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Bennigser Grundschüler werden jetzt bis 15 Uhr betreut / Nicht nur das Mittagessen ist außergewöhnlich

Mit Nachschlag, bitte

Bennigsen. „Nein, die mag ich nicht.“ Kopfschüttelnd zeigt der Junge auf die Mohrrüben-Scheiben. Petra Krüger lächelt und schiebt ihren großen Löffel dennoch in die Gemüseschale: „Weiß Du was: Ich gebe Dir zwei auf – und Du probierst mal.“ Es dauert zehn Minuten, dann steht der Junge wieder vor der Frau mit der weißen Kochschürze und zeigt erneut auf die Karotten. Dieses Mal aber mit einer anderen Bitte: „Darf ich noch mehr davon haben?“

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Monatelang hat die Grundschule Bennigsen auf ihren Einstieg als „offene Ganztagsschule“ hingearbeitet. Der bisherige DRK-Hort mit 20 Plätzen ist seit dem 1. August in den Schulräumen untergebracht, seit gestern sind die insgesamt 53 Betreuungsplätze voll belegt. In der Schule können die Erst- und Zweitklässler bis 15 Uhr bleiben. Die Hortkinder, die sich aus Jungen und Mädchen aus allen vier Jahrgängen zusammensetzen, werden bis 17 Uhr umsorgt. Im Gegensatz zur Schulbetreuung sind die beiden Extrastunden am späten Nachmittag kostenpflichtig.

Schulleiterin Madlen Ludwig weiß, dass das Bennigser Angebot deutlich über den Standard hinausgeht: Die meisten anderen offenen Ganztagsschulen haben nur an drei Tagen in der Woche auf. „Wir haben uns nach dem dringlichen Wunsch der Eltern gerichtet, eine Betreuung von montags bis einschließlich freitags sicherzustellen.“ Die Schule erleichtert berufstätigen Eltern auch damit das Familienleben, dass eine pädagogische Mitarbeiterin die Jungen und Mädchen morgens schon ab 7.15 Uhr empfängt.

Ortsbürgermeister Hartmut Rieck (CDU) und Stadtratsmitglied Klemens Brandt (SPD) schauten gestern Mittag in der neuen „Mensa“ vorbei und gratulierten Rektorin Ludwig zur Eröffnung. „Hier ist ein ziemlich großes Rad gedreht worden“, bekundet Rieck „stolz und dankbar“. Ludwig habe zusammen mit ihrem Kollegium sowie der Springer Stadtverwaltung innerhalb von kurzer Zeit ein hervorragendes, kindgerechtes Angebot gestrickt.

Was für Rieck das Sahnehäubchen ist: Die Kinder bekommen kein Fertigessen eines großen Bringdienstes, für sie wird jeden Tag frisch gekocht. Die Schule hat sich für das Catering von Detlev Krüger, Wirt des „Weißen Ross“ in Gestorf, entschieden. „Ein gesundes, ausgewogenes Mittagessen geht zwar nicht für 2,50 Euro am Tag – wir müssen 3,50 Euro nehmen“, gibt Krüger offen zu, „aber dafür achten wir auf frisches Gemüse. Und jeder kann jeden Tag einen Nachschlag bekommen.“

Um seinen jungen Kunden gerecht zu werden, hat Krüger sie gerade nach ihren Lieblingsspeisen gefragt. Spaghetti mit Hackfleischsoße und Fischstäbchen waren natürlich dabei – aber auch Linsensuppe. „Das hat mich selbst überrascht“, sagt der Gastronom. Gestern servierte er Kartoffelbrei mit Hähnchenbrustfilet, Soße und Karotten. Für ein Kind mit Laktose-Intoleranz brachte er Salzkartoffeln mit. Extrawünsche hat er auch für heute einkalkuliert, wenn Lasagne auf dem Menüplan steht: Die muslimischen Kinder bekommen Rinder- statt Schweinehack.

Die Wirtsleute Krüger und Rektorin Ludwig können nicht nur planen, sie packen auch an. Weil die Schul-Spülmaschine erst gestern geliefert wurde, mussten sie Teller, Gläser und Besteck eineinhalb Wochen von Hand abwaschen. „Kein Problem“, lacht Ludwig über die kleine Startschwierigkeit.

Die 53 Kinder werden nach dem Schulschluss von drei pädagogischen Mitarbeitern und zwei Erziehern betreut. Sie machen zusammen ihre Hausaufgaben, essen, können sich eine Ruhezeit nehmen und zusammen spielen. Rieck wünscht sich, dass es eines Tages Kooperationen mit heimischen Vereinen gibt, deren Übungsleiter am frühen Nachmittag in die Schule kommen. Eine Anfrage gebe es bislang nicht, sagt Ludwig. Aber alles müsse direkt zum Start ja auch noch nicht perfekt sein.



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