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Polizei kämpft gegen die Straftat Unfallflucht / 205 Fälle allein im vergangenen Jahr

Kleiner Kratzer – große Wirkung

Springe. Ein Parkplatz irgendwo in der Stadt. Die Autotür geht auf, Metall schabt auf Lack. Und dann? Setzt sich der Fahrer einfach hinters Steuer und braust davon, ohne sich um den Schaden zu kümmern. So oder ähnlich hat sich diese Szene im vergangenen Jahr in Springe 205 Mal abgespielt. Unfallfluchten sind nicht nur für den Geschädigten bitter. Die Polizei kämpft schon lange gegen das vermeintliche Kavaliersdelikt – die Aufklärung gestaltet sich jedoch oft schwierig.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

So konnte im Vorjahr in nur 43 Prozent der Fälle ein Täter ermittelt werden. „Das ist keine besonders gute Quote“, räumt der Springer Hauptkommissar Jörg Thäte ein. Aber warum fahren mehr als 200 Springer im Jahr einfach weg – und begehen so eine Straftat? Gerade wenn es sich um Fälle auf Parkplätzen handelt, glaubt Thäte, „denken viele: Das ist ja nur ein kleiner Kratzer“. Doch die heutigen Autos stecken voller teurer Ausstattung: hochwertige Stoßstangen, Außenspiegel mit Elektronik. „Da ist man schnell bei 1000 Euro angekommen“, sagt Thäte.

Einer der Schwerpunkte für die Polizei ist nach wie vor das Geschäftszentrum an der Osttangente. Allein auf den dortigen Parkplätzen ereigneten sich im Vorjahr 22 Fälle von Unfallflucht. Für 2012 hat die Polizei schon sieben Taten registriert – Stand vergangene Woche. Davon, berichtet Thäte stolz, habe man aber auch sechs aufklären können.

Dabei ist die Polizei meist auf Zeugen angewiesen. Wer merkt, wie sich jemand aus dem Staub macht, solle rasch reagieren und sich zumindest das Kennzeichen merken: „Man würde ja auch hoffen, dass jemand das macht, wenn man selbst geschädigt ist“, appelliert der Hauptkommissar. Manch eine Tätersuche kann trotz allem langwierig werden: Dann muss die Polizei sich an Werkstätten wenden, Schadensbilder analysieren, Verzeichnisse durchforsten.

Viel Aufwand – und wenn dann doch ein Täter ermittelt wird, streitet der meistens alles ab. „Ich habe gar nichts gemerkt“, ist die häufigste Ausrede, die Thäte und seine Kollegen hören. Doch für den Hauptkommissar ist das unrealistisch: „Man merkt es, wenn man gegen etwas fährt oder stößt. Man hört den Knall teils noch hunderte Meter weit entfernt.“

Ein Auslöser für die Vielzahl von Parkplatz-Kratzern sieht Thäte übrigens im Wandel der Zeit: Die Standards für die Größe von Parklücken habe sich nicht der wachsenden Breite und Länge der Autos angepasst: „Früher war mehr Abstand zum Nebenmann da.“



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