt personell schon lange nicht mehr so ausgestattet sei, „dass wir alles, was uns von steuerzahlenden Bürgern mitgeteilt wird, sofort abarbeiten können. Vielleicht liegt das daran, dass die Steuern zu niedrig sind, wir zu dumm oder zu faul sind, oder die Steuern falsch verteilt werden“, so der Bürgermeister mit einer gehörigen Portion Sarkasmus.

Er könne es mittlerweile nicht mehr hören, wenn Beschwerdeführer stets darauf verweisen, dass sie Steuern zahlen und damit eigentlich doch nur einer Selbstverständlichkeit nachkämen. „Ich zahle auch Steuern, und sicherlich mehr als Sie“, hält Hische dem Briefschreiber forsch entgegen und schließt dann mit der Empfehlung: „Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, etwas mehr für sein Land und seine Stadt zu tun, als nur Steuern zu zahlen und Forderungen zu erheben.“

Wall ist empört über die Post aus dem Rathaus, fühlt sich „abgebügelt“. In einem zweiten Brief an den Bürgermeister berichtet er ihm von seinem langjährigen Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr. Dort stelle er sich und seine Arbeitskraft 365 Tage im Jahr kostenlos zur Verfügung. „Und wie viel Freizeit opfern Sie für die doch so ,selbstverständliche’ gemeinnützige Arbeit?“, will der Gestorfer von Hische wissen.

Dessen Hinweis, mehr Steuern zu zahlen, quittiert Wall mit einer knappen Bemerkung: „Das besagt doch immerhin, dass Sie auch über ein höheres Einkommen verfügen.“

Die NDZ hakte beim Bürgermeister nach: Haben Sie sich im Ton vergriffen?

Er wolle niemandes ehrenamtliches Engagement mit Füßen treten, beteuert Hische. Das Anschreiben Walls, das gleich im ersten Satz den Hinweis auf Steuergeldzahlungen enthält, habe er jedoch als schlicht unangemessen empfunden und sich sehr über die vorwurfsvolle Art geärgert.

Im Rathaus heißt es zudem, Wall habe sich in der Vergangenheit schon mehrfach über Missstände beschwert und sei dabei nicht gerade zimperlich mit der Verwaltung umgegangen.

Dazu will Hische sich zwar nicht äußern, nicht stehen lassen mag er allerdings den unterschwelligen Vorwurf, selbst nichts für die Allgemeinheit zu tun: „Ich pflege seit etwa 15 Jahren – also schon seit deutlich vor meiner Bürgermeisterzeit – drei Beete vor unserem Grundstück an der Hauptstraße in Bennigsen.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt