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Comet-Inhaber gibt auf / Handelsriese Rewe will Geschäft am Nordwall offenbar weiterführen

Letzter Innenstadt-Markt seit gestern dicht

Springe (mf). Immer wieder das gleiche Bild: Die automatische Schiebetür öffnet sich, doch dahinter bleiben die Kunden wie angewurzelt stehen und blicken irritiert ins Dunkle. Der Comet-Markt am Nordwall – seit gestern ist auch der letzte Nahversorger in der Springer Innenstadt geschlossen. Wie es dort weitergeht, steht in den Sternen.

Kunden, die den Comet gestern betraten, standen plötzlich im Dunkeln. Ohne jede Vorankündigung hat der Betreiber sein Geschäft g

Ohne Vorankündigung hat Inhaber Carsten Diedrichs den von ihm seit drei Jahren betriebenen Supermarkt dicht gemacht. Selbst die Verkäuferin der Backstube im Eingangsbereich wurde am Morgen beim Öffnen von der Entwicklung überrascht. Auf einer handbeschriebenen Tafel am Eingang verabschiedet sich Diedrichs von seinen Kunden und weist lapidar darauf hin, den Markt verkauft zu haben. Draußen an der Schiebetür hängt unterdessen noch ein Zettel mit den Öffnungszeiten für die bevorstehenden Feiertage. Zwei ältere Frauen stehen ratlos davor.

Auf Anfrage gibt sich der bisherige Inhaber zugeknöpft. An wen er verkauft hat, will er nicht verraten. Wann der Verkauf weitergeht? „Weiß ich nicht, kann ich nicht sagen“, erklärt Diedrichs knapp. Er selbst sei nur noch vor Ort, um Inventur zu machen.

Vor gut einer Woche hat der Gestorfer bereits sein kleines Filialgeschäft an der Steinhauerstraße in Völksen geschlossen. An beiden Standorten sind zusammen 14 Mitarbeiter betroffen. Wie es mit ihnen weitergeht, vermag Diedrichs ebenfalls nicht zu sagen. Mit Blick auf die Mitarbeiter des Marktes in der Kernstadt gehe er aber davon aus, dass sie vom Nachfolger übernommen werden.

Gegenüber Dritten hat der 43-Jährige nach Informationen der Neuen Deister-Zeitung verlauten lassen, an die Rewe Markt GmbH verkauft zu haben. Nach der Übernahme des früheren Extra-Marktes ist der Kölner Konzern auch in den Mietvertrag am Nordwall eingestiegen. Erst Mitte dieses Jahres soll er um weitere fünf Jahre verlängert worden sein. Diedrichs ist hingegen nur Untermieter. Bei Rewe selbst konnte der Sachverhalt auf Anfrage bis zum Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

Seine Aufgabe habe keine wirtschaftlichen Gründe, beteuert Diedrichs. Er wolle sich künftig außerhalb Springes unternehmerisch betätigen. Gleichzeitig übt der Gestorfer aber doch scharfe Kritik an der Stadtverwaltung, bezeichnet sie sogar als „Katastrophe“. Unterstützung habe er von dort nie bekommen, „das kann man komplett vergessen“, so Diedrichs wörtlich. Als ein Beispiel nennt er die seines Erachtens nicht funktionierende Schneeräumung auf dem Parkdeck vor dem Markt. Darüber hinaus seien Politik und Verwaltung dafür verantwortlich, dass in der Innenstadt immer weniger los ist.

Nicht nur Kunden hoffen nun auf eine schnelle Wiederbelebung des Supermarktes. Auch Bäckereichef Kai Oppenborn, der eine Filiale im Comet betreibt, hängt in der Luft. „Das ist total unglücklich gelaufen.“ Er befürchtet nicht unerhebliche Umsatzeinbußen ausgerechnet beim Feiertagsgeschäft, will seinen Laden aber uneingeschränkt weiter geöffnet halten.

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