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Mildes Wetter erschwert Holzernte

Springe. Winterzeit ist Erntezeit im Deister. Denn nur wenn der Boden richtig durchgefroren ist, können die Traktoren der Landesforsten die schweren Bäume aus dem Wald ziehen. Lange Frostperioden gibt es aber immer seltener. Die Folgen des Klimawandels zwingen den neuen Forstamtsleiter Christian Boele-Keimer zum Umdenken. Ein Besuch auf dem Deisterkamm.

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Oben liegt noch Schnee – aber richtiger Winter ist trotzdem nicht: Drei Grad über null zeigt das Thermometer auf 320 Metern Höhe. Der Schnee auf dem Plateau Köllnischfeld schmilzt – und auf den schmalen Waldwegen, den sogenannten Rückegassen, bilden sich Pfützen und Schlammlöcher. „Hier müssen wir unsere Arbeit einstellen“, räumt Axel Gerlach von der Revierförsterei Köllnischfeld ein.

Der Boden würde durch die schweren Maschinen zu stark beeinträchtigt. Und das störe wiederum das empfindliche Ökosystem Wald. Die Ernte muss verschoben werden, bis der Boden wieder trockener ist.

Dadurch läuft den Waldmanagern die Zeit davon. Sie müssen im Winter eine bestimmte Holzmenge ernten. Doch der Winter macht sich seit einigen Jahren rar. „Unser Zeitfenster für die Ernte wird immer enger“, sagt Boele-Keimer – und führt aus: „Für optimale Erntebedingungen brauchen wir mindestens eine Woche mit Temperaturen sieben Grad unter null.“ Erst dann friert der Boden richtig durch und bietet den Ernte-Traktoren genug Halt. Ernten im Regen oder bei Taunässe kann tiefe Spuren im Waldboden hinterlassen. Deshalb brechen die Waldarbeiter den Einsatz ab, wenn die Fahrzeuge zu tiefe Abdrücke hinterlassen. Die Folge: Ohne Frost kann weniger geerntet werden.

Welche Auswirkungen ein zu milder Winter haben kann, das haben die Landesforsten im vergangenen Jahr gemerkt: Sie verzeichneten einen Rückgang um zehn Prozent bei der Laubholz-Ernte. Auch der Zeitplan für 2015 ist eng: „Wir sind bemüht, die Laubholz-Ernte bis Ende Februar abzuschließen“, sagt Boele-Keimer.

Denn sonst gibt es ein weiteres Problem: Im März pilgern Wanderer und Erholungssuchende in Scharen in den Deister. Die Landesforsten sind bemüht, ihnen die Wanderung so angenehm wie möglich zu gestalten. Schlammlöcher und Sägegeräusche können den Waldbesuchern auf die Nerven fallen. Dabei bitten die Förster aber auch um Verständnis dafür, dass der Wald bewirtschaftet wird.

Ortswechsel: Hundert Schritte weiter, wenige Meter höher – die Luft ist kälter und die Quecksilbersäule des Thermometers steht hier knapp bei der Null-Grad-Marke. Gerlach deutet mit der Hand nach rechts, abermals auf einen Rückeweg, aber diesmal sind weder Schlamm noch Furchen zu sehen – obwohl auch dort Erntefahrzeuge im Einsatz waren. Frost erleichtert den Förstern die Arbeit.

Doch selbst, wenn er da ist, können die Forstleute nicht immer Vollgas geben. Auf der Hochebene des Köllnischfeld verläuft eine Loipe des Ski-Clubs Springe, direkt neben dem Waldweg. Sie schränkt die Lagermöglichkeiten für Holz ein. Boele-Keimer: „Würden wir mehr lagern, wäre die Loipe verstellt, das geht natürlich nicht.“

Boele-Keimer fürchtet, dass die Förster in Zukunft werden umdenken müssen: „Wenn die Winter weiterhin wärmer werden, muss die Ernte auf andere Jahreszeiten ausgedehnt werden“, sagt er. Soweit ist es am Deister noch nicht. Dreiviertel des gesamten Holzeinschlages werden im Winter gemacht.

Im Jagdschloss wird der Wetterbericht deshalb derzeit ganz genau verfolgt. Vielleicht kommt der richtige Winter ja doch noch. Spätestens am Mittwoch könnte es klappen. Zumindest nachts soll es dann – immerhin – ein Grad Minus geben. Das wäre zumindest schon einmal ein Anfang.rtm



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