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Voll im Kräuterrausch: Fall zweier Springer Schüler macht bundesweit Schlagzeilen

LKA ermittelt gegen Anbieter von „Lava Red“

Springe (ric/dpa). Der Fall aus Springe sorgt bundesweit für Aufsehen: Zwei Jugendliche (15 und 16 Jahre alt) sind nach dem Konsum der Kräutermischung „Lava Red“ mit heftigen Kreislaufstörungen zusammengebrochen. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) Hannover gegen den Anbieter der Ware.


Wie berichtet, hatten die Schüler die als „Räucherware zum Meditieren“ angebotene Substanz in der vergangenen Woche vor dem Unterricht in Pattensen geraucht und waren dann mit schwerwiegenden Ausfallerscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein ähnlicher Fall ereignete sich nach Medienberichten in Wolfsburg, dort wurde einem Zwölfjährigen die Droge verkauft.

Polizei, Ärzte und Psychologen warnen vor der Substanz – nach Ansicht von Experten ist die neue Droge sogar lebensgefährlich. Neben Erbrechen und Kreislaufstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kann das Mittel auch lebensgefährliche Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Wahrnehmungsveränderungen und Panikattacken hervorrufen. Das sagt unter anderem der Leiter der Suchtklinik „Teen Spirit Island“ im Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover, Christoph Möller. Das Problem: So wie das inzwischen verbotene „Spice“ kommt das Mittel harmlos daher. Es ist sogar legal zu erwerben, für etwa zehn Euro pro Gramm. „Lava Red“ besteht aus getrockneten pflanzlichen Stoffen, die mit dem künstlichen Cannabinoiden besprüht werden.

Beatrix Friedrich-Werner, zuständige Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bei der Springer Diakonie, warnt vor dem Konsum der Substanz. „Keiner weiß, was da drin ist.“ Sie hat festgestellt: Jugendliche ignorieren mögliche Gefahren aufgrund von Neugierde und Gruppenzwangs.

„Es ist ein bundesweites Phänomen, dass immer mehr Kräutermischungen angeboten werden, die einen Rausch auslösen“, berichtet Frank Federau vom niedersächsischen Landeskriminalamt. „Alle beinhalten synthetische Cannabinoide, die gefährlich sind. Ist ein solcher Baustein entdeckt und wird verboten, ändert der Hersteller einen Baustein in der chemischen Zusammensetzung und bietet den Stoff unter anderem Namen an.“

Nach dem Vorfall in der vergangenen Woche in Pattensen sind die Springer Schulleiter sensibilisiert. Sie setzen auf enge Zusammenarbeit mit der Polizei. Denn: Oft wissen Lehrer gar nicht, was ihre Schüler zu sich nehmen. „Bei uns sind noch keine Fälle bekannt“, sagt Carl-Clemens Andresen. Am Otto-Hahn-Gymnasium setze man – wie in den anderen Springer Schulen auch – auf ein umfassendes Präventionskonzept.

In der Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist das Problem bekannt, sagte gestern eine Mitarbeiterin auf NDZ-Anfrage. Sie räumte ein, dass Anbieter dieser Substanzen „gewisse gesetzliche Übergangsphasen“ ausnutzen würden, denn: Die Hersteller profitieren davon, dass Substanzen nur dann verboten sind, wenn sie identifiziert, als schädlich eingestuft und in die entsprechenden Anlagen zum Betäubungsmittelgesetz aufgenommen worden sind. Ist ein synthetisches Cannabinoid erkannt und verboten, kann die chemische Formel leicht verändert und der somit legale Wirkstoff einer neu benannten Kräutermischung zugesetzt werden. Auch die Jugendlichen fühlen sich sicher, weil „Lava Red“ noch nicht verboten ist und der Gebrauch schwer nachgewiesen werden kann – in Internetforen wird das Thema diskutiert. Die Gefahren spielen dabei allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Der Beschluss, welche Stoffe in die Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen werden, liegt bei der Bundesregierung. Sie fällt ihre Entscheidung aufgrund der Einschätzung eines Sachverständigenausschusses für Betäubungsmittel sowie des Bundeskriminalamtes, der Bundesopiumstelle und des Bundesministeriums für Gesundheit. Die nächsten Veränderungen im Betäubungsmittelrecht werden Ende Januar in Kraft treten.



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