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Mohammad Zaid el-Mogaddedi ist Experte für Islamic Banking

ALTENHAGEN I. Kein Zinsprofit durch Geldverleih – das ist grob umrissen das Prinzip des Islamic Banking. „Islamic Banking bezeichnet jede ökonomische Transaktion, die sich nach den Grundlagen des Islam richtet“, erklärte Finanzexperte Mohammad Zaid el-Mogaddedi während eines Männerfrühstücks vor Altenhägener Publikum.

Mohammad Zaid el-Mogaddedi berichtet im Dorf-Kultur-Erbe über die Prinzipien des Islamic Banking. Foto: Krause

Autor:

Reinhold Krause

In seinen Ausführungen über die Wirtschaftsethik im Islam ging der Gründer des „Institute for Islamic Banking und Finance“ (IFIBAF) auf die Scharia, das religiöse Gesetz des Islams, ein, nach deren hohen moralischen Vorstellungen die Geldgeschäfte geregelt werden.

Rund 20 Teilnehmer hatten sich auf Einladung von Pastor Eckhard Luckow im Dorf-Kultur-Erbe versammelt. Hochinteressiert folgten sie den Ausführungen von el-Mogadeddi, der die Besonderheiten der islamischen Finanzdienstleistungen anhand von Beispielen erläuterte. Bereits seit 1400 Jahren gelten die religiösen Vorschriften, nach denen auch heute noch das Bankensystem funktioniert.

Der Sohn des ehemaligen Chefarztes aus dem Springer Klinikum und heutigen islamischen Theologen Dr. Obeidullah el-Mogaddedi redete in seinem Vortrag ohne Manuskript fachlich und fundiert. „Die islamischen Banken sind in der Finanzmarktkrise besser durchgekommen als die konventionellen“, resümierte er. Finanzmärkte in London, Lichtenstein und Luxemburg buhlen um islamische Investoren. „Den deutschen Finanzdienstleistern fehlt es schlichtweg an erforderlichem Rückgrat“, so seine Antwort auf die Frage, warum es so etwas nicht in Deutschland gäbe.

El-Mogaddedi kritisierte das Finanzgebaren chinesischer Investoren in afrikanischen Staaten, die diese Länder aufgrund von „Fördergeldern“ in die Zange nehmen, aus denen es kaum ein Entrinnen gebe.

Weltweit gebe es 1,5 Milliarden Muslime, doch nur 300 Fachleute, die religiöse und ökonomische Ausrichtung miteinander verbinden können. El-Mogaddedi ist einer davon. Wer den Finanzexperten mal erleben möchte, dem bietet sich am 3. Oktober beim Tag der offenen Moschee in der Fünfhausenstraße die nächste Gelegenheit.

Information

Mohammad Zaid el-Mogaddedi ist Gründer und Geschäftsführer des Institute for Islamic Banking & Finance in Hamburg. Der in Mainz geborene Deutsch-Afghane aus einer Springer Arztfamilie hat in der Deisterstadt sein Abitur abgelegt und Betriebswirtschaftslehre studiert. Vor der Gründung seiner Unternehmensberatung war er unter anderem für Versicherungsunternehmen tätig.

Der 58-Jährige ist auch Buchautorv sowie Mitbegründer des Vereins Pactum Africanum, der sich für interreligiöse Verständigung einsetzt.

Nach muslimischen Konventionen darf Geld nicht mit Geld verdient werden. Der Koran sieht ein Zinsverbot (Riba) vor und untersagt Spekulationen (Gharar), weil sie dem Glücksspiel (Maysir) nahekommen. Die Basis islamischer Geldanlagen besteht deshalb aus handelbaren Gütern.

„Alle Transaktionen sollen einenrealwirtschaftlichen Hintergrund haben“, erklärt el-Mogaddedi den Grundsatz. Investiert wird nicht in Unternehmen, die große Teile ihrer Gewinne aus Bereichen mit Geldzinsen erwirtschaften – etwa Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen. Auch sind keine Investitionen in ethisch unkorrekte Branchen zugelassen, in denen Güter wie Alkohol, Tabak, Schweinefleisch oder Waffen im Vordergrund stehen oder es um Pornografie geht. Alle Produkte werden durch eine unabhängige Ethikkommission zertifiziert.

So funktioniert‘s: Bei einer Hausfinanzierung leiht eine Bank einem Hauskäufer nicht das dafür nötige Geld, sondern erwirbt selbst das Haus. Die Bank verkauft das Gebäude dann zu einem höheren Preis an den Kunden, der das Geld in Monatsraten abzahlt.

Seit 2000 nimmt das Interesse am Islamic Finance zu. Das Finanzangebot richtet sich nicht nur an Muslime, sondern an jeden Anleger, der ein an einem ethisch-konformen und in seinen Investmentgrundsätzen nachvollziehbaren und transparenten Konzept interessiert ist. Seit mehr als zehn Jahren beteiligt sich die Deutsche Bank maßgeblich am islamischen Finanzsystem. Sie richtet sich jedoch vornehmlich an Kunden im Mittleren Osten und in Asien. In Deutschland haben sich die KT-Bank und insha auf islamkonforme Finanzangebote spezialisiert. Laut des Bundesinnenministeriums leben in Deutschland zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime, was rund 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.



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