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Rückkehr in einen neuen Beruf: Marion Rokahr hat sich zur Busfahrerin umschulen lassen

„Mein Mann ist stolz wie Oskar“

Eldagsen (mf). Als Marion Rokahr die Anzeige in der Zeitung sah, zögerte sie nicht lange. Einen Bus fahren? Warum eigentlich nicht? Das machen doch längst auch andere Frauen. Und sie war immerhin sogar ein bisschen vom Fach: In den frühen 1980er Jahren hatte die Eldagsenerin Kfz-Mechanikerin gelernt. Am technischen Grundverständnis würde es also nicht hapern.

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Und so griff die heute 44-Jährige kurzentschlossen zum Hörer und meldete sich beim Springer Bildungszentrum für Verkehr, wo Geschäftsführer Hilmar Janik mit Unterstützung der Agentur für Arbeit Bewerber für eine Fortbildung zum Busfahrer suchte. Für Marion Rokahr war es die lang ersehnte Chance, beruflich endlich wieder Fuß zu fassen.

Nach ihrer Werkstatt-Lehre hatte sie einige Jahre in verschiedenen anderen Jobs gearbeitet: bei Philips in der Leuchtenproduktion, in einer Tankstelle, als Kassiererin und schließlich in einem hannoverschen Baumarkt. Bald nach der Heirat bekam sie ein Kind, blieb fortan zu Hause. Siebzehneinhalb Jahre ist das jetzt her. „Mein Sohn ist fast erwachsen, ich wollte halbtags wieder arbeiten“, erzählt Marion Rokahr.

Vier Monate büffelte sie in der Fahrschule alles, was man wissen muss, wenn man einen großen Bus mit 50 Fahrgästen steuern will. Unmittelbar im Anschluss vermittelte ihr Janik ein Praktikum beim Hameln-Pyrmonter Busunternehmen Held. Rokahr bewährte sich, Held bot ihr eine Festanstellung an. Am 16. August, also vor genau zehn Tagen, saß sie erstmals ohne „Aufpasser“ am Steuer. Ihre erste Fahrt ganz auf sich gestellt und verantwortlich hatte es gleich in sich. Die Strecke führte über den kurvenreichen Nienstedter Pass. „Und ich bin mit einem heilen Bus zurückgekommen“, blickt sie zurück und schmunzelt.

An vier Tagen der Woche wird sie nun im münderschen Linienverkehr eingesetzt, bringt morgens Kinder zur Schule und holt sie mittags wieder ab. Die Arbeit macht ihr viel Spaß. „Nur an das frühe Aufstehen muss ich mich erst noch gewöhnen“, gesteht sie lächelnd. Ihre erste Tour beginnt morgens um viertel vor fünf.

Und was sagt die Familie? „Mein Mann Friedhelm ist stolz wie Oskar“, berichtet Marion Rokahr. Er habe aber auch nie einen Zweifel gehabt, dass sie der neuen Aufgabe gewachsen sei.

Die Eldagsenerin will anderen Frauen in einer ähnlichen Lebenssituation Mut machen: „Sie sollten nicht lange darüber nachdenken, sondern sich einfach einen Ruck geben“, rät sie.

Warum also nicht auch ein Neustart als Busfahrerin? „Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind sehr gut – in Voll- und Teilzeit“, weiß Christina Rasokat von der Agentur für Arbeit. „Aufgrund ihrer sozialen Kompetenz sind Frauen bei Arbeitgebern für den öffentlichen Nahverkehr besonders begehrt. Sie werden überwiegend im Schülertransport eingesetzt“, sagt die Expertin. Allerdings: Bewerberinnen müssten bereit zu flexiblen Arbeitszeiten sein.

Aufgrund der großen Nachfrage der Unternehmen nach weiblichen Busfahrern plant die Arbeitsagentur gemeinsam mit dem Bildungszentrum für Verkehr schon Anfang September den nächsten Kurs. Die Weiterbildung dauert bis zu vier Monate. Am Ende winkt ein Führerschein der Klasse D für den Personenverkehr. Zudem müssen die Teilnehmerinnen eine IHK-Prüfung ablegen, um gewerblich Menschen befördern zu dürfen.

Die Kosten für den Führerschein werden bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen von Arbeitsagentur beziehungsweise Jobcenter übernommen. Weiterbildungen zur Busfahrerin werden bereits seit elf Jahren gefördert.

Am kommenden Mittwoch, 31. August, bietet die Arbeitsagentur ab 9 Uhr im Gruppenraum des Berufsinformationszentrums (BiZ) Hameln eine Informationsveranstaltung für interessierte Frauen an. Anmeldungen nimmt Helga Kappmeyer, 05151/ 909-146, entgegen.



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