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Mahnmal für die Nachgeborenen

Eldagsen. Sie waren Hitlers letztes Aufgebot – jetzt bringt die Reservistenkameradschaft ihre Gräber auf Vordermann: 60 Jungen waren vorm Kriegsende in einem Wehrertüchtigungslager nahe Eldagsen einquartiert. Als die Westfront am 6. April 1945 näher rückte, mussten einige von ihnen kämpfen.

Reservistenkameradschaft Eldagsen

Eldagsen. Sie waren Hitlers letztes Aufgebot – jetzt bringt die Reservistenkameradschaft ihre Gräber auf Vordermann: 60 Jungen waren vorm Kriegsende in einem Wehrertüchtigungslager nahe Eldagsen einquartiert. Als die Westfront am 6. April 1945 näher rückte, mussten einige von ihnen kämpfen.

 

Gemeinsam mit jungen Offiziersanwärtern sollten sie den Sauparkeingang Holzmühle verteidigen. Zur Seite standen ihnen ein Ritterkreuzträger und ein Offizier. Die sollten sie zwar anleiten – aber die Zeit war knapp. Das Combat Command „A“ der 2. U.S-Panzer-Division rollte langsam aber sicher den Pass zwischen Osterwald und Saupark hinauf. Und die jungen Soldaten nutzten die Zeit, um ihre Schützengräben auszuheben. Zuerst mussten die Hitlerjungen die erfahrenen Soldaten nur mit Munition versorgen. Dauerhaft konnten sie sich aber wohl nicht aus den Kampfhandlungen heraushalten.

 

So beschreibt Heinz Meyer in seinem Buch „Der Zweite Weltkrieg zwischen Teutoburger Wald Weser und Leine“ die letzten Kriegstage in Eldagsen. Demnach waren anschließend 13 Soldaten vermisst, zehn Tote wurden gefunden.

 

Hans Kirchs Leichnam wurde entdeckt. Er stand kurz vor seinem 18. Geburtstag, als er starb. Beerdigt wurde er auf der Kriegsgräberstätte des Eldagser Friedhofs. „Wir haben mittlerweile sehr genaue Kenntnisse über die Schicksale vieler Toter“, sagt Dirk Merten, Chef der Reservistenkameradschaft Eldagsen. Seit Januar 1996 betreuen die Kameraden die Kriegsgräber auf dem Friedhof, bis vor einiger Zeit hatten sie auch das Mahnmal am Schauplatz der Kampfhandlungen an der Holzmühle gepflegt – aus Sicherheitsgründen wurden die Pflegemaßnahmen dort aber eingestellt: Das Mahnmal liegt direkt neben der viel befahrenen Landesstraße 422.

 

Umso wichtiger ist daher die Pflege der Gräber auf dem Friedhof. „Bevor wir da die Patenschaft übernommen hatten, war alles kniehoch zugewuchert mit Bodendeckern“, erinnert sich Merten. Mittlerweile haben die Rhododendren wieder eine beachtliche Höhe und Breite angenommen. Die Aufschriften einiger Gräber werden verdeckt. Das soll sich ändern. „Wir möchten das alles neu gestalten“, sagt Merten. Konkret sollen die Einfassungen der Beete erneuert, frischer Kies soll aufgebracht und die Bepflanzung verjüngt werden. „Wir hoffen auf rege Teilnahme“, sagt Schriftführer Albert Zimmermann.

 

Erneuert werden soll auch gleich die Grablage für zwei unbekannte russische Soldaten, die in den Jahren 1939 und 1945 in Eldagsen ums Leben gekommen sind. Woher sie kamen und wie sie ums Leben gekommen sind, ist heute unbekannt.

 

Die Fahnenjunker der Wehrmacht wurden am Saupark laut Zeitzeugenberichten übrigens erschossen, obwohl sie sich der amerikanischen Übermacht bereits ergeben hatten. Für Merten spielt das keine große Rolle. „Wichtig ist mir, dass wir das Gedenken an die Toten in Ehren halten.“ Sie erinnere die Generation, die niemals einen Krieg erlebt hat, daran, wie schrecklich Kriege sind. (rtm)



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