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Komplett neu gebaut: Taternpfahl kommt zurück in den Deister

SPRINGE. Der Taternpfahl kommt zurück: Die historische Wegemarke im Deister soll am Freitag, 28. September, wieder aufgestellt werden.

Der Taternpfahl im Deister - hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2004. Foto: Gallas/Stadt Springe

Der Taternpfahl als Denkmal wurde nach Angaben der Stadt in der derzeitigen Form in den 1960er Jahren angefertigt und in den 1990er Jahren gründlich renoviert. „Aber nun gab es keine Möglichkeit mehr zur Reparatur“ , erklärt Sprecherin Sina Riedel in einer Mitteilung. Das Holz sei faul geworden und aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde der Taternpfahl schon vor zweieinhalb Jahren abgebaut und ein Neubau veranlasst. Aufgrund technischer und denkmalschutzrechtlicher Anforderungen habe sich die Arbeit etwas in die Länge gezogen. Aber nun wurde das Taternpfahl-Schild von einem Springer Handwerksbetrieb neu gefräst. Die massive Eiche für das Schild und den Pfahl stammt aus dem Stadtforst Springe. Diese Holzart ist wegen ihrer natürlichen Witterungsbeständigkeit beliebt. „Immerhin hat das alte, ebenfalls aus Eiche hergestellte Schild über 50 Jahre gehalten“, so Riedel. Den Farbanstrich hat ein Springer Malermeister übernommen. Der Pfahl wurde von Mitarbeitern des Stadtforsts Springe aufgestellt.

Der Taternpfahl hat heute keine direkte Bedeutung mehr. Vielmehr ist er eine historische Landmarke, die dokumentiert, wie damals mit den reisenden Sinti und Roma umgegangen wurde. In früheren Zeiten führte der Weg direkt über die (noch heute „Hannoverscher Weg“ genannte) Strecke durch den Wald und über den Geländesattel zwischen Bielstein und Calenberg. Dies erklärt den damaligen Aufstellungsort mitten im Wald. Auf einem Zusatzschild ist erklärt: „ Nach alter Überlieferung erstmals aufgestellt um 1635 durch Herzog Georg-Wilhelm von Celle-Lüneburg. Grenze zwischen dem früheren Amte Wennigsen und der Stadt Springe. Die „Tatern“ (heutiger Sprachgebrauch: Sinti und Roma) mussten, wenn sie über die Grenze von Wennigsen kamen, hier drei Tage bleiben, ehe sie, von einem reitenden Jäger begleitet, nach Springe durften, um dort auf dem „Tivoli“ zu campieren und sich durch Kesselflicken und Wahrsagen Geld zu verdienen. Nach drei Tagen mussten sie die Stadt verlassen und wurden durch den Stadtbüttel bei Hilligsfeld an die „Hämelschen“ weitergereicht.“

Der Taternpfahl ist überregional bekannt und bei Wanderern, Fahrradfahrern und Naturliebhabern auch wegen der daneben aufgestellten Schutzhütte als Ziel sehr beliebt. „Ich freue mich, dass wir mit dem Taternpfahl eine prominente historische Wegmarke erhalten konnten.“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld und ergänzt: „Gleichzeitig ist der Taternpfahl aber auch ein erschreckend aktuelles Mahnmal gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Liest man die historischen Dokumente genauer, wird klar, dass sich manche politische Strömungen noch immer an ähnlichen Vorurteilen abarbeiten, die bereits vor knapp 400 Jahren die Gesellschaft ohne Not spalteten.“

Die Stadt Springe bekenne sich zu ihrer Verantwortung für dieses historische Zeichen. Im Zuge der Neuaufstellung wurden ein Tisch und zwei Bänke erneuert und die Taternpfahl-Schutzhütte wurde renoviert. Zudem wurde das Schild mit dem Hinweistext neu angefertigt. Die Durchführung der teils kostspieligen Arbeiten wurde laut Stadt durch private Spenden erheblich erleichtert.



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