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Vor Gericht: Eine 21-jährige Springerin fährt notorisch schwarz – und wird sogar zweimal an einem Tag erwischt

„Mir glaubt doch keiner“

Springe. Einen Therapiekurs in Hannover will das Gericht der 21-Jährigen nicht zugestehen – denn schon auf dem Weg dahin würde die Springerin wohl wieder straffällig: Stattdessen muss die notorische S-Bahn-Schwarzfahrerin jetzt für zwei Wochen ins Gefängnis. Ein Warnschuss – der nächste in einer langen Reihe.

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von Jennifer Schüller

Bereits acht Mal war die junge Frau in den vergangenen vier Jahren ohne gültiges Zugticket aufgegriffen und dafür verurteilt worden. Einsicht und Reue? Fehlanzeige. Erst im Juni war die 21-Jährige aus einem kurzen Arrest entlassen worden. Dieser habe sie „nachhaltig abgeschreckt“, sagte sie der Richterin in einem Vorgespräch. Trotzdem wurde sie schon vier Tage später wieder ohne Fahrschein geschnappt.

In einigen Fällen wurde die Frau zwei Mal am Tag gefasst – einmal auf der Hin- und dann auf der Rückfahrt. Die Angeklagte beteuerte zunächst, einige Taten von Juni bis September 2014 seien nicht von ihr selbst begangen worden: Ihr Ausweis und ihre Krankenkassenkarte seien verschwunden. Seit dem Sommer habe sie sich nichts mehr zuschulden kommen lassen.

Außerdem war die 21-Jährige bei ihrer jüngsten Verhandlung zu fünf Sozialgesprächen und 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Diese Auflagen habe sie nur nach mehrfachen Abmahnungen abgeleistet, so Böhm. All das spreche nicht für die Angeklagte.

Gleich fünf Fahrscheinkontrolleure waren gestern als Zeugen geladen – doch noch bevor der erste aussagen konnte, machte die Springerin ihrem Unmut Luft: „Sie brauchen die Zeugen doch gar nicht anzuhören, ich kriege doch so oder so eine fette Strafe und werde verurteilt. Mir glaubt doch keiner, weil ich Wiederholungstäterin bin“, schimpfte sie.

Während sich keiner der Zeugen an das Gesicht der Angeklagten erinnern konnten, bestätigten die Aufzeichnungen der Personalien, dass es sich jedes Mal um die Angeklagte gehandelt haben müsse. Wegen der fehlenden Papiere, beteuerte die 21-Jährige dagegen, könne es auch sein, dass sich eine andere Person als sie ausgegeben habe.

Richterin Böhm und die Staatsanwaltschaft konnte sie damit nicht überzeugen. Am Ende wurde die Springerin zu einem zweiwöchigen Dauerarrest verurteilt. „Wenn sie jetzt nicht anfangen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, dann sitzen sie das nächste Mal nicht nur für einige Tage ein“, mahnte die Staatsanwältin: „Dann können Sie ganz schnell drei oder vier Monate im Frauengefängnis in Vechta einsitzen.“

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte zuvor noch dafür plädiert, die Angeklagte stattdessen zu einem zwölfwöchigen Trainingskurs für junge Frauen in Hannover zu schicken. Richterin Böhm sah von dieser Option ab: Da der Kurs in Hannover stattfindet, sei davon auszugehen, dass die Angeklagte bei der Anreise wieder schwarzfährt.



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