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Bundestagsabgeordneter Matthias Miersch bindet Springer Schüler in Projekt zum UN-Gipfel ein

Mitmischen, verändern – Jugend ist gefragt

Springe (ric). Er sei ein Politiker mit besonderer Amtsauffassung, lobte die Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Kerstin Prietzel. Und darum war es dem SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch gestern wohl auch ein besonderes Anliegen, Springer Schüler nicht nur über seine Arbeit zu informieren, sondern sie unmittelbar in politische Prozesse einzubinden.

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Miersch wird sich aller Voraussicht nach Anfang Juni mit acht weiteren Bundestagsabgeordneten und Kanzlerin Angela Merkel zum UN-Weltgipfel nach Brasilien aufmachen. In Rio de Janeiro sollen dann auch Themen auf den großen Tisch der Nationen kommen, die OHG-Schüler mitentwickelt haben. Miersch bezog gestern also politisch interessierte Schüler aus dem elften Jahrgang in den Prozess mit ein: Sie sollen Themen entwickeln, sich vor allem aber eine Aktion speziell für Springe überlegen, in der es um Nachhaltigkeit geht – ganz nach dem Motto: global denken, lokal handeln.

„Im Anschluss kann ich mir vorstellen, dass wir alle zu einer Wahlkreis-Schülerkonferenz zusammenkommen und die Ergebnisse des Gipfels und der lokalen Aktionen diskutieren“, sagte der Sozialdemokrat.

Miersch brachte bei seinem Besuch im OHG auch Gegenargumente zu Thesen vor, die im vergangenen Jahr Politwissenschaftler Prof. Peter Lösche dort verbreitet hatte: Miersch forderte die Jugend auf, sich in Vereinen, Verbänden und Parteien zu engagieren und mitzumischen. „Klar, die gelten teilweise als verstaubt – aber junge Leute müssen das verändern.“ Er selbst sei 1990 erstmals auf kommunaler Ebene in Laatzen politisch aktiv geworden, als der Rat der Stadt den Zuschuss für Jugendfreizeiten gestrichen hatte. „Da ist mir der Kragen geplatzt“, erinnert sich der heute 43-Jährige. 1991 selbst in den Rat gewählt, schaffte er es mit seinen Mitstreitern, den Beschluss wieder aufzuheben.

Miersch, das merkten die interessierten Oberstufenschüler schnell, liebt seinen Beruf nicht aufgrund der Privilegien („Als Rechtsanwalt habe ich mehr Geld in der Stunde verdient“), sondern weil er etwas bewegen will. Und dafür gehe er nicht immer den bequemsten Weg: Bei Gesetzesentwürfen habe er achtmal in sechs Jahren gegen die eigene Fraktion gestimmt. „Jeder Abgeordnete muss die Gewissensfrage für sich selbst definieren können.“ Eineinhalb Stunden lang diskutierte er lebhaft mit den Elftklässlern. Über die Rente mit 67, über Staatsschulden, Solarien-Verbot für Minderjährige und über Massentierhaltung. „Ich kämpfe seit zwei Jahren dafür, dass Städte wie Springe selbst darüber entscheiden können, solche Anlagen zuzulassen oder nicht.“

Und wie so oft in einer Demokratie, müsse man dafür „dicke Bretter bohren“.

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