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Müll-Streit eskaliert

Springe. Seit zehn Tagen liegen sie an der Straße, überall in der Kernstadt: die Restmüllsäcke von 2014, die die Aha nicht mehr mitnimmt. Zwischen dem Entsorger und der Stadt ist um das Thema jetzt ein Streit entbrannt. Die Aha habe ihn aufgefordert, die vermeintlichen Müllsünder anzuzeigen, empört sich Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Er will stattdessen die Säcke auf Kosten der Aha einsammeln lassen. Das Unternehmen beschwichtigt.

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Bis zum 16. Januar, so lautete die offizielle Ansage des Entsorgers, würden die 2014er-Säcke noch mitgenommen – eine Art Übergangsphase zum Jahreswechsel. Doch die hatten nicht alle Bürger vernommen – oder ignoriert.

Ergebnis: Seit vergangenen Montag wird vor allem die Kernstadt von zahlreichen grauen Beuteln verunstaltet, die die Anlieger haben stehen lassen. An einigen kleben immer noch die roten Zettel, mit denen die Aha-Mitarbeiter die Mitnahme verweigert haben. Bei der Stadt hätten sich daraufhin die Beschwerden gehäuft, sagte gestern Bürgermeister Jörg-Roger Hische.

Er habe zum Hörer gegriffen, um mit der Aha über eine Lösung zu sprechen. Vize-Geschäftsführer Thomas Reuter habe ihm unter anderem nahegelegt, mit Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen illegaler Müllentsorgung vorzugehen. Eine Aha-Sprecherin dementierte gestern: „So etwas wäre nicht in unserem Sinne.“

Ihm sei daraufhin der Kragen geplatzt, so Hische: „Es ist perfide, dass wir als Stadt wegen eines verkorksten Müllsystems, das keiner versteht, unsere eigenen Bürger kriminalisieren sollen.“ Ohnehin habe Reuter die liegen gebliebenen Säcke als Springer Problem dargestellt: „Dort wo er morgens und abends geprüft habe, hätten die Leute alles verstanden und die Säcke wieder reingeholt“, erinnert sich Hische an das Telefonat.

Für den Bürgermeister ist dieses Vorgehen ein klares Zeichen dafür, wie weit die Region mit ihren Unternehmen vom Bürger entfernt sei: „Ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen soll!“ Hische hat den städtischen Betriebshof jetzt damit beauftragt, einen Container aufzustellen und die Säcke von den Straßen zu sammeln. Die Rechnung will er an die Aha schicken: „Das listen wir alles Punkt für Punkt auf – mit Arbeitseinsatz, Material und Arbeitszeit.“ Sollten sich Unternehmen und Region weigern, die Kosten zu begleichen, will Hische nicht lockerlassen: „Dann klagen wir das Geld zur Not ein.“

Bei Aha hieß es gestern, man sei für „wilden Müll“ nur außerhalb der Kommunen und Städte zuständig. Trotzdem fühle man sich auch für das saubere Stadtbild verantwortlich, so eine Sprecherin: „Wir werden die Städte und Gemeinden nicht alleine lassen.“ Wenn es Probleme mit der Entsorgung und den Kosten der übrigen Müllsäcke gebe, müsse man einen Konsens finden.

Grundsätzlich habe man Verständnis, wenn Bürger möglicherweise nicht über die neuen Regelungen informiert seien oder sich an die Umstellungen gewöhnen müssten. Eine längere Übergangsfrist beim Abholen der Säcke sei in jedem Fall nicht möglich: „Im Sinne der Gleichbehandlung machen wir uns sonst angreifbar und riskieren, dass jemand das Sacksystem anfechtet. Schließlich können Tonnennutzer ihren ungenutzten Behälterplatz auch nicht übertragen.“



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