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Krankenhaus-Mitarbeiter hoffen auf Nachfolgelösung

Mit Galgenhumor von Schicht zu Schicht

Springe. An der Pinnwand hängt eine Postkarte. „Keine Zeit für Mitleid“ steht in großen Buchstaben darauf. Der Spruch würde als Motto der 180 Angestellten taugen, die noch im Springer Krankenhaus arbeiten. Klaus Fallmer ist einer von ihnen.

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Als sich herauskristallisierte, dass die Klinik in absehbarer Zeit geschlossen wird, war der 63-Jährige aus Dahle erst niedergeschlagen, dann frustriert. Mittlerweile begleitet ihn der Galgenhumor von Schicht zu Schicht. „Wir können hier doch nicht mit einem Muffelgesicht herumlaufen und die Patienten verschrecken“, sagt sich Fallmer immer wieder. Jeder Patient könnte schließlich sein letzter sein.

40 Jahre ist es her, dass der Krankenpfleger seinen ersten Dienst in der Springer Klinik hatte. Damals war der Landkreis Hannover Träger der Einrichtung. Später übernahm die Region das Ruder. In der Geschichte des Hauses seien immer wieder gravierende Fehler gemacht worden, sagt Fallmer. Sofort fällt ihm der Architektenwettbewerb ein, bei dem es um einen Erweiterungsbau für den Komplex ging. „Wir sollten damals eine wirtschaftlichere Größe erhalten“, erinnert sich der Krankenpfleger.

Der Grundstein wurde nie gelegt – stattdessen Betten abgebaut. Von 164 Patienten hatten nur noch 99 Platz. „Die Investitionen wurden an anderen Standorten getätigt“, stellt Fallmer nüchtern fest. Für den großen Träger sei Springe irgendwann nur noch ein ungeliebtes Kind gewesen.

Ob das Haus wirklich defizitär ist? Fallmer kennt keine Zahlen, er muss sich auf sein Bauchgefühl verlassen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der Verbund gut gearbeitet hat“, formuliert er vorsichtig. Die Partner Springe und Gehrden seien in der Bilanz nur schwer zu trennen, schon deshalb, weil „viele Patienten von Gehrden zu uns gebracht werden. Das sind vor allem die arbeitsintensiven Fälle“. Fallmer spricht von schweren Infektionen und Krankenhaus-Keimen. Das Personal sei mit der Pflege dieser Patienten „bis über die Grenze belastet“.

Ohnehin habe sich die Arbeit immer mehr verdichtet. Das Pensum, das in den 70er und 80er Jahren acht Kollegen in einer Schicht leisteten, müssten jetzt drei Mitarbeiter schaffen. Fallmer: „Und obendrauf kommen noch die ganzen Dokumentationen.“ Weil der Stress für einen Über-60-Jährigen zu viel ist, arbeitet Fallmer seit einem Jahr im Patiententransportdienst – der Pfleger begleitet Kranke zu wichtigen Untersuchungen im Haus.

„Ich bin noch immer mit Leib und Seele dabei. Dieses Haus ist mir ans Herz gewachsen“, stellt Fallmer klar, dass er trotz seiner 63 Jahre noch nicht ans Aufhören denkt. Eigentlich. Andererseits: Ab dem 1. März 2017 kann er laut Rentenbescheid zuhause bleiben. Ihm ist aber wichtig: Sollte sich für seine Klinik eine Nachfolgelösung ergeben, „würde ich das mit all meinen Kräften unterstützen. Eventuell auch über meinen 65. Geburtstag hinaus. Dafür fühle ich mich stark genug.“

Noch lieber wäre ihm, wenn die Einrichtung in der jetzigen Form weiterbestehen könnte. „Wenn sich die Regionspolitiker noch einmal zusammensetzen, ihre Medizinstrategie überdenken und erkennen, wie wichtig dieses Haus für das ganze Klinikum Region Hannover ist.“ Zum Nulltarif seien auch weder eine Notfallambulanz noch ein leer stehendes Gebäude zu haben.

In seinen 40 Berufsjahren hat Fallmer immer wieder von zufriedenen Patienten gehört, dass sie das Springer Haus gerade deshalb schätzen, weil es so angenehm klein, so kompakt, so herzlich ist. „Hier muss sich niemand Gedanken machen, dass er verloren geht.“

Verloren fühlen sich jetzt allerdings die Mitarbeiter. Noch immer weiß keiner von ihnen, wann auf den Stationen die Lichter ausgehen und wer künftig wo arbeiten soll. Da hilft nur Galgenhumor.mari



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