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Lernen in den Sommerferien?: Lehrer Kay Spiller sagt „Ja“

SPRINGE. Büffeln statt Baden? Immer mehr Schüler lernen in den Ferien zu Hause. Sie sitzen über ihren Schulbüchern und lernen den Stoff nach, den sie während des Schuljahres verpasst oder den sie (oder ihre Eltern) glauben, versäumt zu haben.

In den Schulen in Springe herrscht in der Ferienzeit Ruhe; gelernt wird hier nicht. Nichtsdestotrotz nutzen viele Schüler die freie Zeit, um sich auf das kommende Schuljahr vorzubereiten.
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Einer Umfrage des Forschungsinstitut Forsa zufolge lernen mittlerweile rund 60 Prozent aller deutschen Schüler in den Ferien.

Die NDZ hat mit Kay Spiller über die Entwicklung gesprochen. Er ist didaktischer Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Springe.

Herr Spiller, wie bewerten Sie das Ergebnis der Umfrage?
Generell finde ich es gut, wenn Kinder die Ferienzeit nutzen, um Inhalte zu wiederholen oder zu üben. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Kay Spiller

Unter welchen Voraussetzungen?
Die erste Hälfte der Ferien sollten Kinder dazu nutzen, erst einmal den Leistungsdruck abzulegen und frei im Kopf zu werden. Sie brauchen eine Phase nur für sich, in der sie machen können, was sie wollen und worauf sie Lust haben, ohne an Schule denken oder gar ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Am Ende ist es eine individuelle Entscheidung, ob das Kind in den Ferien lernt oder nicht. Wichtig ist, dass Lernen nicht das Hauptthema in der Familie ist und den Alltag belastet. Gerade in den Ferienwochen sollten sich alle mal vom anstrengenden Schulalltag erholen und Batterien aufladen können. Dennoch halte ich es für sinnvoll, dass Kinder auch in den Ferien lernen. Aber dann bitte das Richtige.

Das Richtige?
Nicht nach dem Gießkannenprinzip. Nicht irgendwas lernen. Kinder sollten miteinbezogen werden und sie sollten sich selber Ziele setzen. Solche Lernziele können gerne auch vorab mit den Lehrern abgesprochen werden. Die Möglichkeit gibt es beispielsweise an der IGS im Rahmen des Lernentwicklungsgesprächs direkt vor den Ferien. Dabei schauen Lehrer und Schüler gemeinsam, wo noch Baustellen sind. Bei konkreten Inhalten, die beim Kind nicht so gut sitzen – und die eine wichtige Grundlage für kommende Klassen sind – macht es durchaus Sinn, das nachzuholen.

Wichtig ist aber, dass die Eltern dabei keinen unnötigen Druck ausüben. Sie sollten keine Kontrollfunktion innehaben und keinen Lehrplan mit ihren Sprösslingen abarbeiten. Es funktioniert nicht, wenn Eltern ihre Kinder jeden Tag zur gleichen Zeit an den Schreibtisch setzen und sie irgendwas lernen lassen. Außerdem: Lernen bedeutet nicht, sich Wissen ausschließlich durch das Schulbuch anzueignen.

Sondern?
Wenn Familien in den Ferien im Urlaub sind, besteht die Möglichkeit, dass das Kind beispielsweise mal die Brötchen auf englisch oder französisch ordert – je nach Urlaubsland. Generell ist eine Sprachreise auch immer eine gute Möglichkeit oder ganz simpel: Ein gemeinsamer Besuch im Zoo.

Welche Rolle spielt das Alter der Kinder? Sollten schon Grundschüler Stoff wiederholen?
Warum nicht? Dann ist die kindliche Neugierde doch noch besonders hoch. Außerdem kennt das jeder: Wer sechs Wochen nichts macht, dem fällt es hinterher schwer, wieder voll einzusteigen. Wichtig ist nur gerade bei jüngeren Schülern, dass auf spielerische Art Lehrinhalte wiederholt werden. Eben so, dass es ihnen Spaß macht und nicht in Druck oder Stress ausartet. Dafür gibt es zahlreiche kindgerechte Lernprogramme.

Den älteren Schülern geben wir beispielsweise eine Liste mit Lern-Apps an die Hand, die wir als Pädagogen empfehlen.



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