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Sepa-Umstellung: Grenzenloses Europa bereitet Vereinen am Deister Kopfzerbrechen

Kummer mit der Nummer

Springe. Sie züchten Tauben, spielen Instrumente, bringen Kindern das Schwimmen bei – und jetzt müssen sie auch noch richtig viel Büroarbeit leisten: Die Umstellung auf das neue Lastschriftverfahren Sepa bedeutet für hunderte Vereine in Springe einen immensen bürokratischen Aufwand. Wer nicht mitzieht, bekommt Probleme.

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Autor:

Markus Richter

Die Deutsche Bundesbank warnt davor, das Thema auf die lange Bank zu schieben: „Sonst fließen schlagartig keine Beiträge mehr in die Vereinskasse, was eine Kettenreaktion auslösen kann“, sagt Fachmann Hartmut Arendt von der Hauptverwaltung in Hannover im Gespräch mit der NDZ. Sepa (Single Euro Payments Area) klingt kompliziert. Und ist es auch. Arendt rät daher jedem Kassenwart, zunächst das Gespräch mit der Hausbank zu suchen – und zwar rechtzeitig, bevor am 1. Februar das bisherige Einzugsverfahren ungültig wird. 80 Prozent aller eingetragenen Klubs haben noch keine Vorbereitungen auf das europäisch einheitliche System getroffen.

„Wahnsinnig aufwendig“, findet Susanne Heitmann die Sache mit Sepa. Die ehrenamtliche Chefin des Leitungsteams der hiesigen Rheuma-Liga sieht eine Mammutaufgabe auf sich zukommen: Immerhin hat die Arbeitsgemeinschaft fast 2000 Mitglieder. Und für jedes müssen die Daten einzeln abgeglichen werden, ein jeder muss sein Einverständnis geben. Schon die Kosten für das Porto seien ärgerlich, findet Gerhard Schäfer, Kassenwart der Springer Musikschule. 350 Mitglieder werden Post von ihm bekommen. Immerhin: „Wir haben eine neue Software, die technischen Voraussetzungen sind also da.“ Schäfer glaubt zwar, dass „am Ende alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird“, findet aber allein die 22 Stellen lange Kontodatennummer, die IBAN, „menschenfeindlich“: Da seien eben Technokraten am Werk gewesen.

Der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt hat sich bislang nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt – wird es aber noch tun, sagt Rita Fuge. „Wir haben demnächst einen Experten von der Awo in Hannover bei uns“, sagt Fuge. Dann würden die Mitglieder darüber informiert, was sie erwartet. „Das Leben ist schon schwer genug“, findet André Peuker, Vorsitzender des Roten Kreuzes in Springe. Da der Ortsverein selbstständig ist, kann er auf wenig Hilfe vom Landesverband hoffen. Dabei sei das Ehrenamt auch so bereits sehr zeitraubend. Den hohen Aufwand beklagt auch Karin Bertram. In der Geschäftsstelle des Springer Turn- und Gymnastikvereins (TGV) verwaltet sie die Daten von 500 Sportlern. „Wir haben uns Gott sei Dank zeitig damit befasst.“ Bertram nahm an zwei Schulungen teil, entwickelte mit den Vorstandskollegen einen Serienbrief, den alle Klubkameraden erhalten haben. Trotz allem musste der TGV erstmal ein neues Programm kaufen und weitere technische Probleme lösen. „Wir haben ganz viele Stunden Arbeit investiert.“ Dass dies überhaupt nötig ist, dafür hat die Springerin kein Verständnis. Man habe in Deutschland ein gut funktionierendes Zahlungssystem gehabt, jetzt müsse man sich „lang machen. Andere Kollegen raufen sich deshalb die Haare.“

Als einer der wenigen großen Klubs im Stadtgebiet hat der Wassersportverein (WSV) Bennigsen die Umstellung bereits abgehakt. Zum Juli seien die Beiträge der 750 Mitglieder erstmals per Sepa abgezogen worden. „Das hat geklappt, auch wenn es einige Anstrengungen gekostet hat“, sagt Vorsitzender Peter Paasch. Sowohl TGV als auch WSV bekamen Hilfe vom Landessportbund.



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