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CDU-Fraktion will weniger Auszubildende bei der Stadt / Verwaltung verweist auf künftigen Bedarf

„Müssen Jugendliche nicht von der Straße holen“

Springe. Elf Auszubildende beschäftigt die Stadt Springe momentan – aus Sicht der CDU-Fraktion ist das zuviel. Sie fordert, nur nach Bedarf auszubilden. Doch der liegt streng genommen momentan bei null. SPD und Grüne reagieren mit Ablehnung.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

„Wir versuchen zu sparen“, begründete Ratsherr Heinrich Freimann den Vorstoß der Christdemokraten jetzt im Finanzausschuss. Jeder Auszubildende koste die Stadt 20 000 Euro pro Jahr: „Da müssen wir wirklich nicht über das Soll hinausgehen.“ Wo genau das liegt, darüber entstand in der jüngsten Sitzung des Ausschusses eine lebhafte Debatte. Der städtische Personalchef Gerd-Dieter Walter erklärte, die Ausbildungsstellen seien formell über den tatsächlichen Bedarf hinaus besetzt. Denn der sei ja streng genommen nur da, wenn am Ende der Ausbildungszeit jemand anderes in der Verwaltung in den Ruhestand gehe.

Doch Walter mahnte auch den Blick in die nahe Zukunft an: Zwischen den Jahren 2015 und 2020 gingen bundesweit wie auch bei der Stadt geburtenstarke Jahrgänge in Rente: „Dann verliert auch die Verwaltung fast gleichzeitig viele Mitarbeiter.“ Und: Die Suche nach qualifizierten Kräften beginne – und zwar überall. Über die Ausbildung könne die Stadt so rechtzeitig Personal an sich binden, so Walter.

SPD-Fraktionschefin Katrin Kreipe reagierte mit Empörung auf die Forderung der CDU: „Das ist sehr bedenklich.“ Die Stadt müsse ihren Verpflichtungen nachkommen. Auch Elke Thielmann-Dittert (Grüne) wies auf einen Fachkräftemangel in der Industrie hin – hervorgerufen durch weniger Ausbildungsplätze: „Diese Situation brauchen wir in der Stadt nicht.“

CDU-Ratsherr und Bürgermeisterkandidat Friedrich Woltmann wies diese Ausführungen zurück: „Es gibt inzwischen mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber. Und wir müssen als Stadt keinen Beitrag dazu leisten, die Jugendlichen von der Straße zu holen.“ Eine überbedarfsmäßige Ausbildung nütze den jungen Menschen auch nichts, „wenn sie danach nicht mehr gebraucht werden“, so Woltmann. Auch Carsten Marock (SPD) kritisierte die Ausführungen der Union: „Man kann ja nicht sagen: Ein Azubi verbrennt 20 000 Euro. Sie sind ja auch produktiv, leisten für die Stadt Arbeit.“

Peter Kimmel (FDP) sieht die Lösung irgendwo in der Mitte: „Wir müssen nicht für ganz Deutschland ausbilden. Aber es wäre auch übertrieben, nur einen Jugendlichen einzustellen.“

CDU-Ratsherr Wilfried Baxmann forderte schließlich die Verwaltung auf, die sinkende Bevölkerungszahl bei der künftigen Personalplanung stärker zu berücksichtigen. Mit den Stimmen von SPD und Grünen wurde der Stellenplan schließlich knapp abgesegnet – die CDU stimmte dagegen.

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