weather-image

Kritik an der geforderten Verschärfung des Waffenrechtes

Die Terroranschläge in Paris, Brüssel oder Nizza haben Europa erschüttert. Eine Konsequenz: Die EU-Innenminister wollen das Waffenrecht verschärfen und fordern strengere Kontrollen und mehr Auflagen – auch für Schützenvereine und Jäger.

270_0900_6323_DSC_4987.jpg

Autor:

von saskia helmbrecht

Die Terroranschläge in Paris, Brüssel oder Nizza haben Europa erschüttert. Eine Konsequenz: Die EU-Innenminister wollen das Waffenrecht verschärfen und fordern strengere Kontrollen und mehr Auflagen – auch für Schützenvereine und Jäger. Sie sollen alle fünf Jahre ihre Erlaubnis erneuern lassen. „Man will den Sport kaputt machen“, sagt Heinrich Schwarze, Vorsitzender der Schützengilde Springe.

Die Bürokratie in den Vereinen habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sollte die Erlaubnis in regelmäßigen Abständen erneuert werden müssen, würde das noch mehr Anträge und Formulare mit sich bringen, so Schwarze. „Wenn wir so beschnitten werden in unserer Arbeit, macht das keinen Spaß mehr.“ Es gebe bereits zahlreiche Sicherheitsvorschriften, die die Schützen befolgen müssten.

Für den aktuellen Umbau des KK-Standes und des Pistolen-Standes investieren die Mitglieder 15 000 Euro – als Sicherheitsmaßnahme. Schwarze: „Wir sind über die Entscheidung der EU nicht glücklich.“

Keine Einschränkungen durch eine Verschärfung des europäischen Waffenrechts sieht Volker Gniesmer, Vorsitzender der Jägerschaft Springe. „In Deutschland herrscht bereits das schärfste Waffenrecht innerhalb der EU“, so die Einschätzung von Gniesmer. Er sei aber dagegen, die Waffenbesitzkarte zeitlich zu begrenzen. „Das gibt es beim Führerschein auch nicht.“

Dass die Kontrollen derzeit ausreichen, sagt auch Wilfried Mundt, Vorsitzender des Kreisschützenverbandes „Deister-Süntel-Calenberg“. Er sieht die Vereinsvorsitzenden in der Verantwortung, ein Auge auf Mitglieder zu haben und auf sie zu achten. „Das haben die Schützenvereine selbst gut unter Kontrolle“, meint Mundt. Noch mehr Bürokratie sei aus seiner Sicht kaum sinnvoll.

Bereits bei der Prüfung zum Jagdschein werde der Jungjäger genau durchleuchtet – und das polizeiliche Führungszeugnis abgefragt. Die Waffen der Jäger seien alle registriert. Udo Helms vom Fachdienst Ordnung steht der Verschärfung eher kritisch gegenüber. „Es könnte ein hoher bürokratischer Aufwand auf die Verwaltung zukommen“, fürchtet er. Sollte der EU-Antrag vom Europaparlament abgesegnet werden, bräuchte der Fachdienst mehr Personal.

„Sinnvoller wäre eine Kontrolle. Eine zusätzliche Kraft, die Waffenbesitzer aufsucht und zum Beispiel die Aufbewahrung der Waffen kontrolliert“, sagt Helms. Das hätte auch eine erzieherische Wirkung und würde ausreichen. Noch mehr Bürokratie sei „Quatsch“. Vielmehr sollte das bereits vorhandene Gesetz richtig ausgeführt werden.

Sinnvoll wäre aus seiner Sicht auch eine Begrenzung des Waffenkontingentes. „Je mehr Waffen ein Besitzer hat, desto mehr wird geschludert. Zehn bis 15 Waffen sind mehr als ausreichend, natürlich kann es auch Ausnahmefälle geben“, so Helms.

Ebenfalls immer mal wieder in der Diskussion: ein ärztliches Gutachten, das aussagt, ob ein Bürger zum Waffenbesitz geeignet ist. Dass eine persönliche Eignung vom Fachmann überprüft werden muss, steht bereits in den Vorschriften. Jetzt müsste das Gesetz aber auch mit Leben gefüllt werden, sagt Helms. „Darüber könnte man mal nachdenken. Ich bemängele eher die fehlende Praxis. Mit mehr Bürokratie ist es nicht getan“, so Helms. Generell gehe auch keine große Gefährdung vom legalen Waffenbesitzer aus, denn die seien immer greifbar. „Man muss versuchen, den illegalen Waffenbesitzer zu bekommen.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt