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31-Jähriger gesteht: „Wenn ich die Dateien hatte, war ich glücklich“ / Sucht nach Sexfilmen

LKA stellt in Springe Kinderpornos sicher

Springe (ric). In seiner Kellerwohnung im Haus der Eltern hat ein 31-jähriger Springer Hunderttausende Dateien aus dem Internet gezogen – Beamte des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen kamen dem Mann auf die Spur: Sie fanden 631 Bilder und 23 Videos mit kinderpornografischen Inhalten.

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21. Juli 2010, 6 Uhr morgens: Zwei bewaffnete Kriminalbeamte tauchen am Haus der Eltern auf. Schnell wird klar: Diese ahnen nichts von dem, was ihr erwachsener Sohn treibt. Dass er süchtig nach Sexfilmen und -bildern ist. Dass sich sein Leben als Messie zwischen Müll und Kartons in einem kleinen Zimmer abspielt, und dass er das virtuelle Leben mehr und mehr der Realität vorzieht. Und dass er nicht davor zurückschreckt, auch eindeutige Abbildungen und Filme von Minderjährigen massenhaft zu horten.

Gestern saß der 31-Jährige auf der Anklagebank im Springer Amtsgericht: ein korpulenter Mann mit sich lichtendem Haar, der sich gut ausdrücken kann und glaubhaft endlich reinen Tisch mit seiner unrühmlichen Vergangenheit machen will. Die Sucht nach Pornos sei entstanden, als er vor einigen Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe, gibt er zu Protokoll. „Ich habe mich darin verloren, Freunde und Familie vernachlässigt“, sagt er. Zehn bis zwölf Stunden täglich surfte der Springer im Netz, immer auf der Suche nach für ihn reizvollen Inhalten. „Wenn ich die Dateien hatte, war ich glücklich.“ Das Nachdenken habe erst eingesetzt, als die Kripo den Rechner samt externer Festplatten einkassierte. Er sei froh, dass er erwischt wurde, versichert er.

Der Junggeselle installierte ein Programm, ein Netzwerk, mit dem sich Benutzer in aller Welt gegenseitig Daten zuspielen können. Anfänglich habe er die heruntergeladenen Sachen auch angeschaut, irgendwann, als 300 Gigabyte Daten angesammelt waren, gar keine Zeit mehr dafür gehabt. „Doch es war mir bewusst, dass kinderpornografische Inhalte dabei waren.“ Die habe er gesammelt, weil es „schwierig war, sie zu kriegen, weil sie beispielsweise mit Buchstaben-Kombinationen getarnt sind“.

Richterin Pamela Ziehn sagte, es sei schmerzhaft für sie gewesen, sich die Beweisstücke in den Akten ansehen zu müssen, zumal sogar Kleinkinder und Babys in die Produktionen einbezogen worden seien. „Um solche Fotos zu erstellen, wird viel Leid über Kinder gebracht.“ Letztlich sei es auch nicht relevant, ob sich der Angeklagte die Inhalte angesehen habe oder verbreiten wollte. Allein sie zu erwerben, zu besitzen und öffentlich zugänglich zu machen sei ein schwerer Straftatbestand. „Menschen wie Sie sorgen dafür, dass Kinder für solche schrecklich verletzenden Dinge herhalten müssen“, ergänzte die Staatsanwältin.

Verurteilt wurde der bislang juristisch unauffällige Springer am Ende zu neun Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. PC und Festplatten werden vernichtet. Die Richterin verurteilte den geringfügig Beschäftigten über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus zu einer Geldauflage: 1000 Euro zugunsten der Kindernothilfe.



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