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Messestress und Meinungsfreiheit: Zu Klampen zur Buchmesse

SPRINGE. Reden, Lachen, Buchpräsentationen: Nein, zum Lesen hatte Verleger Dietrich zu Klampen in den vergangenen Tagen keine Zeit. Die Leipziger Buchmesse mit einem neuen Besucherrekord, 208 000 Menschen besuchten die Ausstellung, sorgte bei ihm dennoch für Hochgefühle. Ralf T. Mischer hat mit ihm darüber gesprochen.

Im Gespräch: Buchhändler Jochim Wrensch, (von links), Marius Schiffer, Dietrich zu Klampen, sowie die Autorinnen Autorinnen Susanne Mischke und Sabine Schiffner.

Herr Zu Klampen, ebbt der Messe-Stress langsam ab?

Ganz und gar nicht! Wie befinden uns noch immer im Stadium des süßen Messewahns. Ich habe das Gefühl, die ganze Welt dreht sich ausschließlich um Bücher.

So ein Besuch auf der Leipziger-Buchmesse ist für Sie schon mit erheblichem Aufwand verbunden, lohnt sich das?

Solch ein Hochgefühl kann man sonst nur mit harten Medikamenten erreichen. Die Messe lohnt sich aber auch objektiv: So viele Kontakte zu Kritikern, Autoren, Lesern, Buchhändlern, Kollegen und Freunden zahlen sich in der Regel immer aus. So wurde gerade im Deutschlandradio Kultur ein Bericht über unseren „Penis-Komplex“ gebracht, weil der Autor auf der Messe interviewt werden konnte.

Nicht zuletzt wegen des Besucherrekords in diesem Jahr?

Nein, die Menge der Besucher ist längst nicht so wichtig wie die Qualität.

Eines der Themen war die Meinungsfreiheit, die in vielen Ländern bedroht zu sein scheint. Ist das auch für den Zu-Klampen-Verlag ein Thema?

Ja, ganz sicher! Wir haben sogar mitgetan: Jeden Tag haben Verleger am Forum der unabhängigen Verlage Texte von Deniz Yücel vorgelesen. Diese Aktion wurde von vielen Medien weitergetragen.

Sollten Verlage da deutliche Zeichen setzen?

Wir versuchen, so deutlich wie nur irgend möglich zu sein. Unser Dachverband, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, sowie die Leipziger Buchmesse selbst haben aber auch sehr deutlich Stellung bezogen.

In Ihrem Verlagsprogramm spielen Werke der Kritischen Theorie eine große Rolle. Die wurde in den letzten Jahrzehnten von ökonomisch, systemisch oder strukturalistisch inspirierten Soziologen belächelt. Die Brüchigkeit der Freiheit war für die Kritische Theorie, anders als für jene, immer das Thema. Ist das die große Stunde für Ihren Verlag?

Theoretisch ja und praktisch nein. Das Elend ist ja, dass sich nicht mehr gar so viele Menschen für die schwierigeren Texte interessieren. Aber wir lassen nicht nach, haben manchmal sogar erstaunliche Erfolge zu verzeichnen: Herbert Marcuses „Eindimensionaler Mensch“ war so ein Erfolg. Wir haben das Buch in mehreren Auflagen verkauft.


Sie erwähnten, dass Sie ein ungewöhnliches Buch haben Premiere feiern lassen. Das erfuhr große Aufmerksamkeit. Liegt das am schlüpfrigen Thema?

Das Penis-Buch hat tatsächlich große Aufmerksamkeit gefunden. Ich glaube, dass das daran liegt, dass es eben vollkommen unschlüpfrig geschrieben ist und Vieles thematisiert, was kaum einer weiß. So hat etwa der Begründer der Sexualforschung in Deutschland, Volkmar Sigusch, geschrieben: “Das Buch begeistert und beschämt mich, weil ich nach 50 Jahren Sexualforschung und -therapie viel erfahren habe, was ich nicht wusste oder nicht bedacht habe.„

Ist eine Messe für Sie noch ein Vergnügen?

Oh ja. Sie ist schließlich auch eine Art Familientreffen und beinahe die ganze Zeit eine rauschende Buchparty.

Wie läuft das Geschäft in ihrem Verlag – nicht zuletzt mit Blick aufs neue Urheberrecht?

Wir hatten 2016 das erfolgreichste Jahr unserer Geschichte. Das half uns, die Probleme der Buchbranche für unseren Verlag klein zu halten.

Wie ist das möglich?

Es sind besonders viele Bücher gut angekommen. Das ist nicht planbar und bedarf des Glücks. Und das hatten wir.



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