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Wie ein Witwer den Verlust seiner Frau verarbeitet

Liebe über den Tod hinaus

Springe. Es war diese eine Geschichte, die Entstehung des Taj Mahal, die Winfried Weber so beeindruckt hat: Der indische Großmogul Shah Jahan ließ die weltbekannte Grabstätte in Agra für seine Frau Mumtaz Mahal errichten, die für ihre Schönheit, Grazie und Güte bekannt war. Als seine Gefährtin reiste sie mit ihm durchs ganze Mogulreich. Ein Leben, das von starkem gegenseitigen Vertrauen geprägt war. Als sie ihm das 14. Kind zur Welt bringen wollte, starb sie – und er setzte ihr ein Denkmal.

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Autor:

Markus Richter

328 Jahre später hat auch Winfried Weber erfahren, wie unfassbar es ist, die Liebe des Lebens zu verlieren. Als seine Frau Marlies im vergangenen Jahr unvermittelt nach einer Routineoperation starb, fiel der Springer in ein tiefes Loch. „Diese Leere – das ist so schwer zu realisieren.“

Trotz der Endgültigkeit des Verlusts seiner Frau hat der 70-Jährige den Mut wiedergefunden. Ein Jahr nach dem einschneidenden Ereignis will der Witwer seiner Marlies ein Zeichen setzten. „Es gibt keine Umarmungen, keinen warmen Händedruck mehr.“ Doch was bleiben soll, sind die Erinnerungen an fast 50 gemeinsame Jahre.

Und so ließ Weber seiner Frau einen ganz besonderen Grabstein schaffen. Auf die spontane Idee brachte ihn der Springer Steinmetz Uwe Gassl. Er hatte in seinem Betrieb zufällig einen Stein aus Indien vorrätig. „Die Erinnerungen an unsere Reisen tauchten wie bei einem Wandgemälde auf“, sagt Weber.

Und so machte sich Gassl an die Arbeit. „Obwohl ich so etwas in dieser Form noch nicht gemacht habe.“ Fast drei Wochen lang schliff und feilte der Handwerksmeister, bis der Grabstein jenes Unikat wurde, das der Kunde wünschte: Auf der Vorderseite zeigt es den indischen Tempel, auf der Rückseite mehrere Gebäude, die symbolisch für die Weltreisen des Ehepaars Weber stehen. „Die Gravuren sind hervorragend“, schwärmt Weber, der den Stein bei einer Gedenkfeier am Donnerstag im Beisein von Freunden und Verwandten enthüllen will.

Oft gleich mehrere Wochen lang brach das Springer Ehepaar damals zu seinen Expeditionen auf, nicht als Pauschaltouristen, sondern meist auf eigene Faust. Sie durchstanden gemeinsam die Hitze der Wüste, den Outback Australiens und das Klima der Tropen, lernten die Entbehrungen Afrikas und die reiche Kultur Europas kennen.

Und so sind auf der Rückseite filigrane Gravuren handgearbeitet: das Brandenburger Tor, die Chinesische Mauer, der Tafelberg in Kapstadt oder eine mexikanische Pyramide. „Wir haben alle Reisen gut überstanden – die Abenteuer haben uns zusammengeschweißt“, sagt Weber. Seine Frau sei stets die gute Seele an seiner Seite gewesen. Und immer wieder kommt ihm die Symbolik des Taj Mahal in den Sinn: „Es ist ein Grabmal der Liebe, und nicht der Traurigkeit.“

„Das war unser Weg“, steht auf der Rückseite des Steins eingemeißelt. Eines Tages will sich Winfried Weber neben seiner Frau begraben lassen. Doch bis dahin bleibt ihm noch Zeit, die Welt zu entdecken. „Wir waren noch nicht am Ende unserer Reise.“



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