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ME/CFS: 1200 Schüler bilden in Springe eine blaue Schleife

SPRINGE. Wenn es um das Thema Gesundheit geht – und um Missstände – ist Springe dabei: 1200 Schüler haben am Montag an der IGS eine riesige blaue Schleife gebildet, um auf die Krankheit ME/CFS aufmerksam zu machen. Die Aktion hatte sogar die Aufmerksamkeit der Landesregierung auf sich gezogen.

Die Unterstützer Mathias Ilka (von links), Anke Pörksen, Michael Dette, Kerstin Prietzel, Christian Springfeld, Cedric Liebrum, Irene Kretschmer, Anika Hohls Hellmann und Ellen Naack-Ilka. FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Organisiert wurde das Event von ME-Botschafter Mathias Ilka, der beeindruckt von der riesigen Resonanz in Springe war. Schnell hatten sich mehrere Schulleiter bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Und: Es ist die größte Schleife mit den bislang meisten Teilnehmern in Deutschland geworden. Gleichzeitig ist es Ilka gelungen, zahlreiche politische Vertreter nach Springe zu holen. Neben dem stellvertretenden Regionspräsidenten Michael Dette kam auch Regierungssprecherin Anke Pörksen aus Hannover.

„Ich habe erst im Zuge dieser Aktion zum ersten Mal von der Krankheit erfahren“, so Pörksen. Und genau mit dieser Aussage trifft sie den Kern der Aktion: Obwohl die Krankheit ME/CFS so weit verbreitet ist, ist sie dennoch bis heute weitestgehend unbekannt. Forschung? Weitestgehend Fehlanzeige. Und das will Ilka mit seiner Aktion ändern und in der breiten Öffentlichkeit über die organische Multisystemerkrankung informieren. Immerhin sind in Deutschland etwa 300 000 Menschen betroffen, darunter auch Lisa Kist aus Gestorf. Die junge Frau ist von 365 Tagen im Jahr mehr als 280 Tage ans Bett gefesselt. Sie konnte am Montag nicht selbst teilnehmen – dafür aber ihre Mutter, die sich mit Ilka gemeinsam für die Betroffenen einsetzt, die selbst nicht mehr dazu in der Lage sind.

Sichtlich ergriffen verfolgte Petra Kist die Schleifen-Bildung auf dem Sportplatz der IGS. „Wir sind überrascht über den großen Zuspruch“, sagt Kist. Auch wenn sie weiß, wie lange der Weg zur Forschung ist – ein wichtiger Schritt sei mit der gestrigen Aktion getan. „Man muss sich auf den Weg machen. Und die Zeit heute ist sehr schnelllebig, ich würde mir wünschen, dass es mit der Forschung auch mal so schnell vorangeht.“ Am Ende liege es aber an der Regierung, Gelder bereitzustellen. Sie habe den Eindruck, dass dieser Appell bei den Beteiligten vor Ort angekommen sei. Das zeige auch das Medieninteresse an der Aktion.

Dette überbrachte etwa einige Grußworte von Ministerpräsident Stephan Weil. „Das Engagement hier vor Ort ist toll – und das der Schüler, die sich bei der Kälte aufstellen und das teilweise in ihrer Freizeit.“ Für OHG-Schulleiterin Kerstin Prietzel war die Teilnahme an der Aktion selbstverständlich: „Es ist sehr eindrücklich gewesen, die Botschaft ist angekommen, mehr Worte braucht es nicht.“

Neben der IGS und dem OHG beteiligten sich auch Schüler der Berufsbildenden Schulen an dem Schleifen-Projekt – und schrien gemeinsam aus vollem Hals nach „Forschung“.

„Es zeigt das Elend der Bürokratie in der Gesundheit“, betonte Bürgermeister Christian Springfeld. „Wen so ein schweres Schicksal im deutschen Gesundheitssystem ereilt, das als eines der besten weltweit gilt, der wird einfach im Stich gelassen.“

Bereits im Mai will Ilka eine weitere Schleifen-Aktion in Hannover auf die Beine stellen. Sein ältester Sohn Simon ist mit 24 Jahren an ME/CFS erkrankt. „Es fing an mit einem Infekt, was danach kam, darauf waren wir, aber auch das Gesundheitssystem, nicht vorbereitet.“ In Springe hat er nun für sein Vorhaben zahlreiche Unterstützer gefunden, darunter auch Luca Deurer von den Jusos aus Springe. „Mich hat das Thema total berührt, wir werden das weiterverfolgen und einen Antrag stellen, das Vorhaben weiter zu unterstützen“, kündigte Deurer an. Ebenfalls unter den Gästen: Dezernentin Irene Kretschmer von der Landesschulbehörde. Sie wolle, so Ilka, auch die Aktion in Hannover unterstützen.

Hinter der Organisation steckt der gemeinnützige Verein „50 000 und 1 Stimme“ mit Ilka an der Spitze. Er sammelt Spenden, um eine Klinik für die Patienten in Deutschland zu bauen: „Wie schlimm ist es, dass gleichzeitig zahlreiche Krankenhäuser geschlossen werden und die Arztpraxen überlaufen sind?“



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