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Das Geld reicht nicht für die Straßenerhaltung

Klebstoff statt Flüsterasphalt

Springe. Holperig geht es durch Springe. Schlaglöcher, poröser Asphalt, Fahrbahnrinnen – Kraftfahrer meckern und sorgen sich um ihre Stoßdämpfer. Auch die Straßenbauer würden gern mehr investieren. Doch große Sprünge erlaubt der Haushalt nicht. Sanierungen sind praktisch ausgeschlossen, das Geld reicht nicht einmal für die Unterhaltung, die die Substanz erhält. Ein Überblick.

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Autor:

Markus Richter

Laut ADAC und einer Expertenkommission geben deutsche Kommunen im Schnitt jährlich nur 75 Cent pro Quadratmeter für die Unterhaltung ihres Verkehrsnetzes aus – deutlich zu wenig. Um einen Substanzverlust zu vermeiden, wären 1,30 Euro pro Quadratmeter erforderlich. Springes Straßenexperte Gerd Gennat aus dem Tiefbauamt rechnet grob vor: Die Deisterstadt kann nicht einmal die Hälfte dessen aufbringen, das nötig wäre, um dem Zerfall Einhalt zu gebieten. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 765 000 Euro ausgegeben, notwendig allein für die Beibehaltung des Status quo wäre 1 Million Euro. „Die tatsächlichen Aufwendungen liegen nur bei rund 400 000 Euro“, erklärt Gennat. Denn: Die andere Hälfte der Ausgaben errechnet sich mit der Arbeit des Betriebshofs. Fremdfirmen wären fast unbezahlbar. „Der Betriebshof ist Gold wert“, findet Gennat daher.

Obwohl es gelungen ist, den Ansatz für 2014 zumindest im Haushaltsentwurf auf 970 000 Euro anzusetzen, reicht das Geld nicht. Tatsächlich liegt Springe mit 60 Cent deutlich unter dem Bundesschnitt.

Das stadteigene Straßennetz umfasst eine Länge von 175 Kilometern – bei einer geschätzten Durchschnittsbreite von 8 Metern. So ergibt sich eine Fläche von 1,4 Millionen Quadratmetern, die es zu pflegen gilt. Wünschenswert wäre, Lärm zu reduzieren, den Wasserabfluss zu verbessern, den Fahrkomfort zu erhöhen und Schlaglöcher zu vermeiden. 10 Millionen Euro im Jahr wären dafür ein guter Anfang – doch natürlich völlig utopisch, es sei denn, Bund oder Land drehen den Geldhahn ganz weit auf. „Schönheit gibt es nicht, stattdessen kleben wir die Straßen zu, damit Wasser keinen Schaden anrichtet“, sagt Gennat. „Ein Highlight wäre, mal eine Decke zu erneuern.“ Doch die Sanierung wird ungemein teurer als die Flickschusterei – was dann 40 bis 50 statt 5 bis 6 Euro pro Quadratmeter kosten würde.

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