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Klostergarten in Wülfinghausen als Wissensvermittler

WÜLFINGHAUSEN. Steinkauze und Siebenschläfer lieben sie: Streuobstwiesen, egal zu welcher Zeit, denn es ist ihr Lebensraum. In Niedersachsen allerdings sind Streuobstwiesenflächen seit 1950 rapide zusammengeschrumpft.

Die etwa einhundert, teilweise alten und stattlichen Obstbäumen des Klosters Wülfingen sollen mehr als sonst gehegt und gepflegt werden.
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

80 Prozent aller Flächen wurden gerodet, informiert der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Umso eher sind Bestände wie der des Klosters Wülfinghausen ein Schatz aus Sicht von Naturschützern und Obstgourmets. Im gerade gestarteten Modellprojekt „Schatztruhe kulturhistorische Gärten“, das noch bis 2018 läuft, kommt den etwa einhundert, teilweise alten und stattlichen Obstbäumen des Klosters eine besondere Rolle zu. Mehr als sonst sollen sie gehegt und gepflegt, beobachtet und ihre Früchte öffentlichkeitswirksam verkostet werden.

Das Ziel: Mehr Menschen für den Erhalt und die Pflege solcher Lebensräume und Geschmacksbotschafter zu begeistern. Aus Sicht von Gärtnermeister Stefan Schneider ist das ein Segen, denn selbst er, der die Bäume schon aus ästhetischen Gründen schätzt, kommt mit der Obstbaumpflege im Kloster kaum nach. Während er zur Zeit vollauf damit beschäftigt ist, Hortensien, sowie Strauch und Kletterrosen zurückzuschneiden, haben Ingrid Marie, der Celler Dickstiel und sogar die Köstliche von Chaneux das Nachsehen. Allesamt erlesene Apfel- und Birnbaumsorten, deren Geschmack nur noch wenige kennen.

Den ersten Schnittkurs im Februar wertet er als großen Erfolg. In voller Kursstärke machten sich knapp 20 Natur- und Gartenfreunde gut gelaunt mit Schnitttechniken vertraut, die je nach Alter und Zustand eines Baums völlig unterschiedlich sind. Eine Handvoll Klosterbäume ließ wahlweise Erziehungs- oder Auslichtungsschnitt über sich ergehen. Weil das Kloster aber noch weit mehr Bäume mit Pflegebedarf hat und selbst die Warteliste zum Seminar sich rasch gefüllt hatte, setzen die Projektverantwortlichen jetzt einen zweiten Schnittkursus im Sommer an. Am 29. Juni ab 16 Uhr geht es an die Fortsetzung.

In der Zwischenzeit tobt auf und unter Zweigen und Ästen das pralle Leben. Darum laden Kloster, BUND und der Niedersächsische Heimatbund als weiterer Projektpartner im Mai zu einer Ornithologischen Exkursion über das Klostergelände ein.

Am Samstagmorgen, 13. Mai, um 7 Uhr beginnt die zweistündige Führung. „Wir möchten die frühen Morgenstunden dazu nutzen, uns mit den gefiederten Bewohnern der Obstwiese und des Klostergartens vertraut zu machen“, heißt es in der Ankündigung. Weitere Meilensteine im Projektverlauf sind dieses Jahr sowohl Verkostungen als auch die Bestimmung der verschiedenen Obstbaumsorten. „Da geht es darum den Zustand der einzelnen Modellgärten noch besser zu erfassen um Vorschläge machen zu können, wie sich die Wiesen noch weiter verbessern lassen“, sagte eine Projektmitarbeiterin auf Anfrage. Solche Termine liefen allerdings eher im Hintergrund ohne öffentliche Beteiligung ab. Während das Kloster konkret ehrenamtliche Mitstreiter sucht, um den eigenen Bestand in Bestform zu erhalten, soll niedersachsenweit ein Streuobstwiesenverein entstehen, der sich langfristig für Artenschutz der Bäume und Tiere einsetzt und als Wissensvermittler funktioniert.



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