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Vor 150 Jahren kämpfte der Urgroßvater des Alferders Friedrich Heuer in der Schlacht von Langensalza

Langensalza-Schlacht: Ein Urenkel erinnert sich

Niemand macht Geschichte allein – weder Kanzler, Kaiser noch Könige: Wenn sich eine Lehre aus der Vergangenheit ziehen lässt, dann die, dass auch der größte Herrscher angewiesen ist auf jene, die seine Befehle ausführen, notfalls bis zum letzten Mann.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Friedrich Heuer war 22 Jahre jung, als er vor 150 Jahren für Georg V, den König von Hannover, ins Gefecht zog. Von Einzelheiten der Schlacht von Langensalza kann sein Urenkel, Friedrich Heuer aus Alferde, nicht berichten. Darüber haben sein Großvater und auch sein Vater nicht gesprochen. Aber über den Urgroßvater redeten sie sehr oft. „Sie hatten sehr viel Respekt vor dem, was er geleistet hatte.“

Friedrich Heuer war, wie sein Ururgroßvater, Tischler auf der Marienburg. Der Ahne verlor den Job, als das Anwesen im Zuge des Deutschen Krieges leer stand. Tischler wurden nicht mehr gebraucht. Sondern Soldaten. Die Allgemeine Wehrpflicht wurde in der Verfassung des Königreichs Hannover von 1833 festgeschrieben. Drücken konnte sich niemand davor. Dann kam der Krieg.

„Es wurde in der Familie so viel darüber erzählt, dass doch einiges hängen blieb“, sagt der Urenkel, der heute 63 Jahre alt ist, über seinen gleichnamigen Urgroßvater. In der Hand hält er einen Orden, der seinem Vorfahren verliehen wurde – nach der Schlacht. „Damals waren ja alle in der Familie heilfroh, dass er überhaupt zurückgekommen ist, es gab ja so viele, die nicht heimgekehrt sind“, sagt Heuer.

Die Zahl der Opfer der Auseinandersetzung wird heute auf 379 Mann geschätzt – auf der Seite des Königreichs Hannover. 196 Tote hatte Preußen zu beklagen. Wenig im Vergleich zu den Kriegen des heraufziehenden 20 Jahrhunderts. Viel, wenn man bedenkt, dass jeder Tote das Ende einer individuellen Geschichte ist.

Heuers Geschichte endete nicht mit Langensalza. Ebenso wenig wie seine Treue zum Welfenhaus, dessen Macht in Hannover mit dem Phyrrussieg gebrochen war. „Es wird überliefert, dass er mit zwei Kameraden aus Wülfingen nach Gmunden am Mondsee gefahren ist, um Königin Marie zu bitten, sich ihrer Untertanen anzunehmen.“ Sie berichteten, dass seit dem Rückzug der Welfen „unerträgliche Zustände im Königreich Hannover“ herrschten. Die ehemalige Herrscherin soll aber kein Gehör für das Anliegen der Springer gehabt haben: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, war ihre profane Antwort auf das Anliegen der königstreuen Gäste vom Deister.

Ihre Antwort sollte sich aber bewahrheiten: Aus „Heil Dir Hannover“ wurde das Preußenlied. Fünf Jahre nach der Schlacht von Langensalza führte Heuer der Weg in die Schützengräben des Deutsch-Französischen Krieges. Gekämpft wurde diesmal für Preußens Gloria und die Einheit des Deutschen Reiches. Auf preußischer Seite kamen 44 781 Männer ums Leben, 138 871 Franzosen, Erbfeinde, blieben in den Schützengräben. Viele weitere Hunderttausende sollten an der französischen Grenze infolge des Ersten und Zweiten Weltkriegs folgen.

Heuer überlebte auch dieses Massensterben. Und erhielt drei Medaillen. Eine vom König von Hannover für die Schlacht von Langensalza, eine vom König von Preußen für den Deutsch-Französischen-Krieg und eine Plakette zum Andenken an den hundertsten Geburtstag des deutschen Kaisers Wilhelm I. Wenn Nachfahre Heuer die alten Orden in die Hand nimmt, und damit ein Stück deutsche Geschichte, vom Kleinstaatenbund zum Kaiserreich, dann wird ihm bewusst, wie außergewöhnlich die letzen 70 Jahre waren. Historisch ist eine solch lange Friedensphase beispiellos. „Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir alle dafür sorgen, dass der Frieden erhalten bleibt“, sagt der Alferder.

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