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Möbellager: Anpackend - doch die Stelle läuft aus

SPRINGE. „Eigentlich gehöre ich schon fast zum Inventar“, sagt Wolfgang Kunze. Seit acht Jahren ist er im städtischen Möbellager beschäftigt. Doch in wenigen Tagen soll für den 57-Jährigen Schluss sein. Sein Arbeitsvertrag läuft aus.

Packen tatkräftig an: Michael Kersten (links) und Wolfgang Kunze, für den möglicherweise in ein paar Tagen Schluss mit seiner Arbeit im Möbellager ist. Foto.: Brinkmann-Thies

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

SPRINGE. Angefangen hat Kunze als Ein-Euro-Jobber, er schloss sich einer „Ü-50-Maßnahme“ an. „Eigentlich gehöre ich schon fast zum Inventar“, sagt Wolfgang Kunze. Er habe versucht, eine Verlängerung zu bekommen. Bisher erfolglos.

„Ich hoffe aber immer noch, hier weiter arbeiten zu können“, so Kunze. Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Kersten packt Kunze an, wenn es um das Abholen oder Bringen von gebrauchten Möbeln geht. Sehr zufrieden mit seinem Mitarbeiter Kunze ist Hans-Joachim Walch, der das Möbellager leitet. „Ich bin hundertprozentig zufrieden mit ihm und enttäuscht, dass sein Vertrag nicht verlängert wird“, erklärt Walsch. Muss Kunze gehen, dann wäre sein Kollege Kersten allein für das Möbeltragen zuständig. Wie das funktionieren soll, weiß Walsch auch nicht. Und gute Leute wie etwa Kunze zu bekommen, sei äußerst schwierig, weiß er aus leidvoller Erfahrung. Das städtische Möbellager in der Hamelser Straße bietet gut erhaltene Gebrauchtmöbel für Springer mit geringem Einkommen an. Jeder, der einen entsprechenden Bewilligungsbescheid, etwa über Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II oder einen Möbelbezugsschein der ARGE oder des Sozialamtes vorlegen kann, kann dort preisgünstig alles vom Bett bis zum Kleiderschrank erwerben.

„Das Lager ist gut ausgestattet“, berichtet Walch. Die Springer seien eben sehr spendenfreudig. Und da der Bedarf an Möbel durch das Abebben der Flüchtlingswelle wieder zurückgegangen sei, seien die Bestände auf den rund 600 Quadratmetern der Lagerhallen eben gut gefüllt.

Mehr Nachfragen als Angebote gibt es derzeit allerdings für Couchtische, Deckenlampen und Waschmaschinen. „Hier haben wir durchaus Bedarf“, sagt Walsch.

Möbel, die gespendet werden sollen, werden vom Team des Möbellagers abgeholt, nachdem sie in Augenschein genommen werden. Die neuen Besitzer müssen ihre Möbel dann in der Regel aber selbst aufbauen. Nur wenn jemand dazu körperlich nicht in der Lage ist, springen die Mitarbeiter Kersten– und derzeit noch Kunze – tatkräftig ein.

Laut Sozialamtsleiter Karl-Hermann Heinze wird die Stelle über den Europäischen Sozialfonds finanziert. „Diese Förderung läuft aber aus“, bedauert Heinze. Ohne die Förderung könne die Stelle nicht finanziert werden.



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