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„Markt-Frieden“: Keine Lösung in Sicht

Springe. Der Kompromiss-Vorschlag zum „Wochenmarkt-Frieden“ ist für Domenico Martino, Chef des Eiscafés auf dem Marktplatz, keine ernst zu nehmende Lösung. Seine Kunden würden kaum Verständnis dafür haben, wenn er freitags nur noch wenige Tische vor die Tür stelle. „Wenn die Sonne scheint, wollen die Springer draußen sitzen und einen Cappuccino trinken. Das belebt doch die Innenstadt.“

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Ordnungsamtsleiter Werner Mosch spricht von zunehmenden „Rangeleien“ zwischen Wochenmarkt-Beschickern und örtlichen Gastronomen. Freitags sei es auf dem Marktplatz viel zu eng. Der Hauptgrund dafür seien die Wirte, die trotz des Rummels ihre Außenterrassen öffnen. Laut bestehender Verträge müssten sie den Platz an Markttagen räumen.

Moschs Kompromiss-Vorschlag: Die Wirte sollen ab ihrer Hauswand einen Platz von 2,50 Metern belegen dürfen. „Ich lasse aber auch über mehr mit mir reden“, stellte Mosch gestern Mittag beim Ortstermin klar. „Wichtig ist, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden.“

Ist das Gerangel um vermeintlich zu wenig Platz auf dem Wochenmarkt berechtigt – oder wird mächtig übertrieben? Fakt ist: Wenn zwischen dem Stand für Käse und Wurstspezialitäten und dem Eiscafé zwei Menschen nebeneinander entlang gehen, ist der Weg dicht. Auch wenn jemand mit einem Rollator vorbeikommt oder sein Fahrrad schiebt, wird es eng. Immer wieder müssen die Besucher warten, bis der Weg frei ist.

Aus Sicht von Obsthändler Deurim Dumaz muss gehandelt werden. „Natürlich ist es zu eng, besonders bei gutem Wetter ist kein Durchkommen.“

Eine Dame, die sich gerade mit ihrem Rollator durch die Engstelle schiebt, kann die Aufregung indes nicht verstehen. „Wenn es sich staut, wartet man eben. Das war doch schon immer so und stört nicht.“ Für ihren Kommentar erntet sie lautstarke Zustimmung von mehreren Café-Besuchern.

Marktmeister Peter Eicke hat seine eigene Sicht der Dinge. Er werde derzeit am laufenden Band von Kunden angesprochen, die sich nur mit Mühe ihren Weg übers Pflaster bahnen können. „Die, die verzweifeln, sind vor allem ältere Herrschaften mit Rollatoren oder Rollstühlen. Aber auch Mütter mit Zwillingswagen.“ Er sei verpflichtet, eine drei Meter breite Feuerwehrzufahrt zu gewährleisten: „Das wird momentan schwierig…“

Das Problem gebe es in vielen Städten; jedes Frühjahr aufs Neue, wenn die beste Saison für die Wirte beginnt. Eicke sagt, er stehe mit den ortsansässigen Gastronomen im ständigen Kontakt. Einige seien sehr einsichtig, „andere halten sich leider nicht an die Regeln“.

Eiscafé-Betreiber Martino erinnert sich an ein Gespräch, das er vor zehn Jahren mit Bürgermeister Jörg-Roger Hische geführt habe. Damals habe er die Erlaubnis erhalten, bis zu drei Reihen Tische nach draußen zu stellen. „Bis dahin war es nur eine Reihe. Da mussten die Gäste Schlange stehen und auf einen freien Platz lauern.“ Über die neue Situation hätten sich weder Eicke noch Mosch mit ihm unterhalten: „Warum informiert uns keiner?“

Die 74-jährige Dagmar Beese, die im Eiscafé sitzt, verfolgt das Gespräch aufmerksam. Jeden Freitag kommt sie aus Lüdersen zum Springer Wochenmarkt, „weil ich einkaufen, aber auch ausgehen will“. Die Kaffeepause gehört zum festen Programm: „So machen das sicherlich viele Leute. Die Markthändler und die Gastronomen beleben sich gegenseitig. Das sollten alle bedenken: Sie profitieren voneinander.“mari/rtm



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